Pinos Geschichte


Pino wurde auf einem Bauernhof geboren. Die ersten Jahre durfte er mit seiner Mutter und den Geschwistern im Herdenverband verbringen. Er galt von Anfang an als sehr misstrauisch und skeptisch. Als 3 jähriger kam er dann, so wie alle Jungpferde des Bauern, in Beritt. Die Pferde sollten eine solide Grundausbildung bekommen, da sie den Gästen zum Reiten zur Verfügung standen. Was genau in dieser Zeit der Ausbildung geschah weiß bis heute niemand. Der Bereiter brach den Beritt nach sechs Wochen ab, da dieses Pferd absolut unreitbar und sogar lebensgefährlich wäre.
Von diesem Moment an hatte Pino jegliches Vertrauen in Menschen verloren. Wenn es ihm möglich war, flüchtete er und wenn nicht griff er auch an. Allein eine Hand auf seinem Rücken genügte, dass sein ganzer Körper erstarrte und jeder einzelne Muskel angespannt war. 


Die nächsten vier Jahre stand Pino auf der Weide und es wurden immer wieder mal erfolglos versucht sein Verhalten zu verbessern. Als der Bauer ihn schlussendlich mit 7 Jahren zum Schlachter fahren wollte entschloss ich mich den Pino zu kaufen.
Ich als durchschnittliche Englischreiterin, die Familienbedingt seit mindestens 10 Jahren nicht mehr im Sattel saß, hatte nun ein Pferd, welches von einem Profi aufgegeben worden war.


Aus Unsicherheit und der Angst etwas falsch zu machen, begann ich mich mit den sogenannten Pferdeflüsterern zu beschäftigen. Durch einen Zufall stieß ich auf eine Clubzeitschrift von NHT (Natural Horsemanship Team) und wusste sofort, das war mein Weg. So fuhren wir mit dem Pino nach Oberösterreich, das 360 Kilometer von uns entfernt liegt.
Und genau hier begann ein völlig neuer Lebensabschnitt. Mein Pferd, welches eine tickende Zeitbombe war, ein Pferd das sich lieber umgebracht hätte als einen Menschen auf seinem Rücken zu ertragen, begann langsam wieder vertrauen zu fassen. In vielen kleinen Schritten, Anfangs nur durch Bodenarbeit, lernte Pino, dass es auch Menschen gab, die fähig waren mit Pferden in einer ihnen verständlichen Sprache zu kommunizieren, der Körpersprache. Die Grundsäulen dieser Verständigung basierend auf Aufmerksamkeit, Vertrauen und Respekt legten den Grundstein, um meine, bis dahin erlernte Methode mit Pferden umzugehen völlig neu zu überdenken. Es war unmöglich dem Pino etwas über Zwang oder auch ungerechte Behandlung beizubringen, sofort verfiel er wieder in seine alten Muster. Für mich bedeutete das, ich musste lernen in jeder Situation richtig zu reagieren und meine Körpersprache richtig einzusetzen, nicht als Raubtier denkend sondern als Fluchttier. Nach drei Monaten Training für Pino und mich nahm ich ein Pferd mit nach Hause, welches inzwischen eine Bindung zu mir aufgebaut hatte, natürlich noch nicht gefestigt, aber der Anfang war gemacht. Pino konnte mich inzwischen im Schritt und Trab auf seinem Rücken ertragen und bei der Bodenarbeit konnte ich ihm schon sehr viel Sicherheit geben.


Zuhause bauten wir das Gelernte Schritt für Schritt weiter auf. 2007/2008 absolvierte ich ein Pferdepsychologiestudium, welches mich wieder bestärkte auf dem richtigen Weg zu sein.


Wer meine Videos kennt, weiß was wir Beide erreicht haben. Wenn man dieses Gefühl selbst erleben darf, wie es ist wenn ein Pferd einem sein Vertrauen und seinen Respekt schenkt, wenn man Dinge wie Halfter, Stricke, Trense usw. nur noch für Kommunikation und Verfeinerung , aber keineswegs zur Kontrolle braucht, wenn ein Pferd auch von der Weide zu einem kommt ohne dass man Leckerlis dabei hat, wenn es selbst bei der Ausführung schwieriger Lektionen ohne Zwang versucht sein Bestes zu geben, dann bleiben keine Zweifel mehr das richtige getan zu haben.


Pino ist bis heute noch sehr skeptisch und misstrauisch neuen oder fremden Dingen gegenüber, aber genau diese Sensibilität macht ihn zum absoluten Traumpferd. Er reagiert fast auf Gedanken und ist extrem fein im Umgang, und er orientiert sich in jeder, für ihn auch noch so schrecklichen Situation an mir.


Ein Pferd vergisst niemals, er würde auch heute noch, wenn es die Gegebenheiten erfordern, seine alten Muster wieder hervorholen, aber es ist möglich die schlechten Erlebnisse mit Guten zu überdecken. Vertrauen zu gewinnen dauert sehr lange, es zu zerstören nur ein paar Sekunden.


Welcher Pferdebesitzer, bzw. Reiter träumt nicht von einer harmonischen Beziehung zu seinem Pferd. Es ist fast ausnahmslos möglich, dabei ist es nicht wichtig ob man nun Natural Horsemanship betreibt oder etwas anderes. Es geht generell darum, mit dem Pferd in einer ihm verständlichen Sprache zu kommunizieren und es als Fluchttier zu verstehen.

Liebe Grüße
Elke Türtscher mit Pino

 

Hier gleich noch ein Film von den beiden:

 
Ein Film von naturalgirl11
 
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