Anregend und aufregend zugleich:

Die 22. Hippologica unter’m Funkturm in Berlin

 

 

Die Summe der vielen verschiedenen Angebote hat diese Messe für die großen und kleinen Besucher so interessant gemacht. Alle kann ich gar nicht aufzählen; so bescheide ich mich hier mit denen, die mir besonders gut gefallen haben.

Da wären zunächst die einzigartige Vorführungen der Reiterstaffel der Bundespolizei zu nennen.

Im großen Ring führten sie sehr lebensnah vor, wie sie mit Hilfe der ausgezeichnet geschulten Pferde eine lautstarke Demo in den Griff bekommen. Trotz der Schüsse und des feindseligen Gebrülls gingen die Pferde unbeirrbar auf die „Demonstranten“ zu und leiteten sie in die erwünschte Richtung.

 Im Kleinen Ring zeigten die vierbeinigen „Polizei-Einsatzkräfte“ ihre Nervenstärke beim Reiten über Plastikflaschenhaufen, wie sie (leider) bei großen Events anzufallen pflegen; auch das Schwenken von Fahnen, der Bewurf mit Tennisbällen oder das Aufspannen von Regenschirmen auf und vor ihnen, konnte sie in keiner  Weise irritieren. Mit großem Vergnügen zeigten sie sich mit einem großen, roten Ball auch noch als geschickte Kicker.

Nervenkitzel waren die Feuernummern: Fackeln wurden angezündet und in den Sand gesteckt. Die Pferde umrundeten sie in Schlangenlinien, als ob sie auf dem Dressurplatz seien. Dann mußten sie durch eine Feuergasse gehen und als Höhepunkt auch noch über eine Feuerbarriere springen. Und nach all diesen „Aufregern“ standen sie in Reih und Glied, nachdem der verdiente Beifall abgeebbt war, und ließen sich freundlich dreinblickend von Kinderhänden und Erwachsenen streicheln.

Ich bin zwar kein Turnierfan, aber die Springprüfung Kl. S und den Großen Preis der Hippologica 2013 wollte ich mir nicht entgehen lassen, weil ich neugierig  auf André Thieme und seine „Französin“ war. Und, was soll ich sagen? „Er hat es wieder getan.“ War der Kommentar des Sprechers. In sagenhaften 39,23 Sekunden bewältigte er den, wegen seiner engen Wendungen und kurzen Abständen, enorm schwierigen Parcours fehlerlos. Ich war fasziniert davon, wie die Pferde es schafften, immer wieder genug Schwung zu bekommen, um die Hindernisse zu bewältigen.

Ein Riesenhighlight war für mich ebenso wie für meine neunjährige Enkeltochter, das kombinierte Hindernisfahren für Zweispänner der Kl.M.

Die Musik dröhnte, das Publikum klatschte, pfiff und johlte. Es war eine Riesenstimmung, die die Fahrer und Beifahrer zu Höchstleistungen anspornte. Man muß so etwas gesehen haben, weil’s fast unglaublich ist, wie die Gespanne in höchster Präzision um die Hindernisse zirkelten, um dann auf der kurzen Geraden in rasendem Tempo auf das nächste Hindernis zuzugaloppieren, das Tempo aufzunehmen und das Hindernis zu umrunden. Und dann gaben sie auf der Zielgeraden nocheinmal alles, sodaß man befürchten mußte, die Fahrer könnten die Rosse unmöglich vor der Bande wieder einfangen.

Interessant war auch die Rassenvielfalt der angetretenen Gespanne: Da gab’s die eleganten und zierlichen Renner, aber zu meinem Erstaunen nicht nur die eher behäbigen Tinker, sondern sogar ein Gespann mit Kaltblütern aus Brück! Und auch diese machten ihre Sache ausgezeichnet, was natürlich für ihre gekonnte Gymnastizierung spricht.

Ein krönender Abschluß einer gelungenen Pferdemesse.

 

 

 

 

 

Bilder und Text: Hufflüsterin Jutta Schroer