Wanderritt von Isseroda ( bei Weimar) bis Pullman City in Hasselfelde

 

Praktisch, gleich den ganzen Kirschzweig mitnehmen für unterwegs...


19.07.2010, Montagmorgen 9.30 stiegen vier mutige Wanderreiter aus Isseroda bei Weimar in die Sättel ihrer Pferde mit Pullman City als Ziel vor Augen. Geplant waren drei Tage hin und drei Tage Rückritt. Die Idee stammte von Frank sowie seiner Frau Barbara. Begleitet wurden die Beiden von Andreas und Michael. Es waren drei heiße Tage an denen nicht nur die Pferde literweise Wasser tranken. Die Ungewöhnlichen langen Tagestouren schaffte die Vollblutstute Lissy, geritten von Frank, mit Leichtigkeit. Barbaras Haflinger Odin hatte dagegen schon etwas mehr zu kämpfen. Ebenso kämpften sich Haflinger Chiko, geritten von Andreas  und die Haflinger Schecke Biene, auf der Michael saß, Meile für Meile vorwärts.

 

"Da ist auch bestimmt für uns was im Rucksack versteckt...?!"

 

Das erste Ziel war Weißensee, etwa vierzig Kilometer entfernt vom Heimatort.

Der Sattel von Biene hat keine Ösen oder Bänder, was ein kleines Problem gab, beim befestigen des Gepäcks. Es rutschte mal rechts, mal links, und musste immer wieder neu und kunstvoll verschnürt werden.

Wie in einer Wüste waren die Abschnitte, die durch die Felder führten. Die heiße Sonne knallte gnadenlos auf die Cowboyhüte. Viele Kilometer mussten zu Fuß zurückgelegt werden um die Tiere zu schonen.

Nach einer Übernachtung im Stroh in der Pferdepension Müller in Weißensee war eine Koppel in der Nähe von Auleben das nächste Ziel. Hier wurden die Zelte aufgeschlagen um ausgeruht den längsten Abschnitt der Tour anzugehen.

Mit Karte und Kompass erreichten die vier Reiter am späten Abend um 22.30 endlich ihr Ziel: Pullman City.

 

Mainstreet "Pullman City / Harz"

 

 

Ich kam bequem am nächsten Tag mit dem Auto dazu. Es war ausgemacht, dass ich auf Biene den Ritt nach Hause übernehme, da Michael Termine hatte. Mit meiner Familie übernachtete ich im Ferienpark an der Westernstadt, die mir so sehr gefallen hat, dass ich schon meinen Urlaub für das nächstes Jahr hier geplant habe.

Die Westernstadt war einmalig. Am liebsten wäre ich länger geblieben.

Ein Ausflug nach Pullman City lohnt sich für Groß und Klein. Es gibt eine Menge hier zu sehen und ein Cowboyherz schlägt auf jeden Fall höher wenn es durch die Mainstreet der Stadt geht.

 

Pullman City Marshalls - Die Earps mit Rantanplan

 

Es war ein tolles Gefühl mit der Satteltasche auf der Schulter den Stepwalk entlang zu gehen, und dem Marshall einen guten Morgen zu wünschen, der schon vor seinem Office saß. Ein letzter Blick auf den Saloon, in dem am Abend zuvor das super Live Daniel T. Coates Duo für Stimmung sorgte.

 

"Alles fertig zur Abreise, dabei war es doch sooo schön hier im Stall..."

 

9.00 verließen wir vier Pullman City. Wir machten nur kurze Pausen im Grünen und erreichten nach einigen Umwegen und etwas Regen um 18.00 Uhr die Kalkhütte bei Urbach, einem Restaurant mitten im Wald. Wir stärkten uns mit einer guten Soljanka und brachen schon nach 15 Minuten wieder auf, denn die Wanderwege im Harz waren sehr schlecht ausgeschildert was uns viel Zeit raubte.

 

Harz ? Wo ? Wie ? 

 

Nach 13 Stunden im Sattel erreichten wir die Koppel bei Auleben.  

Verwandte von Frank und Barbara warteten in einem Pavillon auf uns. Sie hatten Brote und Suppe vorbereitet und sogar die Zelte waren schon aufgebaut.

 

Auleben bei Nacht...

 

Um 6.00 Morgens bekamen wir erst mal einen Schreck. Die Pferde waren weg. Bei Tageslicht sahen wir die offene Stelle im Zaun und die Spur der Ausreißer. Nach vierstündiger Suche kam endlich der erlösende Anruf eines Tierheims.

„Ihre Pferde stehen hier bei uns in Sondershausen.“

Wir luden unsere Sättel und Zaumzeug in das Auto der Verwandtschaft und fuhren die fünf Kilometer zum Tierheim. Dort wurden wir freundlich empfangen und konnten unsere Pferde wieder begrüßen.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken beim Tierschutz Notdienst sowie dem Tierheim Sondershausen für ihren Einsatz und die schnelle Hilfe.

Wir setzten unseren verspäteten ritt nach Weißensee um 11.00 Uhr fort. Es ging gut voran, obschon die Pferde von ihrem Nächtlichen Ausflug etwas müde wirkten. Erreichten wir um 18.30 Uhr unser Ziel.

 

Drei Sterne Strohbett in Weißensee

 

Beim Reit und Fahrverein Müller stellten wir die vier auf die Koppel, richteten unser Lager im Stall ein und gingen anschließend gut zu Abend Essen im Promenadenhof, den ich sehr empfehlen kann. Trotz unserer verschmutzten Kleidung und dem strengen Pferdegeruch wurden wir freundlich bewirtet und das Essen war sehr gut.

Die letzte Etappe begann am Sonntagmorgen am 25.07.2010 um 9.00 Uhr.

Während wir bisher sehr viel durch Wald geritten waren, führte uns dieser Teil durch einige Dörfer. Unser Hufgeklapper ließ so manchen aus seinem Haus kommen um uns vier Cowboys zu begrüßen. Über Tunzenhausen und  Schallenburg kamen wir nach Großrudestedt. Hier bekamen unsere durstigen Pferde Wassereimer von einem netten Bewohner.

 

Wer war müder, die Pferde oder die Cowboys ?

 

Weiter ging es bis Kleinruderstedt und Eckstedt. Hier führte der Weg an die Gramme entlang, die ich fotografiert habe, denn ich wohne schließlich im Grammetal. Hinter Ollendorf zog sich ein langer Feldweg bis Niederzimmern, den wir ein gutes Stück zu Fuß wanderten. Es tat sehr gut sich die Beine zu vertreten, denn nach gut sechs Stunden im Sattel fragte ich mich wozu ich das ganze überhaupt mache. Aber dieser Gedanke kam mir jeden Abend bei den letzten Kilometern. Wenn wir dann die Pferde abgesattelt hatten und unser Nachtlager einrichteten, freute ich mich wieder auf den nächsten Morgen.

Um 16.00 ritten wir am Stausee Niederzimmern vorbei bis nach Hopfgarten. Unser Ziel rückte allmählich Näher.

 

Der Weg ist das Ziel 

 

Das letzte Stück von Nohra bis Isseroda war schon ein erhebendes Gefühl. Wir hatten es geschafft. Gesund und mit allen vier Pferden ritten wir nebeneinander die Straßen ins Dorf hinein bis zur Heimischen Koppel. Dort wartete schon unser -Empfangskomitee -, unsere Familien mit den Kindern.

Mit Sekt und Bier in der Hand beobachteten wir Biene, Lissy, Chiko und Odin, die sich auf der saftigen Wiese wälzten und uns danach provokativ die Hintern zeigten. (Wir gehen jetzt nirgendwo mehr hin !)

 

Feierabend, jetzt bleiben wir hier !

 

Es waren wunderschöne drei Tage in denen ich viel gesehen habe. Und sollte nächstes Jahr wieder ein Wanderritt geplant sein, bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.

 

Andrea Rongen