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 Interview mit dem Erfinder der superleichten Sieltec Geschirre  

Vierspänner mit Sieltec und „Volldampf“ voraus

Ein Turnschuh für das Fahrpferd

Sie sind Fahrer und überlegen vor jeder Ausfahrt dreimal, ob sie sich die Schlepperei und das Anschirren mit dem schweren Lederzeug antun sollen. Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie nach flotter Ausfahrt mit schwitzendem Pferd nicht sofort ihr Geschirr gereinigt, gefettet, geölt und trocken verräumt haben. Sie wünschen sich ein Geschirr aus modernen Werkstoffen, pflegeleicht und robust, mit nur einem Zehntel des Gewichts von einem Ledergeschirr. Hufgeflüster sprach mit Dietmar Krüger, dem Erfinder des Sieltec Fahrgeschirres, der gerade dabei ist, die Vorstellung von einem guten Zuggeschirr für den Fahrsport zu revolutionieren.

Hufgeflüster: Grüß Gott Herr Krüger. Wie kommt ein Pädagoge auf die Idee, ein Zuggeschirr aus Kunstoffhohlseilen zu entwickeln?

Dietmar Krüger: Faulheit ist der Motor des Fortschritts. Ich arbeite als Pädagoge in der Jugendarbeit und habe meine Leidenschaft, Arbeit mit Pferden, in meine berufliche Tätigkeit einbringen können.

Hufgeflüster: Wie muss man sich das vorstellen?

Dietmar Krüger: Wir haben mit unseren jungen Menschen mit Pferden in der Land- und Forstwirtschaft gearbeitet und mit ihnen wochenlange Wanderfahrten mit Planwagen und Kaltblütern unternommen. Abends musste ich die Jugendlichen immer wieder dazu bringen, die Ledergeschirre aufzuräumen und zu pflegen. Ich war es irgendwann leid und habe begonnen nach einer Lösung zu suchen.

Hufgeflüster: Warum ausgerechnet ein System mit Seilen, drückt das nicht?

Dietmar Krüger: Wir im Norden fahren ja schon immer mehr mit Blattgeschirren wie Sie im Süden. Ich selbst habe bei der Forstarbeit viel mit Ketten und Hanfseilen gearbeitet. Da lag es nahe ein Seilsystem zu entwickeln.

Hufgeflüster: Für die Entwicklung eines Fahrgeschirrs ist viel Fachwissen notwendig. Sind Sie mit Pferden aufgewachsen oder familiär vorbelastet?

Dietmar Krüger: Überhaupt nicht. Meine Eltern hatten weder Landwirtschaft noch Pferde. Ich war aber schon seit meiner Kindheit Pferdenarr und habe mir meine Kenntnisse im Laufe der Jahre angeeignet. Ich hatte das Glück die Arbeit mit Pferden mit meinem Beruf als Pädagoge verbinden zu können. Zusätzlich bin ich auch noch Fahrlehrer für die VFD, die Vereinigung der Wanderreiterreiter, Freizeitreiter und -fahrer Deutschlands.

Hufgeflüster: Können Sie uns sagen, wann die Geburtsstunde des Sieltec Geschirrs war?

Dietmar Krüger: Genau kann ich das nicht mehr sagen. Sicherlich war der intensive Umgang mit dem schweren Ledergeschirr Anregung für meine Entwicklung. Die jungen Mädels haben sich schwer getan, die schweren Ledergeschirre unserer Kaltblüter zu tragen. Ich habe mir schon lange eine einfache, leichtere, pflegeleichtere und auch pferdeschonendere Alternative zum Leder gewünscht.

Hufgeflüster: Die Jungs haben die Schlepperei der schweren Geschirre locker weggesteckt.

Dietmar Krüger: Die Jungs haben nichts gesagt, um sich keine Blöße geben. Die haben wahrscheinlich innerlich geflucht.

Hufgeflüster: Wie sind Sie auf die Idee gekommen das erste Sieltec Geschirr genau aus diesem Material anzufertigen?

Dietmar Krüger: In einem Katalog für Forstbedarf hatte ich zufällig ein Hohlseil für den Einsatz bei der Waldarbeit entdeckt. Wie schon erwähnt, hatte ich durch meine Pferdearbeit bereits einen Bezug zum Seil im Zugeinsatz, kannte aber auch die Nachteile von Kette und Hanfseil. Somit mußte ein anderes Material ohne diese Nachteile gefunden werden.

Hufgeflüster: Welche Nachteile sind das?

Dietmar Krüger: Die Kette ist hart und prellt das Pferd bei starkem Anzug. Das Hanfseil hat neuralgische Punkte wie Knoten und Scheuerstellen, z.B. an Schäkeln und daher eine relativ kurze Lebensdauer. Ausserdem bekommt man die Knoten in Hanfseilen nie mehr auf, wenn da einmal Zug drauf war.

Hufgeflüster: Und aus diesen Erfahrungen ist Sieltec entstanden?

Dietmar Krüger: Aus meinen Erfahrung mit Ketten, Hanfseilen und Ledergeschirren habe ich dann das erste Sieltec Geschirr aus den Hohlseilen entwickelt.

Hufgeflüster: Wie viele Jahre hat die Entwicklung gedauert?

Dietmar Krüger: Die Entwicklung war innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen.

Hufgeflüster: Und alles erst mal selbst ausprobiert?

Dietmar Krüger: Alle Tests habe ich mit „Lotte“ , meiner erfahrenen Kaltblutdame durchgeführt. Wir haben Sieltec in der Landwirtschaft, im Forst und vor dem Wagen ausprobiert. Erst einspännig im Schritt, dann Trab, dann Galopp und später, nachdem die Sicherheit da war, auch zwei- und vierspännig.

Hufgeflüster: Die Ergebnisse waren positiv, sonst würden wir Heute nicht sprechen?

Dietmar Krüger: Die Ergebnisse haben meine Erwartungen weit übertroffen. Das Geschirr war sehr leicht, extrem pferdeschonend, pflegeleicht, unkompliziert in der Handhabung und einfach zu reparieren.

Hufgeflüster: Ein voller Erfolg in allen Bereichen?

Dietmar Krüger: Nach jedem Einsatz haben wir ausgespannt und uns erst um die Pferde gekümmert. Die Sieltec Geschirre lagen inzwischen einfach auf dem auf dem Boden. Erst nachdem die Pferde versorgt waren wurden die Geschirre ohne weiteren Aufwand verräumt und konnten am nächsten Morgen wieder eingesetzt werden. Waren sie sehr verdreckt, haben wir die Geschirre schnell mit Wasser gereinigt und sind über Nacht wieder getrocknet. Wir hatten nie Druck oder Scheuerstellen. Machen Sie das mit Ledergeschirren haben Sie Schaden an Pferden und Geschirren. Putzen, Ölen, und Fetten entfällt. Der geschlossenporige Schaumstoff der Unterlage nimmt weder Schmutz noch Feuchtigkeit auf. Vor allem die Mädels in den Jugendgruppen waren von den neuen Geschirren begeistert. Die brachten jetzt nur noch ein Zehntel des Gewichtes von einem Ledergeschirr auf die Waage.

Hufgeflüster: Das geringe Gewicht kommt sicher auch den vielen Frauen entgegen die im Pferdesport in der Überzahl sind und vielleicht auch Interesse am Fahrsport haben. Die müssen von Ihrem Geschirr begeistert sein.

Dietmar Krüger: Einmal das, aber denken Sie auch an die demographische Entwicklung. Die Freizeitgesellschaft altert und auch ein gestandener Fahrer der mit 20 locker 20 Kilo Ledergeschirr geschultert hat freut sich mit 60 Lenzen über 15 Kilo weniger Gewicht beim Schleppen.

Hufgeflüster: Ich muss keine 60 werden um das nachempfinden zu können. Gibt es neben Gewichtsersparnis und leichter Pflege noch weitere Vorteile?

Dietmar Krüger: Durch die besondere Struktur des Hohlgeflechts lassen sich alle Knoten problemlos wieder öffnen nachdem Zug drauf war. Ich setze daher auch Knoten, um Leinen z.B. während einer Wagenfahrt schnell mal zu kürzen.

Hufgeflüster: Leinen einstellen mit Knoten hört sich nach Improvisation an -freundlich formuliert.

Dietmar Krüger: Knoten sind schnell gesetzt und gelöst. Eine Schnalle zu öffnen und zu verstellen, wenn das Leder steif ist, dauert länger.

Hufgeflüster: Glauben Sie, dass Ledergeschirre durch Ihre Erfindung die beste Zeit hinter sich haben?

Dietmar Krüger: Sieltec ist ein neues System mit eigener Logik und bricht mit der klassischen Vorstellung wie ein Zuggeschirr auszusehen hat. Das ist nicht Jedermanns Sache. Ledergeschirr hat sicher seine Existenzberechtigung, schon allein aus historischer und traditioneller Sicht. Sieltec habe ich zuallererst aus meinen Erfahrungen, meinen Anforderungen und für das Wohl meiner Pferde,entwickelt. Erst dann kam die Idee der Vermarktung. Inzwischen wird Sieltec von vielen Fahrern in Freizeit, Gewerbe und Wettbewerb eingesetzt.

Hufgeflüster: Aufgrund der vielen Vorteile!

Dietmar Krüger: Einmal das und ein weiterer Aspekt ist natürlich der attraktive Preis. Auch Einsteiger können sich ein hochwertiges Geschirr zum Probieren zulegen, ohne astronomische Summen für ein brauchbares Geschirr zahlen zu müssen. Bedenken Sie, dass ein Sieltec Geschirr immer nach Maß gefertigt ist und passt, sofern der Kunde einigermaßen richtig gemessen hat. Das macht den Fahrsport, so hoffe ich, für eine breitere Zielgruppe interessant.

Hufgeflüster: Wann Sind Sie mit Ihrem neuen Produkt an die Öffentlichkeit gegangen? Dietmar Krüger: Das war im Jahre 2002 auf der Hamburger Pferdemesse. Hufgeflüster: Ihre revolutionäre Idee wurde sicherlich mit Begeisterung aufgenommen?

Dietmar Krüger: Wo denken Sie hin, Fahrer sind konservative Zeitgenossen. Es gab Situationen, wo ich um das Wohl von Leib und Seele gefürchtet habe. Ein ernstzunehmendes Geschirr hatte damals aus Leder zu sein. Mein System hat überhaupt nicht den gängigen Vorstellungen von einem ordentlichen Zuggeschirr entsprochen.

Hufgeflüster: A Guads ist aus Leder. Alles andere ist Geraffel oder a Gelump, wie man in Bayern sagt.

Dietmar Krüger: Das trifft wohl die damalige Haltung recht gut. Andererseits hatte ja jeder die gleichen Probleme mit dem Lederzeug. Ich habe immer wieder Fahrer erlebt, die stundenlang um unseren Stand geschlichen sind und sich nicht getraut haben, uns anzusprechen.

Hufgeflüster: Interessant. Zusammenfassend könnte man sagen, dass Sie mit Ihrem Geschirr die Welt des Fahrens und Arbeitens mit Pferden revolutionieren?

Dietmar Krüger: Ich denke, dass ich einen „Turnschuh“ entwickelt habe, der es unseren Pferden ermöglicht leichtfüßig, quasi wie auf Wolken, einen Wagen zu ziehen.

Hufgeflüster: Wie sieht es mit der mechanischen Belastbarkeit der Seile aus? Ich denke da an Bruchlasten, Reißfestigkeit usw.!

Dietmar Krüger: Die Belastbarkeit ist enorm hoch. Mir ist kein Fall von einem gerissenen Sieltec Geschirr bekannt.

Hufgeflüster: Haben Sie konkrete Zahlen?

Dietmar Krüger: Nicht parat, aber wir haben mit unserem Geschirr den Test mit den Magdeburger Halbkugeln* durchgeführt, problemlos. Es gibt ja auch Menschen, die genau die hohe Belastbarkeit der Seile kritisieren. Die können sich aber gene Sollbruchstellen in das Geschirr einbauen.

Hufgeflüster: Wie sieht es mit der UV-Beständigkeit des Materiales aus? Dietmar Krüger: Laut Hersteller ist das Material UV-bständig. Hufgeflüster: Wie ist das mit dem Kunststoff auf der Haut, ist das gesund? Leder ist ja ein Naturprodukt!

Dietmar Krüger: Wir Menschen tragen heute beim Sport auch moderne Funktionskleidung aus synthetischen Materialien und immer seltener Naturprodukte.

Hufgeflüster: Wie Radsportler die diese hautengen Trikots tragen.

Dietmar Krüger: Zum Beispiel, oder denken Sie an Bergsteiger. Da steigt keiner mehr in Loten und schweren Lederschuhen auf den Berg, sondern in moderner Ausrüstung aus Kunststoffen. Außerdem ist die Verwendung von Leder als Zuggeschirr kein Garant für ein hautfreundliches Verhalten. Denken Sie an die vielen giftigen Stoffe die in manchen Herkunftsländern zur Bearbeitunmg von Leder eingesetzt werden.

Hufgeflüster: Sieltec ist jetzt seit 7 Jahren auf dem Markt. Ihr Geschirr hat stark polarisiert und tut es immer noch. Wie müssen wir uns Ihre Kunden vorstellen?

Dietmar Krüger: Völlig unterschiedlich. Sieltec überzeugt immer mehr Wettbewerbsfahrer im Marathon. Dafür ist das Geschirr ideal. Es ist leicht wie ein Turnschuh und behindert die Pferde nicht in ihrer Bewegung. Ein Kunde hatte für seine Tauchschule einmal ein Eselgeschirr geordert. Der Esel lieferte die Taucherausrüstung mit ins Meer und holte sie dort auch wieder ab. Das Salzwasser hat jedes Ledergeschirre zerstört, aber Sieltec ist unempfindlich gegenüber Salzwasser und das hat natürlich gepasst. Im vergangenen Jahr hat ein Tourismusbetrieb, der Wanderfahrten mit Pferd und Wagen anbietet, komplett von Leder auf Sieltec umgestellt. Sieltec ist im Einsatz leichter, pflegeleichter und robuster im Vergleich zum klassischen Ledergeschirr. Allein durch die entfallenen Sattlerkosten hat sich die Umstellung schon amotisiert. Darüber hinaus wird Sieltec auch als Zuggeschirr für Schlittenhunde eingesetzt.

Hufgeflüster: Ein große Bandbreite, die über den offensichtlichen Einsatz als Pferdegeschirr oder Zweitgeschirr , wie Sie es auf Ihrer Homepage vorschlagen, weit hinausgeht. Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Dietmar Krüger: Ein großes Ding ist Optik. Hufgeflüster: Noch farbenfrohere Geschirre? Dietmar Krüger: Wir sind stolz auf unsere Leistung ein puristisches, hochwertiges und preisgünstiges Geschirr geschaffen zu haben. Trotzdem arbeiten wir an einer „De Luxe“ Version des Sieltec Geschirrs, für die Kunden, die sich absetzen möchten.

Hufgeflüster: Wie muss man sich die De Luxe Version vorstellen? Dietmar Krüger: Genaues kann ich noch nicht sagen, nur so viel, Kabelbinder werden beim De Luxe Geschirr nicht mehr zu sehen sein. Hufgeflüster: Haben Sie noch weitere Pläne oder Wünsche für die fernere Zukunft?

Dietmar Krüger: Sieltec ist preisgünstig, haltbar, unempfindlich und leicht selbst zu reparieren. Daher eignet es sich meiner Meinung nach sehr gut für den Einsatz in sogenannten Entwicklungsländern, die noch vile mit Zugtieren arbeiten. Dort kann unser Geschirr Tier und Mensch die Arbeit und den Alltag erleichtern. Das wäre ein Wunsch von mir für die Zukunft.

Hufgeflüster: Herr Krüger wir danken Ihn für dieses interessante Gespräch.

* Im 17. Jahrhundert legte Otto von Guericke zwei ca. 50 cm große Halbkugelschalen so aneinander, dass sie eine Kugel bildeten. Anschließend entzog er dem so entstandenen Hohlraum die Luft. Der Luftdruck, der nun nur von außen auf die Kugelhälften wirkte, drückte diese so stark zusammen, dass sich diese selbst mit zwei Pferdegespannen à 15 Pferden nicht mehr auseinander ziehen ließen. Die Halbkugeln konnten erst wieder getrennt werden, nachdem durch ein Ventil Umgebungsluft zurück in die Kugel strömte.

Das Interview mit Herrn Krüger von Sieltec hat für HUFGEFLÜSTER Manfred Gorgus geführt. 

Copyright Fotos Sieltec

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