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TEIL 03

 

Im Jail saßen die beiden Gefangenen auf ihren Pritschen. Mike hatte die Beine angezogen und umklammerte sie mit den Armen. Er stieß mit dem Kopf immer wieder nach hinten an die Gitterstäbe, was ein stetiges dumpfes Geräusch verursachte. Cass hingegen stand an der Zellentür gelehnt. Es verging eine ganze Weile bis er seinen Gefährten zurief, der zwei Zellen weiter vorn eingesperrt war.

„ Hey hör mal auf damit. Ich werde noch bekloppt dabei. Musstest du auch ausgerechnet heute Nachmittag dich besaufen und im Saloon wieder ärger machen.“

„ Ach halt doch deinen Mund. Der Kerl wollte mich bescheißen, dass lass ich mir nun mal nicht Gefallen. Außerdem hat der Marshall doch nichts gegen uns in der Hand. Ich hab dem Burschen ja nichts getan.“

„ Du weißt aber dass wir für heute Abend einen Auftrag bekommen haben. Wenn wir nicht pünktlich sind, geht uns dieses Geschäft durch die Lappen. Bei seiner Bezahlung wäre das ein echter Verlust.“

„ Das will ich wohl meinen!“ klang eine Stimme aus dem Office. Kurz darauf trat eine gebeugte, nicht sehr große Männergestalt ein. Als dieser den Kopf hob, konnte Cass sein Gesicht genau erkennen, obschon der Mann im Schatten stehen blieb. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf den überraschenden Besuch.

„Was machen sie hier Mister Finney?“ Der Mann fiel Cass Miner sofort ins Wort.

„ Bitte keine Namen. Man kann nie wissen wer mithorcht. Immerhin bin ich hier in der Höhle des Löwen, und das nur um euch beiden Volltrotteln zu sagen dass ihr Tot seit, wenn ihr auch nur ein Wort sagt. Musstet ihr euch denn auch mit dem Marshall anlegen? Dafür habe ich euch nicht herkommen lassen. Ich brauche euch heute Nacht noch einmal, danach könnt ihr tun was ihr wollt. Solltet ihr nicht pünktlich sein, muss ich mir wohl andere Helfer suchen.“

Cass sprang sofort an die Zellentür, rüttelte wild daran und schrie.

„ Das würden sie nicht wagen. Holen sie uns hier raus und ich beweise ihnen das wir unersetzbar sind.“

„ Sie hier rausholen? Das kann ich nicht. Ich darf nicht mit euch in gesehen werden. Niemand soll erfahren dass ich euch kenne. Sonst könnte ich meinen gut gebrannten Whisky auch höchst persönlich verteilen. Aber so viel ich weis, hat der Marshall nichts gegen euch in der Hand. Er muss euch deshalb spätestens um ein Uhr diese Nacht freilassen.“

„ Wenn nicht, bringe ich sie um, und den Marshall ebenso.“ Sagte Cass mit grimmiger Mine.

Mel ließ sich davon nicht beeindrucken. Bevor er das Gefängnis wieder verließ, sagte er mit sicherer und ruhiger Stimme.

„ Deine Rache an den Sternschlepper bekommst du, aber bilde dir nicht ein du könntest mir etwas antun. Eher wirst du zum Boothill getragen. Wir sehen um zwei Uhr heute Nacht bei  meiner Brennerei in der alten Silbermine. Ich habe zehn Kisten die verkauf werden müssen. So Long.“

Die Tür schlug hinter seinem Rücken zu. Cass legte sich auf die Pritsche überkreuzte die Beine und schloss seine Augen. Mike ging in seiner Zelle auf und ab. Nervös kaute er dabei an seinen Fingernägeln herum.

„ Wie kannst du jetzt schlafen. Verdammt ich will hier raus. Ich mach den Marshall fertig das schwöre ich dir sobald ich hier raus bin knall ich den Kerl ab!“

„ Beruhige dich. Du hast doch gehört was er gesagt hat, warte ab. Knurrend setzte Mike sich auf seine Pritsche. Aber ruhig bleiben konnte er nicht. Mit den Fingern klopfte er einen Rhythmus auf dem Brett auf dem er saß.

 

Nick sprach noch mit Jett, aber auch er konnte nicht viel sagen. Es ging alles viel zu schnell, und dann wurde es plötzlich schwarz um ihn. Nur Deputy Lex Cooper sagte aus, dass der Mike Digger mitten im Pokerspiel aufsprang und den Ranchersohn als Betrüger beschimpfte. Die Beiden fingen eine Schlägerei an. Drei weitere im Saloon mischten sich ein. Als Jett auch mittendrin steckte, kam er zu Office um Hilfe zu holen.

Nick ersparte sich den Weg zur Ranch um mit dem Jungen zu reden. Wollte er Anzeige erstatten, wäre er längst im Office erschienen. Wahrscheinlich hatte er tatsächlich falsch gespielt. Es blieb dem Marshall gar nichts anderes übrig, als die beiden Raufbrüder frei zu lassen. Er tat um zwölf Uhr Mitternacht mit ungutem Gefühl, aber Gesetz war Gesetz. Es lag nichts weiter gegen sie vor.

Grinsend verließen Cass und Mark den unfreiwilligen Aufenthaltsort. Nick rief ihnen noch nach.

„ Das sich keiner von euch im Saloon blicken lässt. Ihr habt dort Hausverbot.“

Mike wollte patzig darauf antworten, aber Cass packte ihn am Arm und zog ihn mit sich.

Zwei Tage später betrat der Salooner George das Office. Verärgert schlug er die Tür hinter sich zu.

„ Was ist da draußen los?“ Nick schaute von seiner Schreibarbeit auf. Er zog erstaunt die Augenbrauen hoch.

„ Was soll los sein?!“ fragte er neugierig.

„ Wir haben nach elf Uhr und erst vier Gäste haben bei mir was getrunken. Das ist jetzt schon der zweite Tag an dem sich, außer den wenigen Trinkern dieser Stadt, niemand bei mir blicken lässt. Was ist mit den Cowboys der Black Cattle Ranch. Oder die Männer der Cronin Mine, von denen sonst jeden Abend mindesten fünf Mann meinen Saloon besuchen. Das sind nur zwei Beispiele von etlichen die ich bringen kann. Marshall sie müssen was unternehmen.“

Lachend legte Nick seine Schreibfeder auf den Tisch und lehnte sich zurück.

„ Vielleicht ist ihr Whisky schlechter geworden. Haben sie den Lieferanten gewechselt?“

George fand das gar nicht komisch. Er lief rot an und ballte seine Fäuste. Dann schrie er.

„ Ich habe den besten Whisky im ganzen verdammten Westen. Das wissen sie. Wenn das so weiter geht muss ich meinen Saloon schließen. Dann können sie ihr Bier drüben in Big Olgas Bar trinken.“

„ Lieber nicht. Ich werde sehen was ich tun kann. Gleich Morgen reite ich rüber zur Mine und horche mich mal um.“

„ Erst Morgen?“

„ Wir haben bereits elf Uhr Nachts. Wenn ich mich jetzt auf den Weg mache bin ich frühestens ein Uhr da. Dann werden die wohl schon in ihren Betten liegen. Genau so wird es auf der Black-Cattle sein.“ George ließ wütend seine Faust auf den Schreibtisch fallen, so dass das Tintenfässchen tanzte.

„ Sie waren schon mal nach Mitternacht draußen. Ist ihnen mein Anliegen nicht ernst genug?“

„ Da ging es sich um Mord. Das ist was anderes. Wegen Cowboys die nicht mehr ihren Whisky trinken wollen, reite ich ganz bestimmt nicht dreißig Meilen mitten durch in Nacht.“

„ Das eine sage ich ihnen Marshall. Diese Flaute halte ich nicht mehr lange aus. Ich habe auch meine Unkosten.“

„ Ich hab sie verstanden George. Gute Nacht.“ Mit Gemurmel verließ der Keeper des Saloons zum dürren Grunde das Office. Die Luft in dem kleinen Büro schien verbraucht und ohne Sauerstoff. Nick nahm seinen Hut vom Haken um bei einem Rundgang die frische Abendbrise zu genießen. In der Bank brannte noch Licht. Es war nicht ungewöhnlich. Sam Great der Bankier  blieb immer lange auf. Er war ein sehr sorgfältiger Mann mit bestgeführten Büchern.

Nick blieb einen Augenblick stehen und sah durch die vergitterte Fensterscheibe in den Bankraum. Die Tür zum Büro öffnete sich. Mit einem Lächeln sah der junge Sam Great den Marshall am Fenster stehen. Er grüßte mit einer Handbewegung, während er auf die Tür zuging und sie öffnete. Rasselnd drehte sich der große, mit acht an einem Ring hängenden Schlüsseln im Schloss.

„ Guten Abend Marshall. Es ist doch sehr beruhigend zu sehen, dass das Gesetz stets zugegen ist.“

„ Ist alles in Ordnung?“ fragte Nick, denn so nervös hatte er den Bankier noch nie gesehen.

Sein feiner Schnauzbart zuckte leicht hin und her unter der langen schmalen Nase. Auf den Wangenknochen flimmerten rötliche Flecken. Das braun gelockte Haar lag wild durch einander, weil er es beim Rechnen immer wieder mit den Fingern durch streifte.

Um den Marshall in die Augen sehen zu können, musste Mister Great aufschauen, da er fast einen ganzen Kopf kleiner war.

„ Ja, in bester Ordnung sogar.“ Er trat einen Schritt näher heran und flüsterte,

„ Vor zwei Stunden sind die Dollars für die Bahnarbeiter eingetroffen. Es sind genau zehntausend vierhundert zwanzig Dollar.“

„ Wann werden die bei ihnen abgeholt?“

„ Morgen Früh kommt Mister Corden, ein Mann vom Vorstand, mit einem fünf Uhr Sonderzug und holt das Geld.“

„ Sie sollten einen Nachtwächter einstellen, wenn so viel im Tresor ist. Ich kann ein Auge auf ihre Bank halten, aber nicht durchweg für die nächsten Stunden.“

Great reckte sich um ein stück größer zu wirken. Mit stolzer Stimme sprach er.

„ Ich selber halte höchst Persönlich die ganze Nacht Wache. Außerdem, Liegt das Geld sicher im verschlossenen Tresor und nur ich und meine Frau kennen die Kombination.“

„ Na dann eine gute Nacht. Ich bin Morgen bei der Übergabe zur Sicherheit dabei.“

Nick tippte an seinen Hutrand und verabschiedete sich beim Bankier.

Die Stadt lag in dunklen Schatten eingehüllt. Außer dem flackernden Windlicht vorm Office und dem schwachen Kerzenschein in der Bank, warf nur der Mond etwas Licht auf die Dächer der Häuser. Aber Marshall Nick Ryder war nicht der einzige, der in dieser kühlen Nachtluft durch die Straßen von Cutter ging.

Mel Finney, der kleine Mann, der seine Frau den Mehlsack schleppen ließ, und der Marshall Ryder am liebsten Tot sähe, stand in der schmalen Gasse zwischen dem Bankgebäude und Ed Wageners Gemischtwaren Handel. Lässig zündete er ein Streichholz an und hielt die Flamme an einer langen, dünnen Zigarre. Während er genüsslich daran sog, rieb er sich mit der Rechten sein glatt rasiertes Kinn und grinste dabei.

„ Sieh mal einer an! Das ist die beste Gelegenheit die beiden Schwachköpfe los zu werden und ich habe ein paar hübsche Dollars in meiner Tasche.“ Sprach er zu sich selber. Im Schatten der Hauswand schlich sich Finney davon. Er schaffte es unbemerkt bis zum Ende der Puddle-path. Die letzten vier Häuser, die mehr nach zerfallenen Bretterbuden aussahen, waren stets nur von Durchreisenden oder betrunkenen Cowboys bewohnt. In einem dieser Hütten verkrochen sich an diesem Abend Cass Miner und Mike Digger. Sie stritten so laut, dass Mel Finney sie schon von weitem hören konnte.

Er musste fast die Tür eintreten, weil sein klopfen überhört wurde.

„ Verdammt seit ihr verrückt? Euch hört man ja bis zum Marshall Office. Wollt ihr noch mal eingelocht werden?“

Es war eine Traumhafte Geschwindigkeit, mit der sich Mike umdrehte und das Messer, mit dem er gerade einen Apfel schälte, haarscharf an Finney vorbei warf. Sirrend blieb die Klinge im Türrahmen stecken. Mel Finney wurde augenblicklich bleich im Gesicht. Starr wie ein Holzindianer stand er da. Erst die Drohung Diggers ließ ihn wieder zu sich kommen.

Mit erhobenem Zeigefinger stand er vor dem Gnom.

„ Sage nie wieder, ich sei verrückt!“  Spucke und winzige Apfelstückchen spritzten dabei aus seinem Mund, und trafen Mels Gesicht. Er griff nach einem ausgefransten Stück Stoff auf dem Tisch, dass wohl mal eine Tischdecke darstellte, und wischte sich damit angeekelt den Sabber aus seinem Gesicht.

„ Hat dir deine Mutter kein benehmen beigebracht? Mit vollem Munde spricht man nicht.“

„ Scheiß auf Benehmen. Ich hoffe du hast die verdiente Kohle dabei.“ Fuhr Mike ihn an.

„ Du machst einen Aufstand wegen der paar lumpigen Dollars. Ich habe ein Geschäft für euch, bei dem viel mehr raus zu holen ist.“

In Cass Miners Augen blitzte es auf. Das klang wie Musik in seinen Ohren. Hoch aufgerichtet ging er auf seinen Auftraggeber zu.

„ Wie viel mehr?“ war seine einzige kurze frage. Mel spürte, dass er nun in die richtige Kerbe gestochen hatte. Fast singend sprach er aus.

„ Ich rede von zehntausend vierhundert zwanzig Dollar.“ Den beiden Hüttenbewohnern blieb der Atem aus. Es war eine volle Minute Stille. Mike schluckte hörbar und riss dabei die Augen so weit auf, dass man Angst haben musste, sie fallen gleich aus ihren Höhlen.

„Sagtest du gerade zehntausend Dollar?“

„ Und Vierhundert zwanzig.“ Fügte Mel hinzu. Es war typisch für Mike, dass er bei einer solchen Nachricht wie ein angeschossenes Rind durch den Raum lief. Mit beiden Händen hielt er seinen Kopf als würde dieser zerplatzen wollen.

„ Was sollen wir dafür tun? Eine Kutsche überfallen, oder gar die Bank ausrauben? Das Ding ist eine Nummer zu groß für uns.“

„ Du hast es erraten. Die ganzen schönen Bucks liegen bis zum Morgengrauen in der Bank. Nur ein Einziger bewacht die Scheine. Er sollte keine Gefahr darstellen. Ich habe auch schon einen Plan wie ihr das anstellen könnt.“

Cass ließ sich auf einen Stuhl sinken und legte seine Beine auf den Tisch. Während Mike sich schon in Dollarscheine schwimmen sah, fragte Cass skeptisch,

„ Wieso wir? Wo ist denn dein Part in dieser Sache?“

„ Ich halte euch den Rücken frei. Immerhin dürfen wir den Marshall nicht vergessen.“

„ Wenn wir schon das größere Risiko tragen, dann wollen wir auch den Hauptbatzen an dem Gewinn. Achtzig zu zwanzig. Sonst wird daraus nichts.“

Mel stellte sich Nachdenklich. Sein ganzer Plan beruhte schließlich nur darauf, die Beiden los zu werden in dem er sie beim Überfall hochgehen lässt.

Nach einiger Zeit der Überlegung ging er auf das Angebot ein.

„ Nun gut. Ich habe schließlich an meinem letzten Geschäft mit euch gut verdient. Der Handel steht. Also hört euch meinen Plan an.“ Wieder einmal bewies er sein ganzes Organisationstalent. Er stellte seinen Plan in kurzen aber direkten Sätzen vor. Cass hörte gelassen zu und Mike lief dabei wieder auf und ab.

Der erste Teil, nämlich die Frau des Bankiers aufzusuchen und mit ihr in die Bank zu gehen um das Öffnen des Tresors zu erzwingen, gefiel ihm dabei am besten. Er malte sich schon aus, wie er sie ins Heu zerrt, ihr das Kleid vom Leibe reißt und sich das holt, was ihm schon seit Wochen fehlte. Die letzte Frau, die ihn beglückte war eine vollschlanke Russin, die ebenfalls nach einer wilden Liebesnacht lechzte, aber das war schon zwei Monate her.

Heiß wie Glut schoss das Blut durch Mikes Adern bei diesem Gedanken. Seine Lippen bebten leicht vor Aufregung als er sagte.

„Aber die Bankiersfrau gehört mir solange ihr Alter im Land der Träume schlummert.“

„ Wenn du es riskieren willst erwischt zu werden, nur zu. Aber zuerst bekomme ich meinen Anteil.“ Mel Finney war sehr geschickt in seiner Rolle als Bankraubplaner. Er war sich sicher, die Beiden überzeugt zu haben, auch wenn Cass Miner noch skeptisch schaute.

So wurde in kürzester Zeit ein teuflicher Plan entwickelt in einer alten Hütte am Rande der Stadt.

 

Es vergingen kaum drei Stunden, da schallten zwei Schüsse durch die Nacht. Nick lag auf seinem Lager im Office und wollte sich ein paar Stunden ausruhen. Er hatte nie einen festen Schlaf, egal wo er sich zur Ruhe legte, seine Ohren waren stets hellhörig. Sofort sprang Nick auf, griff nach seinem Hut und legte den Revolvergurt noch im hinausgehen an. Kaum stand er auf dem Stepwalk, sah er auch schon das flackernd Licht, dass aus dem Fenster des Bankgebäudes auf die Straße fiel. Der helle Schein tanzte im Sand und warf gespenstische Schatten an den gegenüberliegenden Hauswänden. Nick rannte bis vors Fenster, duckte sich und blickte hinein. Er konnte ein Stiefelpaar erkennen, dass am Boden lag und er sah Mike Digger mit einem Revolver in der Hand an der Wand gelehnt sitzen. Der nach vorn gebeugte Kopf lag schwer auf seiner Brust. Nick konnte nicht erkennen ob er tatsächlich in einer Ohnmacht war oder das nur Vorspielte. Vorsichtig ging er geduckt bis zur Tür, stellte sich seitlich daneben und drückte die Klinke runter. Die Tür war nicht verschlossen wie sonst um diese Zeit. Leise knarrend schwang sie auf. Jetzt kam es darauf an. Nick warf seinen Hut hinein, den Revolver im Anschlag. Drinnen tat sich nichts. Der Stetson gleitet wie eine Wurfscheibe durch den Raum, stieß an der gegenüberliegenden Wand an und sank sanft zu Boden. Nick riskierte nun einen Blick ins Innere. Das Stiefelpaar gehörte zum Bankier und war jetzt deutlich zu erkennen. Mit vorgestreckter Waffe ging Marshall Ryder auf Mike zu. Er nahm die Laterne vom Tisch in der Ecke und beleuchtete den sitzenden Mann an der Wand. Ein Streifschuss hatte seine Schläfe erwischt. Über dem rechten Ohr zog sich eine Fingerdicke Platzwunde. Blut lief über das Ohr und tropfte vom Ohrläppchen auf die Schulter. In seiner Rechten hielt er einen fünf und vierziger Armee Colt dessen Lauf noch warm war. Nick taste nach dem Hals, so wie er es öfters schon bei Doktor Brown beobachtet hatte. Er fühlte den leichten Puls an seinen Fingerspitzen. Den Colt stieß er mit dem Fuß in die Ecke. Hinter ihm lag der junge Bankier. Auch er hielt in der Rechten einen Colt achtunddreißiger dessen Lauf ebenfalls auf eine kürzliche Benutzung hinwies.

Hier war jeder Pulstest überflüssig. Mit schwerem Herzen blickte Nick auf das bleiche Gesicht, dessen Augen glanzlos und starr waren. Unter dem verstorbenen breitete sich eine dunkelrote Blutlache aus. Die Tür zum Tresorraum stand offen. Als Nick in die Kleine Nebenkammer trat sah er Misses Great. Sie kauerte vor dem offenen Safe, ihre Arme um die Knie geschlungen, und schaukelte vor und zurück.

„ Misses Great, Amanda!“ sagte Nick mit beruhigender Stimme, aber sie reagierte nicht darauf. Ihre Augen schienen ins Nichts zu sehen. Nicht einmal die wedelnde Hand, mit der Nick vor ihren Augen winkte schien sie wahr zu nehmen.

„Es ist alles Gut Amanda. Niemand wird dir Weh tun. Du bist in Sicherheit. Er nahm sie in den Arm und hob sie vom Boden auf. Draußen wurden allmählich Stimmen lauter. Männer die zum Teil noch ihre Schlafmützen trugen drängten sich ins Bankgebäude. Entsetzt blieben sie vor Sam Great stehen. Augenblicklich verstummten die Bürger von Cutter. Einen Banküberfall hatte es hier seit der Vereidigung Nick Ryders zum Sheriff nicht mehr gegeben.

Nun war auch noch ein Toter zu beklagen.

 

 

FORTSETZUNG FOLGT…