Et cetero censeo carthaginem esse delendam !

(Und im Übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden muß!)

Oder:  Wie ein brandenburger Finanzminister versucht, die Existenz eines benachbarten Reiterhofs im Pferdedorf Bötzow, Oberhavel, zu zerstören... 

So drastisch wie der römische Senator Cato, der diesen Satz nach jeder seiner Reden abfeuerte (Zermürbungstaktik), geht der brandenburgische Finanzminister Helmuth Markov natürlich nicht vor. - Aber eine gewisse Ähnlichkeit, vor allem mit dem Endziel, fiel mir gleich auf, nachdem ich den Vorgang, um den es hier geht, näher betrachtet hatte. 

Er ließ seine Ehefrau, Reinhild Markov, am 21. 10. 2011, eine Anfrage an den Landkreis Oberhavel, FB Bauordnung und Kataster, schreiben, mit der Bitte um „ Auskunft zum Bauvorgehen in nachbarlicher Pferdewirtschaft“. Denn sie (Helmuth und Reinhild M.) hätten vernommen, daß es für die inzwischen erstellten Pferdeboxen keine Baugenehmigung gäbe …(Herr Markov sitzt im Bauausschuß der Gemeinde!)

Gewiß würden sie Pferdewirtschaft befürworten, heißt es weiter, „solange dies maßvoll geschieht und der Dung in zeitgemäßer Form zur Vermeidung extremer Geruchsbelästigung und Ungezieferentwicklung entsorgt wird.“

Aber das vorliegende Maß empfindet das Ehepaar Markov als unangemessen, weil die Geruchsbelästigung bis in den Juni dauere und „die Belästigung durch Fliegen und Bremsen hält auch im Sommer keinem Vergleich mit dem Sommer 2005 stand.“ Damit will Frau Markov sagen, daß es zwar einen Reitbetrieb gab, aber nicht die unzumutbare Anzahl von „12 Pferde(n) – manchmal sind auch 13 zu sehen…“ – die erst mit dem Kauf des Grundstücks durch die Familie Heinzig dort Einzug hielten.

Dazu muß man wissen, daß es sich um einen alten, sehr runtergekommenen Vierseitenhof handelt, auf dem die Pferdehaltung eine lange Tradition hatte.

Dann wird noch über den Dunghaufen lamentiert, der sich 13 Meter von ihrem Küchenfenster entfernt befinde.

Abschließend werden die Sachbearbeiter um eine zeitnahe Antwort gebeten.

Sechs kopierte Beweisaufnahmen, die erste stammt bereits von Pfingsten 2009(!), liegen der ‚Anfrage‘ bei.

Was zwischen Amt und Minister von Ende Oktober bis zum 24. Januar 2012 geschah, entzieht sich meiner Kenntnis. An diesem Tag jedoch startete der Angriff der unteren Bauaufsichtsbehörde auf den Hof, auf die Existenzgrundlage von Jaqueline und Andreas Heinzig.

Eine sechsseitige Beseitigungsverfügung flatterte ihnen ins Haus, Kostenpunkt 250 €, die gebot, Unterstände und Einzäunungen der Auslaufflächen sowie die ‚Dunglege‘ innerhalb einer Frist von 4 Monaten vollständig zu beseitigen.

Perfiderweise bat dieselbe Behörde bei dem Bauingenieurbüro, das inzwischen für die Heinzigs tätig geworden war, schriftlich um Kopien der genehmigten Bauvorhaben. (Man erinnere sich, wer im Bauausschuß der Gemeinde sitzt.)  

Heinzigs hatten längst eine engagierte Rechtsanwältin eingeschaltet,  und es ging hin und her in diesem Zermürbungskrieg mit Widerspruch und Widerspruchsbescheid, worin sich das Amt unglaublich steigerte und im Mai schließlich eine generelle Nutzungsuntersagung verfügte!

Sowas geht doch an die Substanz und Heinzigs schalteten die Medien ein, die auch einen gewaltigen Wirbel verursachten. (Nachzulesen und zu hören: Pferdepension Heinzig unter der Rubrik Willkommen)

Aber dann war Funkstille bis Ortsvorsteher Günter Franke, Intimus des Finanzministers, mal eben beschloß, die Einführung einer Pferdesteuer, an der Öffentlichkeit vorbei, auf die Tagesordnung der Sitzung des Ortsbeirates vom 18. Oktober 2012 zu setzen. (Nachzulesen auch auf der hp VFD Landesverband Berlin-Brandenburg unter Recht aktuell)

Wie unsensibel! Bötzow wirbt mit dem Markenzeichen Pferdedorf!

Jedenfalls mobilisierte diese Nachricht genügend Reiter, um diesen Tagesordnungspunkt ebenso ersatz- wie ruhmlos zu streichen.

Aber da kam bei mir die Frage auf: Was ist aus dem Misthaufenzoff, wie ein Blatt getitelt hatte, geworden?

Also rief ich Familie Heinzig an und verabredete den Termin am Samstag, 24. November 2012. Zuvor konnte ich mich durch den relevanten Teil des bisher gelaufenen Schriftverkehrs sachkundig machen, sodaß ich zu den Aufnahmen, die ich vom Hof und den Besitzern machen wollte, Fakten berichten konnte.

Meine persönliche Einschätzung des Hofes, der Pferdebesitzer, die ihre Pferde hier eingestellt haben und vor allem von Jaqueline und Andreas Heinzig ist top! Dem Hof würde ich sofort meine Pferde anvertrauen. Morgens um 11h waren alle Ausläufe astrein sauber, auf den Koppeln lag kein alter Haufen rum. Die Miste, überzeuge Dich selbst, wenn du die Photos anschaust, ist bildschön gepackt. Kein Ungeziefer, keine Geruchsbelästigung weit und breit.

Fazit: Hier wird einem fleißigen, strebsamen Paar, aus nicht nachvollziehbaren aber fadenscheinigen Gründen versucht, den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Andreas baute diesen verfallenen Hof zu einer Zierde des Dorfes mit eigenen Händen wieder auf – und ist noch dabei. Seine Frau hilft ihm bei der Versorgung der Pferde und arbeitet als Hundeführerin vorzugsweise nachts.

Sollte der Finanzminister des Landes Brandenburg ebenso wie der Ortsvorsteher von Bötzow nicht glücklich sein, daß es so strebsame Menschen überhaupt noch gibt, und ihnen eher hilfreich zur Seite stehen, anstatt sie zur Verzweiflung und vor Gericht zu treiben durch den schäbigen Versuch, ungerechte amtliche Verfügungen zu erwirken, die sie ruinieren würden?

Denn so, wie das Amt sich wegen der Anfrage einer Bürgerin ins Zeug gelegt hat, der Minister bestreitet jeglichen Anteil an dieser Affäre, kann ich nur fragen:

Cui bono? (wem nützt es?)

Text und Bilder / Film:  Hufflüsterin Jutta Schroer