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TEIL 02

 

Im Office kam langsam eine übersichtliche Ordnung auf dem Schreibtisch zustande. Sheriff Jett Armstrong lehnte sich im Stuhl zurück, rieb sich den Nacken und Gähnte ermüdend.

In diesem Moment trat Deputy Alex Cooper herein. Der junge Bursche, gerade mal neunzehn  war seit fünf Jahren schon Nicks Gehilfe. Ryder nahm den Jungen damals zu sich nachdem seine Eltern an einer Grippe starben und niemand sich in der Pflicht sah diesem Verwaisten Kind zu helfen.

„ Tag Jett. Hast du Nick gesehen?“

„ Heute Vormittag habe ich ihn aus dem Office geschickt, sonst wäre ich hier nie fertig geworden.“ Die Officetür stand weit offen und hinter Alex Cooper sah Jett zwei Gestalten in den Saloon verschwinden. Er musste sich die Augen reiben um sicher zu gehen keine Geister gesehen zu haben. Ohne ein Wort zu sagen schob er Alex zur Seite und trat auf den Stepwalk hinaus.

„ Hells and Devils. Da wird sich Nick freuen.“

Alex folgte den Blick Jetts, konnte aber nichts entdecken.

„ Was meinst du?“

„ Cass Miner und Mike Digger sind mal wieder in der Stadt.“

„ Wo? Bist du sicher?“

„ Die sind gerade in den Saloon gegangen. Das waren die ‚Beiden, da bin ich mir völlig sicher. Solche Vögel erkenne ich noch bei dunkelster Nacht.“

„ Na dann kannst du Nick ja gleich die `gute Nachricht` bringen. Da hinten kommt er gerade.“

Sagte Alex und wies Richtung Süden.

Von weitem schon konnte Nick die betrübten Gesichter seiner Freunde sehen. Er ging auf sie zu und sah Jett fragend an.

„ Was ist los? Habt ihr beide ein Gespenst gesehen?“

Es war Jett der nun versuchte ein lächeln zu zeigen wobei er antwortete.

„ ein Geist wäre mir wesentlich lieber. Stattdessen haben wir wieder besuch von zwei Unruhestiftern.“

„ Wenn du damit Cass und Mike meinst, mit denen habe ich mich schon Unterhalten. Wir sollten sie im Auge behalten. Ich will endlich wissen was die Beiden wieder hier her treibt.“

Die Sonne strahlte gnadenlos vom Himmel. Um die Mittagsstunden war es kaum aushaltbar auf der Mainstreet. Alex nahm seinen Hut ab um sich damit etwas Luft zu fächeln, aber es half nicht viel.

„ Ich halte sie im Auge Nick. Ich wollte sowieso in den Saloon. Dort ist es nicht so stickig wie hier im Office.“

„  Eine gute Idee. Ich komme mit Lex.“ Jetts Gesicht erhellte sich plötzlich bei Gedanken an ein  kühles Bier. Er klopfte auf  Nicks Schulter und sagte.

„ Ich mach dann mal Mittagspause. Ach Nick, bitte bring mir den letzten Stapel Papier auf dem Schreibtisch nicht durch einander.“

„ Ganz bestimmt nicht. Bin ja froh das hier einer die Übersicht behält.“ Seufzend betrat er sein Büro. Berichte schreiben hatte er noch nie gerne getan, aber es musste ja getan werden.

Auch wenn nichts geschehen war, so musste der Zwischenfall im Restaurant doch Notiert werden. Schließlich  entstand ein Schaden, wenn er auch beglichen wurde.

Kratzend fuhr die Feder über das Papier, als seine Frau Carol-Ann Ryder und sein acht jähriger Sohn Jetti ins Office kamen.

Sie trat vor den Schreibtisch, beugte sich vor und spitze die Lippen. Nick tat so, als würde er es gar nicht sehen. Er hielt den Kopf gesenkt. Carol-Ann konnte deutlich sehen wie er versuchte ein lächeln zu unterdrücken. Entschlossen beugte sie sich weiter vor, griff  Nicks Halstuch und zog ihn zu sich heran.

Nick ließ die Feder fallen um Carol-Ann beim Küssen zu umarmen. Jetti schaute es sich eine Weile an, dann sagte er.

„ Werdet ihr auch mal fertig? Immer dieses rumküssen bei den Erwachsenen. Carol-Ann stellte ihren mitgebrachten Korb auf den Tisch. Als sie das Abdecktuch anhob verbreitet sich sofort der Duft eines frisch gebackenen Kuchens im Office. Nick schloss für einen Moment seine Augen und atmete tief ein.

„ Mhm. Apfelkuchen.“

„ ja. Er ist noch warm. Hast du noch Kaffee?“

Während Carol-Ann ihr Gebäck auspackte, füllte Nick zwei Becher.

„ Wir haben glück. Hier steht fertig gebrühter Kaffee auf dem Ofen. Hoffe nur das Lex ihn gemacht hat. Jetts Gebräu ist jedes Mal ungenießbar.“

Nick hatte gerade das erste Stückchen Kuchen im Mund, als Deputy Cooper hereinstürmte.

Völlig außer Atem stand er inmitten des Büros. Mit einem kurzen Nicken begrüßte er Misses Ryder um sich dann wieder an  seinen Boss zu wenden.

„ Du musst sofort rüber in den Saloon kommen. Da ist die Hölle los.“

„ Ich dachte du und Jett wären dort. Soll er sich darum kümmern.“

„ Das geht leider nicht. Er steckt mitten drin.“ Seufzend gab Nick den Teller seiner Frau in die Hand.

„ Bin gleich wieder zurück, dann esse das Stück weiter.“ Als er sich umdrehte stand Lex hinter ihm, mit einer Winchester im Arm. Erstaunt zog Nick die Augenbrauen hoch.

„ Was willst du damit?“ Lex spannte seine Fäuste fester um Lauf und Schaft des Gewehres. Mit fester Stimme sagte er.

„ Ich fühle mich Sicherer damit.“

Die beiden Gesetzeshüter überquerten die Mainstreet. Der Saloon lag gleich gegenüber dem Office, was sich schon des Öfteren von großem Vorteil erwies.

Durch ein Seitenfenster sah Nick wie Mike Digger auf einen jungen, hageren Burschen einschlug. Es war Billy Garner, der jüngste Sohn des großen Ranchers der Eastwind Ranch. Er war im Besitz von mehr als zweitausend Rindern. Seine vier Söhne waren gut erzogene junge Männer. Immer hilfsbereit und freundlich.

Sheriff Jett Armstrong lag bewusstlos vor der Theke. George der Keeper stand hinter Theke und hatte die Hände in die Höhe, weil ihm Cass Miner einen Revolver vor die Brust hielt.

Lex sah ebenfalls durch das Fenster. Schnell entdeckte er Jett, der reglos am Boden lag, und schon wollte er in den Saloon stürmen, doch Nick packte seinen Arm.

„ Du bleibst hier. Ist das klar?“ der Befehl war so scharf ausgesprochen, dass Lex nur leise und zögernd anmerkte,

„ aber was ist mit Jett?“

„ Das werden wir gleich sehen.“ Nick war stolz, dass sein junger Deputy so viel Mut zeigte, doch wollte ihn nicht unnötig in Gefahr bringen. Er kannte die Gefährlichkeit der Beiden genau. Sie gehörten zu der Sorte Menschen, die einem ohne zögern in den Rücken fallen würden.

„ Du bist meine Rückendeckung. Also warte  hier.“ Erleichtert atmete Nick auf, denn Alex schien damit einverstanden und postierte sich wieder ans Fenster.

Schwungvoll flogen die beiden Flügel der Saloontür auseinander. Groß und Beeindruckend stand Marshall Ryder am Eingang. Mike hielt den Ranchersohn am Halstuch fest und holte schon zum nächsten schlag aus, als er plötzlich inne hielt und zur Tür starrte. 

Es dauerte ein paar Sekunden, bis er die Gestalt erkannte, die mit gleißendes Sonnenlicht im

Rücken hatte dastand.

„ Hallo Marshall. Es ist nicht so, wie es aussieht.“

„ So? dann erklär mir mal wieso Sheriff Armstrong da liegt, du gerade einen Cowboy verprügelst, und Cass den Salooner mit der Waffe bedroht?“

„ Das sind aber eine Menge Fragen auf einmal Marshall.“

„ Lass den Jungen los und stell dich mit erhobenen Händen an die Wand. Du auch Cass.“

Cass Miner kam dieser Aufforderung sofort nach, nicht aber Mike Digger. Er riss Billy, dem ein Blutfaden aus dem Mundwinkel rann, und kaum noch stehen konnte, an sich. In seiner rechten Faust hielt er ein Messer dessen scharfe Klinge den Kehlkopf des jungen Ranchers berührte.

„ Mach keinen Blödsinn Mike. Wenn du ihn umbringst hast du es nicht nur mit mir tun,  sondern auch mit seinem Vater. Er ist ein reicher Großrancher hier im County. Wenn du dafür nicht an den Galgen kommst, dann wird er dich so lange jagen bis er dich aufgeknüpft hat.“

Mike sah in das harte Augenpaar des Marshalls. Wie hypnotisiert ließ er das Messer fallen und stieß seine Geisel von sich.

„ Nur keine Panik Marshall. Ich habe ja schließlich nichts getan. Sie können mir nichts beweisen.“ 

„ Los rüber an die Wand und nimm deine Hände hoch.“ Während Mike Digger sich neben seinen Gefährten Cass Miner an die mit Holzverkleidete Wand stellte, kniete Nick sich neben Armstrong um ihn auf den Rücken zu drehen. Er ließ dabei die beiden Draufgänger nicht aus den Augen, und stellte mit Erleichterung fest, dass Jett noch atmete.

„ Cooper! Komm rein, nimm den Beiden die Waffen ab und steck sie erst mal ins Jail.“

Mike fing an mit den Händen in der Luft zu fuchteln. Wütend schrie er,

„ wir haben nichts getan wofür sie uns einsperren könnten. Ich habe mich lediglich verteidigt. Der Salooner ist Zeuge. Er hat gesehen wie dieser Bursche mich angriff.“

„Was ist mit Sheriff Armstrong? Und Lass deine Pfoten oben!“ ermahnte Nick den Gefangenen. Im nächsten Moment kam Sheriff Jett Armstrong zu sich. Stöhnend betastete er die Beule an seinem Hinterkopf und blickte erstaunt auf.

 Noch bevor Mike etwas sagen konnte fing Cass an zu reden.

„ Nun ja Marshall. Er kam von hinten. Was sollte ich da tun? Zum Glück hat mein Freund Mike eingegriffen. Der Sheriff wollte mich hinterrücks niederschlagen.“

 

Jett war noch so benommen, dass er nur das letzte Wort verstand. Er zog sich mit aller Kraft  hoch und stand mit wackeligen Knien an der Theke gelehnt.

„ Niedergeschlagen sagst du? Wer war es?  Den wird ich es zeigen!“ Er verzog schmerzhaft das Gesicht, als er eine zu heftige Kopfdrehung machte. Nick hatte das aus den Augenwinkeln gesehen und ging gleich auf seinen Freund zu. Vorsichtig berührte er die Beule unter dem dichten braunen Haar, die so groß wie ein Hühnerei war.

„ Du solltest besser zu Doktor Brown gehen und dich untersuchen lassen. Cooper und ich erledigen das hier schon.“

„ Nein. Er verordnet mir bestimmt Bettruhe. Darauf hab ich keine nun wirklich keine Lust. Es gibt noch viel zu tun im Office.“ Er schwankte noch ein wenig beim verlassen des Saloons. Nick sah ihm besorgt nach.

„ Dieser Dickschädel.“ Dachte er; Packte Mike Digger am Kragen und schob ihn raus auf die Mainstreet. Cass Miner war schon von Deputy Cooper abgeführt worden. Er saß auf der Pritsche in der hintersten Gefängniszelle und knurrte vor sich hin. Als Nick mit seinem Gefangenen den Zellentrakt betrat, schaute Cass nur kurz auf, sagte aber nichts. In völliger Ruhe beobachtete er jeden Handgriff des Marshalls.

Mike war hingegen völlig außer sich. Er versuchte immer wieder sich dem festen Kragengriff zu lösen. Aber je mehr er sich dagegen wehrte, umso enger wurde  der Griff in seinem Nacken, bis er kaum noch Luft bekam. Nick schob ihn in die Zelle, doch Mike stolperte absichtlich, ließ sich auf den Boden fallen und fing an zu jammern.

„ Sie Schwein. Das ist Körperverletzung. Jawohl! Ich werde sie dafür Anzeigen. Holen sie den Major her, ich kenne meine Rechte.“

Gelassen schloss Nick die Zellentür ab und steckte den Schlüssel in seine Westentasche.

Das machte Mike noch wütender. Er kam an die Gitterstäbe, umpackte sie so fest bis seine Handknochen weiß hervorstachen, und brüllte.

„ Haben sie keine Ohren in ihrem verdammten Schädel. Ich will den Major sprechen. SOFORT!“

„ So wird das nichts Junge. Deine Mutter hat wohl vergessen dir Benehmen bei zu bringen. Außerdem, was willst du ihm denn sagen! So wie du da herumschreist und an den Gitterstäben rüttelst, kannst du wohl kaum ein Gebrechen erlitten haben.“

Nick verließ Kopfschüttelnd den Raum ging ins Office vor. Am Ofen stand Lex Cooper mit einer Tasse Kaffee in der Hand und grinste.

„ Was machen wir nun mit den Beiden?“ wollte er wissen. Nick nahm ihm die Tasse aus der Hand um sich damit lässig in seinen Schreibtischstuhl fallen zu lassen.

„ Ich kann sie wegen Öffentlicher Unruhe für zwölf Stunden festsetzen. Danach bleibt mir keine andere Wahl, als sie wieder frei zu lassen. Ach ja, danke für den Kaffee.“

„ Das war zwar meiner, aber bitte schön. Mich verwundert nur dass du Zucker dazu magst.“

Nick, der gerade einen Schluck genommen hatte, verzog das Gesicht. Nur mit viel Überwindung schluckte er das süße Gebräu runter. Am liebsten hätte er es sofort wieder ausgespuckt, denn Zucker im Kaffee mochte er überhaupt nicht.

„ Bäh. Konntest du mich nicht vorher warnen?“

„ Konntest du nicht fragen ob ich dir einen Kaffee gebe?“

„ Bevor ich meinen Bericht schreibe will ich erst mit Jett und George sprechen, was genau im Saloon los war.“

„ Wenn du unseren Keeper George befragen willst, musst du zu Sarah Send gehen. Er erholt sich bei ihr von dem Schrecken, und Jett ist zu Hause.“

Nick stand auf, streckte seine Glieder und rieb Gähnend seinen Nacken.

„ Die letzte Nacht war wohl anstrengend, wie?“ fragte Lex mit Augenzwinkern. Er wusste dass Nick und seine Frau Carol-Ann gestern ihren ersten Hochzeitstag feierten.

Ohne ein Wort verließ Nick das Office, nur ein verlegendes Lächeln warf er seinem Deputy beim hinausgehen zu. Sein erster Gang führte ihn zum Hause der Miss Sarah Send wo er den Saloonkeeper George vermutete. Ihr altes kleines Haus lag am Ende der Seitenstrasse die sich Puddle-path nannte, was so viel wie Pfützenpfad bedeutete. Zu diesem Namen kamen einst die Bürger von Cutter, weil sich nach jedem Regenguss eine Menge Pfützen  auf diesem Weg bildeten. Da dieser sehr schmal war, konnte man den Pfützen  zwangsweise nicht ausweichen.

Viele Versuche, die Löcher zu stopfen, schlugen Bisher fehl.

Weil es lange Zeit nicht mehr geregnet hatte, kam Nick trockenen Stiefels ans Ziel.

Das Haus der Miss Send bedurfte eines dringenden Anstrichs. Es war kaum noch zu erkennen welchen Farbton es einmal hatte. An einigen Stellen hafteten noch Reste eines hellblauen  Anstrichs. Die drei kleinen Fenster konnten nicht mehr geöffnet werden, da sie zugenagelt wurden nachdem die Scharniere aus dem morschen Holz gebrochen waren.

Vorsichtig klopfte Nick an die Tür. Er hoffte dass sie nicht ausgerechnet jetzt aus den Angeln fiel. Es dauerte eine Minute bis eine feine Frauenstimme rief,

„ Ja bitte, wer ist da?“

„ Marshall Ryder. Ich möchte mit George reden.“

Knarrend öffnete sich das alte Brett was einmal eine richtige Tür war und es erschien eine Frau mittleren Alters mit einem Kopftuch und Schürze.

„ Guten Tag Marshall. Treten sie doch ein. George ist in der Stube. Bitte sehr.“ Sie öffnete eine Tür zur Linken und ließ den Marshall eintreten. George der Keeper und Besitzer des Saloons „ Zum dürren Grunde“ empfing ihn mit einem herzlichen Händedruck.

„ Ich wusste dass sie kommen Marshall. Aber ich kann ihnen leider nicht viel sagen. Digger spielte Poker mit dem Ranchersohn.  Ich ging in den Hof um ein neues Fass zu holen, als ich zurückkam lag Sheriff Armstrong am Boden und dieser schmierige Digger stritt sich mit dem jungen Rancher. Der andere hielt mir dann plötzlich einen Revolver unter die Nase und meinte, ich solle mich ruhig verhalten.“

„ Wo war Cass als sie hinausgingen?“

„ Der saß am Fenster mit einem Glas Bier:“

„ Sie haben nichts mitbekommen?“ fragte Nick enttäuscht.

„ Nein tut mir Leid. Aber Digger beschimpfte den Jungen des Falschspielens.“

„ Waren denn nicht noch andere anwesend?“

„ Ja. Drei Gäste waren da als ich den Schankraum verließ. Dazu die zwei Ganoven, der Ranchersohn, der Sheriff ach ja und ihr Deputy Cooper war auch da.“

„Mh. Danke George."

 

FORTSETZUNG FOLGT…