Gilt der Reitschülervertrag auch nach der Scheidung?

Ja, denn die Person des Reitlehrers ist entscheidend!

 

Rechtsanwalt Boris Wolkowski gerade seine Promotion zum Thema "Die rechtliche Behandlung der Kaufuntersuchung beim Pferdekauf" abgeschlossen.

 

Für jeden Anfänger ist es wichtig von einem guten Reiter unterwiesen zu werden. Ob dies privat im Familien- oder Freundeskreis oder durch einen professionellen Reitlehrer geschieht ist nicht so wichtig wie die richtige Chemie zwischen Reiter, Pferd und Lehrer. Wie wichtig gerade die Beziehung zu Letztgenannten ist, hat nun eine Entscheidung des Amtsgerichts München vom 05.07.2010, bestätigt. 

Rechtsanwalt Dr. Boris Wolkowski von der Kanzlei Szary & Partner in Mönchengladbach erläutert den Fall: Der Beklagte hatte bei einem, von einem Ehepaar betriebenen, Reitstall zunächst eine Probestunde und dann einen Mitgliedsvertrag für mehr als ein Jahr abgeschlossen. Besonders wichtig war die Reit- und Turniererfahrung sowie Fachkompetenz des Ehemannes als demjenigen, der ihn unterweisen sollte. Bereits kurz nach dem Vertragsschluss kam es zu einer Ehekrise in deren Folge der Ehemann schon nach zwei Monaten den Reitstall mit sechs Pferden verließ und einen eigenen Hof eröffnete. In diesen zwei Monaten hatte er den Beklagten mehrfach bei Ausritten begleitet und sich so ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Auch zu den vom Ehemann mitgenommenen Pferden hatte der Reitschüler schon eine besondere Beziehung aufgebaut. Aufgrund dessen erklärte er die sofortige Kündigung gegenüber dem weiter von der Ehefrau betriebenen Reitstall zum Ehemann zu wechseln. Diese akzeptierte die Kündigung nicht und verlangte die Zahlung sämtlicher Reitgelder bis zum Ablauf des Vertrages. Sie meinte selbst in der Lage zu sein, den Schüler zu unterweisen, da sie selber noch Pferde und grundsätzlich die gleichen Kenntnisse wie ihr Ehemann hätte. 

Das Amtsgericht München hat für den Kündigenden entschieden. Es hat ausgeführt, dass nach Abwägung der beiderseitigen Interessen eine Fortsetzung für den Reitschüler nicht zumutbar war. Bereits beim Vertragsschluss wäre klar gewesen, dass er vom Ehemann unterrichtet werden sollte und in den zwei Monaten hatte er eine besondere Beziehung zu ihm und den von diesem gehaltenen Pferden entwickelt. Das Gericht betonte die Wichtigkeit der persönlichen Betreuung und fachlichen Anleitung durch eine Vertrauensperson. Dieses Vertrauensverhältnis war so bedeutend, dass ein Kündigungsrecht gewährt werden musste. Zu berücksichtigen war, dass die ansonsten bestehende 9½-monatige Bindung zu lange wäre. Die Interessen der Ehefrau und Klägerin wurden vom Gericht zwar nicht verkannt, doch seien die wirtschaftlichen Interessen an der Durchführung des Vertrages zur Einnahmesicherung, zur Lebensführung und Aufrechterhaltung des Betriebes nicht so gravierend. Das Gericht führte auch aus, dass das Risiko einer Trennung bei einem gemeinsamen Reiterhof von Eheleuten nicht den Reitschüler treffen könne, sondern eben die Ehefrau als Betreiberin. Wenn sich ihr Ehemann trennt und dieser für den Reitschüler wichtig war, so können diese von einem Kündigungsrecht Nutzen machen. 

"Die Entscheidung ist für Reitschüler sicherlich sehr erfreulich. Aufgrund der abzuwägenden Interessen lassen sich aber sicherlich Fälle denken, in denen dem Reiterhof Recht gegeben wird", urteilt Rechtsanwalt Wolkowski. Dies gelte insbesondere wenn noch keine feste Bindung aufgebaut ist oder z.B. die für den Ausritt genutzten Pferde am Hof verbleiben. Insgesamt habe das Gericht bewiesen, dass es die spezifischen Belange beim Reitunterricht sehr gut erkannt hat.

 

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Stand 27.9.2010