FN-Studie bietet Chance für Vereine und Betriebe

Reiten fördert die charakterliche Entwicklung
FN-Studie bietet Chance für Vereine und Betriebe

Ein Bus fährt auf den Reiterhof Bitter in Ihlienworth. Fast 30 Kinder drücken sich hinter den Scheiben die Nasen platt. Den Kindern aus der DRK-Kindertagesstätte Cuxhaven und aus der Kita St. Nicolai steht ein besonderes Erlebnis bevor: Sie dürfen reiten. Luca* und sein Kumpel Ben*, beide fünf Jahre alt, sind aufgedreht. Sie rennen, schubsen und schreien über den Hof. Aber als sie Pony Max kennen lernen, werden beide ganz ruhig. Schüchtern hält Luca erst Abstand, dann streichelt er dem gescheckten Pony ganz vorsichtig über die Nase. Luca strahlt. Auch als er später an der Longe auf Max Rücken sitzt, ist er ganz ruhig und hört konzentriert zu, als die Ausbilderin vom Hof Bitter ihm erklärt, wie er die Arme in die Luft strecken soll. 

"Es ist faszinierend. Wilde und temperamentvolle Kinder werden im Umgang mit den Pferden viel ruhiger und die schüchternen Kinder blühen dagegen richtig auf", stellt Monika Schröter immer wieder fest. Die FN-Mitarbeiterin der Abteilung Ausbildung und Wissenschaft hat viele Jahre auf einem Ferienhof Kindern den Umgang mit dem Pferd und das Reiten beigebracht: "Schon nach wenigen Kontakten mit dem Pferd, entwickeln die Kinder eine Beziehung zu dem Pferd und sehen es als ihren Partner an."

 

 

Der Pferdesport bietet für die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen einzigartige Möglichkeiten. Was "Pferdeleuten" und Eltern reitender Kinder schon lange bekannt ist, hat jüngst auch eine Studie nachgewiesen: Reiten fördert die charakterliche und soziale Entwicklung. Reiten ist die einzige Sportart, die mit einem Lebewesen in partnerschaftlicher Weise gelernt und ausgeübt wird. Dadurch kann das Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen gestärkt und die Konzentrationsfähigkeit sowie das Verantwortungsbewusstsein geschult werden. Das Erlernen des Reitens kann die Lernbereitschaft fördern und sich so positiv auf die schulischen Leistungen auswirken. "Wir waren immer überzeugt vom positiven Einfluss des Pferdes auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, denn es entspricht unseren Erfahrungen und Beobachtungen. Wir wollten aber wissen, ob unsere Einschätzungen und Argumente stimmen bzw. was genau die Wirkung ist", erklärt Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN, den Grund für die Studie. "Mit der Studie haben nicht nur wir Pferdesportverbände, sondern auch alle, die sich in unseren Vereinen und Betrieben engagieren, jetzt handfeste Argumente pro Pferd."

Eltern, Presse und Sponsoren ansprechen


Für Vereine und Betriebe liefern diese Ergebnisse gute Argumente, um Eltern auf das Hobby Pferd aufmerksam zu machen, Kinder zum Pferd zu bringen und so neue Mitglieder zu gewinnen. Die Studie lässt sich auch hervorragend als "Aufhänger" nutzen, um die lokalen Medien auf die eigene Jugendarbeit aufmerksam zu machen. Häufig genug drehen sich die Berichte in den lokalen Medien nur um die Ankündigung des jährlichen Reitturniers oder um die Siege und Platzierungen von erfolgreichen Turnierreitern. Doch jeder Verein und Betrieb hat vermutlich genügend Beispiele aus der Praxis, wie das Pferd die Entwicklung von Kindern positiv beeinflusst, um darüber einmal in der Presse zu berichten. Oder es wird eine Aktion initiiert, zu der die Presse eingeladen werden kann. Ergänzend dazu kann die Pressemitteilung der FN zur Studie unter http://www.pferd-aktuell.de/fn/presse als Informationsmaterial heruntergeladen werden. Wer noch Reitschüler sucht, kann die Gelegenheit nutzen, um auch auf seine Ponyreitstunden, Voltigierunterricht und ähnliches hinweisen. Außerdem lässt sich vielleicht der ein oder andere Sponsor durch diese Argumente motivieren, den Umgang von Kindern mit dem Pferd und die Jugendarbeit des Vereins zu unterstützen. Vielen Unternehmen ist soziales Engagement ein wichtiges Anliegen. Musterbriefe, Checklisten und Arbeitshilfen für Vereine und Betriebe gibt es unter http://www.vorreiter-deutschland.de/verein/arbeitshilfen.

*Namen geändert

 


 

Ergebnisse der Studie: Vom Pferd fürs Leben lernen


Der "Coach Pferd" fördert die Charaktereigenschaften führungs- und durchsetzungsstark, zielstrebig, begeisterungsfähig, wettbewerbsorientiert, belastbar und strukturiert – bei diesen Eigenschaften wiesen die Reiter höhere Ausprägungen aus als die Nicht-Reiter. Auch im zwischenmenschlichen Bereich zeigten sich deutliche Unterschiede. "Der enge Kontakt mit dem Tier erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität für die feine Körpersprache der Pferde. Diese Fähigkeiten kommen Reitern im Umgang mit anderen Menschen zu Gute", betont Soenke Lauterbach. Davon profitieren vor allem junge Leute. Sie finden im Pferd nicht nur einen Freund, dem sie ihre Sorgen und Nöte erzählen können, sondern lernen vom ihm "fürs Leben". Der Kontakt zum Pferd zeigt auch eine unmittelbare Wirkung: Die befragten Reiterinnen und Reiter fühlten sich durch das Hobby "Pferd" ausgeglichener und zufriedener. Außerdem schätzten sich die Befragten in deutlich höherem Maß als Nicht-Reiter als naturverbunden, sportlich und aktiv ein. Die Studienergebnisse können bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung angefordert werden unter uneumann@fn-dokr.de oder Tel. 02581/6362-127.

 

fn-press