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TEIL 07 - Letzter Teil 

 

Cooper klopfte, wie Nick es ihm befohlen hatte, Mister Baker vom Telegraphen Amt  aus dem Bett. Mürrisch öffnete dieser sein Büro. Im Nachthemd und mit Schlafmütze schlurfte er zu seinem Platz hinter der Theke. Er legte Lex Block und Bleistift hin damit er seine Nachricht aufschreiben konnte.

Danach klapperte der Telegraph und sendete die genaue Beschreibung  des Bankräubers an Tucson mit der Bitte sie weiter zu leiten.

„ Ich danke ihnen auch im Namen des Marshalls. Diese Nachricht ist sehr wichtig.“

„ Kann ich jetzt wieder zu Bett gehen und meine gestörte Nachtruhe fortsetzten?“ Er war mit seiner Frage nicht gerade freundlich gesinnt, aber damit hatte Lex gerechnet. Er kannte diesen mürrischen Mister Baker schon lange. Noch nie hatte er ein freundliches Wort gelassen. Stets war sein Gesicht hart und kantig. Um seine Mund- und Augenwinkel gruben sich etliche Falten.

Lex Cooper suchte das Haus der Misses Finney auf und klopfte auch diese aus ihrem Schlaf.

Sehr verwundert stand er in der Tür, als er bemerkte das sie völlig angekleidet vor ihm stand.

Misses Finney spürte diesen durchdringenden Blick und sagte zögerlich.

„ Ich kann nicht schlafen seit mein Mann weg ist. Ich habe die Vermutung, dass er etwas mit dem Überfall auf die Bank zu tun hatte. Deputy was soll ich nun machen?“ Ihr schluchzen ging in einen Weinkrampf über. Lex war mit  dieser Situation erstmal völlig überfordert. Sprachlos stand er immer noch in der Tür und wusste nicht was er nun tun sollte, bis sich Misses Finney wieder in ihrer Gewalt hatte.

„ Oh verzeihen sie. Kommen sie rein. Es ist so schrecklich. Wenn er zurück kommt wird er mich dafür bestrafen.“

„ Bestrafen? Dafür dass sie mit mir reden? Da können sie beruhigt sein. Er wird nicht kommen. Er hat nicht nur die Bank ausgeraubt, sondern auch Mister Great erschossen. Misses wir müssen unbedingt reden. Der Marshall baut auf ihre Hilfe.“

Bis zum Frühstück um sechs Uhr Morgens saßen sie beisammen und sprachen.

Was Cooper in dieser Unterhaltung erfuhr ließ ihn die Nackenhaare sträuben. Sie redete sich die Seele aus und endete mit dem Satz.

„ Es tut mir in keinster Weise Leid um ihn. Der Marshall kann mit mir Rechnen. Ich werde Aussagen.“

Glücklich auch diesen Auftrag erfolgreich erledigt zu haben, ging Lex rüber zum Office. Es gab viel Neues dem Sheriff zu erzählen, aber er war nicht da. Die Zelle in der Mike Digger saß war ebenfalls leer. Jett hatte ihn wahrscheinlich versteckt, um  jeglichen Ärger zu vermeiden.

„ Der Richter ist da!“ dachte Lex und machte sich auf die Suche nach Jett. Doch wo er auch suchte, er fand ihn nirgends. Auch Doktor Brown fand er nicht. Aber sein Assistent Jim Leonard versprach ihm den Auftrag zu erledigen und die Kugel aus dem toten Mister Great zu ziehen.

Am Ende der Mainstreet befand sich die alte Scheune, in der Feste, Versammlungen wie auch Gerichtsverhandlungen stattfanden. Einige Frauen fegten gerade den Boden, als Lex herein trat. Stühle wurden aufgestellt und ein Richterpult. Lex erkundigte sich bei ihnen nach dem Sheriff, hatte aber auch hier kein Glück. Niemand ist dem Sheriff an diesem Morgen begegnet. Dass um zehn Uhr die Verhandlung beginnt verkündete Major Flint, der gerade in der Tür erschien.

„ Beeilt euch Leute. Der Tisch muss noch gereinigt werden, und was ist das?“ Er stakste durch die Scheune und zeigte den Frauen die Spinnweben, die genau über dem Richterplatz am Balken klebten.

„ Sofort wegmachen. Na los!“

„ Major Flint, haben sie Sheriff Armstrong gesehen?“ fragte Lex, der hier seine letzte Chance vermutete.

„ Sicher. Wir haben doch Richter Baker empfangen. Er kam um fünf Uhr mit einer Sonderkutsche. Es sollte niemand wissen, denn er hält sich immer gerne verdeckt bis es zur Verhandlung kommt. Er möchte nicht von irgendwelchen Leuten vorher beeinflusst werden.“

„ Und Jett ist bei ihm?“

„ Natürlich. Aber ich kann dir nicht sagen wo die Beiden sind.“

„ Sie können nicht, oder sie wollen nicht? Es ist verdammt wichtig, dass ich Jett vorher noch spreche.“ Der Major grinste.

„ Genau das will der Richter vermeiden. Wenn du was zu sagen hast, dann tu das gefälligst vor Gericht. So und nun lass mich in Ruhe, ich habe zu tun.“

Lex verließ die Scheune mit gesenktem Kopf. Wenn Jett den Richter irgendwo versteckt hat, besteht kaum Hoffnung ihn zu finden. Er konnte ihn nur kurz vorher abfangen, wenn er zur Scheune kommt.

Im Zimmer des Marshalls fand er Carol-Ann vor, die mit einem Buch in der Hand am Fenster saß.

„ Guten Morgen Misses Ryder. Schläft er?“ Lex hatte zwar erkannt, dass Nick seine Augen geschlossen waren, doch innerlich hoffte er noch mit ihm Reden zu können.

„ Ja. Er ist vor zehn Minuten eingeschlafen. Soll ich ihm etwas ausrichten wenn er wach ist?“

„ Sag ihm nur, die Nachricht ist Telegraphiert worden, und Misses Finney wird aussagen. Aber sie sie kann nur die Gewalttaten anklagen, von der Brennerei und dem Überfall wusste sie nichts. Wenn ich Jett nicht vor der Verhandlung abfangen kann, sieht es nicht gut aus für Mike. Der Major wird ihn fertig machen und die Bürger von Cutter sehen auch in ihm den Mörder und schreien nach gerechter Verurteilung.“

„ Ich sag es ihm.“

 

Es war kurz vor zehn als Nick blinzelte. Lächelnd beugte sich Carol-Ann über ihn mit einem Glas Wasser in der Hand.

„ Du musst etwas trinken Nick, Anweisung vom Doc.“

„ Na wenn er es verlangt. Aber ich werde nicht vier Wochen hier liegen und nichts tun, dass kann er vergessen. Jett und Lex können nicht alles alleine machen.“

„ Weil du gerade Lex erwähnst, er war hier.“

Sie erzählte ihrem Mann was Deputy Cooper ihr sagte. Nick wurde dabei immer unruhiger. Er biss die Zähne aufeinander und brachte sich mit Mühe in sitzende Position.

Die Leute auf der Straße drängten zur alten Scheune um die besten Plätze zu bekommen. Eine halbe Stunde vor beginn der Verhandlung war Cutter wie ausgestorben. Alle wollten das Urteil miterleben. Die wenigsten glaubten an Mikes Unschuld. Er war nun mal bekannt als Draufgänger und Schießer.

Sheriff Armstrong war zusammen mit dem Richter und Mike in seinem eigenem Haus. Der Richter bekam frisch gebackenes Brot von Mary Armstrong und wurde fürstlich mit Kaffee, Käse und Wurst bewirtet. Mike befand sich in Hannas Zimmer, mit Handschellen am Bett gefesselt. Auch er bekam ein Tablett mit duftendem Brot und Kaffee, doch er rührte nichts an. Viel zu groß war seine Angst vor dem Galgen, der ihm so gut wie siecher bevorstand. Schon oft saß er hinter Gittern und immer wieder kam er davon. Das hatte er stets Cass zu verdanken. Zum ersten Mal war es ernst. Anklage wegen Mord, den er nicht begangen hatte und kein Cass Miner in der Nähe der ihn hätte rausholen können.

Als Jett eintrat, lag er auf dem Bett. Mit leerem Blick starrte er die Decke an.

„ Mike, kommen sie, stehen sie auf wir müssen gehen.“ Jett löste ihm die Handschellen und half ihm auf die Beine. Die Knie des Gefangenen waren weich wie Butter. Jeder Schritt fiel ihm unendlich schwer. Bis zur Haustür musste er sich beim Sheriff abstützen, ging dann aber allein weiter um nicht als Schwächling da zu Stehen.

Richter Bell war bereits in der Scheune. Er zog hinter einer Abtrennwand seine Robe über und kämmte in aller Ruhe sein angegrautes Haar.

Als Jett mit seinem Gefangenen die Scheune betrat, war diese brechend voll. Auf allen Sitzplätzen saßen die Menschen. In den hinteren Reihen drängte man sich stehend eng aneinander. Ganz vorne am großen Tisch saß Richter Bell. Sein schwarzes Gewand verdeckte den dicken Bauch. Die kräftigen Finger umpackten den Hammer mit dem er pochend auf die Tischplatte schlug. Seine roten, runden Wangen plusterten sich auf, als er um Ruhe bittete.

Erst wurde es leise, dann verbreitete sich ein lautes Raunen im Saal, denn Jett führte Mike nach vorne. Eine Stimme rief aus der Menge.

„ Warum hat das Schwein keine Handschellen an?“ Sofort wurde es wieder Lauter im Saal. Alle redeten wild durcheinander. Lex sprang auf Jett zu und packte ihn von hinten an der Schulter.

„ Jett ich muss unbedingt mit dir reden!“ damit Jett überhaupt ein Wort verstand, sprach Lex laut neben seinem Ohr.

„ Jetzt nicht Cooper. Du siehst was hier los ist.“

„ Aber Mike ist nicht der Mörder. Mel Finney hat den Bankier erschossen!“

Sofort blieb Sheriff Armstrong stehen, als wäre er gegen eine Wand gelaufen.

„ Was sagst du da?“ Jett konnte nicht glauben was er da hörte.

„ Es stimmt. Nick hat es mir gesagt. Er war auch der Messerwerfer auf Mike und hat auf Nick geschossen.“

„ Das sind ja schöne Neuigkeiten. Wie soll ich das dem Richter erklären. Mit welchen Beweisen.“

Die Bürger Cutters wurden unruhig. Richter Bell hatte einiges zu tun, dass wieder Ruhe einkehrte.

„ Ich werde für Nick aussagen.“ Sprach Lex.

„ Das wird dir niemand glauben. Es sei denn du holst diesen Finney hier her. Sicher mir lieber den Hinterausgang.“ Flüsterte Jett. Im Saal herrschte wieder Stille.

Mike setzte sich dem Richter gegenüber, auf den Anklageplatz. Nervös kaute er auf seine Unterlippe. Er wusste genau dass kaum Hoffnung bestand seine Unschuld zu beweisen.

Ganz Cutter war nun gespannt wie das Urteil ausfiel. Der Richter machte einen erhaben auf die Bürger, so wie er da stand, in seiner Robe und mit goldgeränderter Brille und verkündete.

„ Die Verhandlung ist eröffnet. Angeklagter?“

 

 

Im Krankenzimmer bemühte Carol-Ann sich ihren Mann davon abzuhalten auf zu stehen.

Nick war fest entschlossen der Verhandlung bei zu wohnen um die Unschuld Mike Diggers zu Beweisen. Nur mühsam gelang es ihm aufzustehen. Schwankend hielt er sich an dem Bettgitter fest und musste erst mal in Ruhe durchatmen bis sich die Erde unter seinen Füßen nicht mehr drehte.

„Gib mir meine Kleidung Carol.“ Der Stuhl auf dem seine Hose und Hemd hingen, stand neben dem Schrank an der Wand.

„ Nein Nick. Du darfst noch nicht aufstehen. Jett regelt das schon. Die kommen auch mal ohne dich zurecht. Bitte, leg dich wieder hin!“ In ihrer Stimme klang Verzweiflung. Sie wusste genau, dass nichts mehr ihn umstimmen konnte. Nick schleppte sich bis zum Stuhl und streifte seine Hose über. Carol-Ann streichelte über seine starken Oberarme bis Nick sich umdrehte und in ihren Augen Tränen sah. Er nahm ihr Kinn in seine Hand und hob ihr Gesicht so dass sich beide in die Augen sahen.

„ Carol-Ann, Darling. Jett kann die Unschuld nicht Beweisen. Ich bin nicht mal Sicher, ob er davon Weiß. Wenn Mike gehängt werden sollte nur weil ich nichts unternommen habe, kann ich nicht mehr in den Spiegel sehen. Dann habe meinen Stern nicht verdient. Bitte hilf mir.“

Schweren Herzens half sie ihm das Hemd über zu streifen und knöpfte es zu. Auf dem Weg zur Tür schnallte er seinen Revolvergürtel um.

„Nick!” rief Carol-Ann. Sie kam ihm hinterher und band ihm sein rotes Halstuch um. Dabei flüsterte sie in sein Ohr.

„ Es hat dir immer Glück gebracht. Es soll dir auch jetzt helfen. Liebling.“ Dann gab sie ihm noch einen Kuss auf  die Wange. Ryder nahm sie in die Arme und küsste zärtlich ihre Lippen.

„ Ich werde auf mich aufpassen. Wenn alles vorbei ist, verspreche ich dir mich zu schonen.

Auf dem weg zur Scheune zerriss ein Schrei die Stille des Morgens. Im Hause Finney zersprang eine Fensterscheibe weil eine Vase durch geschleudert wurde. Sie landete fast vor Nicks Füßen, der es schon bis zu Tür geschafft hatte. Mit einem kräftigen Tritt sprang die Tür aus ihren Angeln. Nach dieser ruckartigen Bewegung brauchte Nick erst eine Pause bis der Schmerz sich legte. Dann ging er die Treppe rauf. Er hörte Mel schreien.

„ Du Hure. Was hast du dem Deputy erzählt. Und wage es nicht zu lügen!“

In den Flur kam Misses Finney mit angeschwollenem Gesicht und blauen geschlagenen Augen gerannt. Sie sah den Marshall nicht am Treppenabsatz stehen, aber Mel entdeckte ihn gleich. Wütend sprang er seinem Feind entgegen. Nick hatte nicht mehr die Reaktion zum Ausweichen. Sie stürzten Beide die Treppe hinunter und landeten unten auf dem gefliesten Boden. Mel war schnell wieder auf den Beinen. Er zog seinen Revolver aus dem Holster, doch bevor er abdrücken konnte traf ihn eine Flasche Whisky am Kopf. Er torkelte rückwärts gegen die Stubentür. Nick sprang auf und trat ihm den Revolver aus der Hand, dann sah er erleichtert nach oben.

„ Du Schwein.“ Schrie Misses Finney ihren Mann an.

„ Das war das letzte Mal dass du mich geschlagen hast. Ich habe dein Versteck gefunden. Unter den Dielenbrettern im Schlafzimmer ist ein Hohlraum. Dort war die ganze Zeit das viele Geld versteckt. Und er erzählte mir immer, wir haben kein Geld mehr. Auch die Whiskyflaschen mit den falschen Etiketten habe ich gefunden. Marshall ich bin bereit vor Gericht auszusagen.“

Nick sah die tapfere Frau bewundert an. Ihr Gesicht war scheußlich entstellt, aber sie war trotzdem fest entschlossen.

Er packte Mel am Kragen und zog ihn neben sich her die Mainstreet entlang.

„ Warum sind sie zurückgekommen Mel. Sie müssen doch verrückt sein.“ Fragte Nick Kopfschüttelnd.

„ Ich verrückt? Ich wäre verrückt wenn ich diesem Weib mein ganzes Geld daließe.“

„ Das Geld aus dem Bankraub ist wohl auch dabei, wie?“ Mel antwortete nicht. Er versuchte auch keine Gegenwehr, denn er kannte die Schärfe des Marshalls. Dieser war nicht zu unterschätzen, selbst im angeschlagenen Zustand war er noch gefährlich, wie es sich vorhin im Hausflur bewies.

Nick betrat den Gerichtssaal in dem Moment in dem Richter Bell das Urteil verkünden wollte.

Alle starten zur Tür, ihre Blicke folgten Marshall Ryder und seinen Gefangenen bis er vorne beim Richter ankam. Zögernd folgte Misses Finney. Doktor Brown sprang erstaunt auf als er seinen Patienten vorne stehen sah. Besorgt legte Jett seine Hand auf Nicks Schulter.

„ Alles in Ordnung, mir geht’s gut Jett.“ Beruhigte er seinen Freund und wandte sich dem Publikum zu.

„ Mike Digger hat den Bankier nicht Erschossen. Er ist unschuldig. Er hat beim Bankraub mitgemacht und Misses Great ….sittlich angefasst. Aber der Mörder war Mel Finney.“

Richter Bell war nun auch aufgestanden. So etwas war ihm in seiner gesamten Amtszeit noch nicht vorgekommen.

„ Was für Beweise können sie vorbringen Marshall?“

„ Doktor Brown hat die Kugel aus der Leiche gezogen. Würden sie dem Richter bitte das Kaliber der Kugel sagen?“

Doktor Brown stand von seinem Platz auf und zog die Schultern hoch.

„ Tut mir leid Marshall, aber ich habe keine Kugel gezogen!“ Nick wurde schwindelig. Er stütze sich unmerklich am Richterpult ab. Die Kugel war ein wichtiges Beweisstück. Nick dachte nach, was er noch als Beweis anbringen wollte, während dessen kam der angehende Arzt und Assistent von Doktor Brown nach vorne. In seiner Hand hielt er ein verformtes Stück Blei hoch.

„ Euer Ehren. Ich habe die Kugel mit der Mister Great erschossen wurde. Deputy Cooper gab mir heute Morgen die Anweisung sie aus dem Leichnam zu entfernen. Tischler Johnson war dabei, er ist Zeuge dass diese acht und dreißiger in dem Körper des Toten steckte.“ Trotz der Erleichterung standen dicke Schweißperlen auf Nicks Stirn. Seine Knie begangen zu zittern, aber er ließ sich nichts anmerken und sagte mit fester Stimme.

„ Euer Ehren, Mel Finney besitzt einen achtunddreißiger Revolver. Mike hatte zur Tatzeit seinen vier und vierziger in der Hand. Außerdem lag Mister Great auf dem Rücken, mit dem Kopf zur Tür. Da sich der Schusskanal im Rücken befindet, muss der Mörder in der Eingangstür gestanden haben. Misses Finney fand heute Morgen das Geld vom Bankraub in seinem Haus. Es war unter den Dielen im Schlafraum versteckt zusammen mit den Dollars, die er sich mit selbst gebranntem Whisky verdiente. Ich selber habe die Brennerei gesehen. Sie war in der alten Silbermine unten am oak creek.“ Richter Bell hörte sich alles gespannt an.

„ Die Brennerei war am Creek, wo ist sie jetzt?“ fragte er.

„ Abgebrannt. Nach einer Schießerei zwischen mir, Cass Miner und Mel Finney brach ein Feuer aus. Cass Miner ist dabei umgekommen. Mister Finney konnte fliehen. Ich habe ihn heute Morgen in seinem Haus erwischt. Er war gerade dabei eine Frau zu schlagen.“

„ Nun, gemäß der Anklagen und Beweise die hier kurzfristig neu herbei gebracht wurden, verurteile ich, kraft meines Amtes, Mike Digger zu vier Jahren Straflager nach Fort Worth, wegen Vergewaltigung an Misses Great und der Beteiligung an dem Bankraub, bei dem ein Mann getötet wurde. Und nun Angeklagter Mister Finney, nehmen bitte auf dem Stuhl dort platz.“

Die ganze Verhandlung um Mel Finney dauerte fast eine Stunde. Seine Frau sagte gegen ihn aus. Sie redete frei über alles was ihr Mann ihr angetan hatte. Grausame Dinge kamen dabei zu Tage. Im Saal herrschte Totenstille. Was sie sagte war teilweise so schrecklich, dass viele Mitleid mit ihr bekamen. Unterdessen  brachte ein Junge das Telegram aus Tucson. Der dortige Sheriff kannte Finney genau und berichtete von illegalen Geschäften, die Mel sich in seiner Stadt erlaubt hatte. Auch dort machte er großes Geld mit seinem Whisky und verschwand bevor ihm jemand auf die Schliche kam. Erst viel später konnte der Sheriff nachweisen, dass Finney hinter den betrügerischen Geschäften stand. Seine Fahndung nach Mel Finney blieb bislang erfolglos. Der Richter hörte sich das Telegramm an, dass ihm der Marshall vorlas. Tief einatmend lehnte er sich in seinem breiten Stuhl zurück. Nach einer fünfminütigen Pause verkündete er das Urteil..

„ Mister Mel Finney sie wurden für Schuldig befunden, des Mordes an Mister Sam Great.

Dem versuchten Mord an Mister Mike Digger, sowie am U.S Marshall Nick Ryder. Kidnapping eines Babys und illegaler Whisky Brennerei. Sie haben weiterhin ein Pferd gestohlen.

Nach aussagen ihrer Ehefrau kommt noch schwere Körperverletzung hinzu. Das Gericht verurteilt sie zum Galgen. Ihnen wird ein Hanfstrick um den Hals gelegt und sie werden so lange daran hängen bis der Tot eintritt. Die Verhandlung ist geschlossen“ Der schwere Holzhammer schlug auf die Tischplatte, das dass Tintenfässchen zu tanzen begann.

Mel wurde Leichenblass auf seinem Stuhl.

„ Dann mal los Mister Finney. Das Jail wartet schon auf sie.“ Sagte Deputy Alex Cooper und packte den gnomenhaften Mann am Handgelenk. Doch Mel riss sich wieder los, zupfte seine Weste zu Recht und keifte.

„ Was fällt dir Bursche ein mich so zu behandeln. Ich bin ein ehrenwerter Bürger und muss mich von dir nichts sagen lassen!“ Hoch erhobenen Kopfes ging Mel neben Lex her.

Nick stand draußen am Eingang. Er unterhielt sich mit seinem Freund Jett. Als Finney an ihm vorbei kam, drehte er sich blitzschnell um, zog Coopers Revolver aus dessen Holster und schoss. Aber er traf den Marshall nicht. Denn Nick reagierte um Sekunden schneller. Er warf sich zur Seite und gab noch im Fall einen Schuss auf seinen Angreifer ab.

Mel torkelte zurück, drehte sich um die eigene Achse und fiel mit dem Gesicht voran in den Sand der Mainstreet. Reglos blieb er liegen. Aufgeschreckt kamen die Zuschauer aus der Scheune gedrängt und bildeten einen Kreis um den Marshall und Finney. Nick kniete noch im Sand. Seine rechte Schulter schmerzte, auch die zweite Verletzung brannte wie Feuer in seiner Brust. Doktor Brown kam in die Mitte, drehte Mel Finney auf den Rücken, fühlte nach dessen Puls und sah Kopfschüttelnd auf.

„ Er ist Tot.“ Waren seine Worte. Misses Finney stand hinter ihm. Sie schaute verachtend auf ihren toten Mann, dann fing sie an zu lachen und zu Weinen, beides gleichzeitig. Peggy Sue die Hotelinhaberin ging auf sie zu und nahm sie in den Arm.

„ Kommen sie. Ich gebe einen Kaffee aus, der wird ihnen gut tun. Und dann plaudern wir etwas. Es wird alles wieder gut Rachel.“

Jett half unterdessen Nick beim Aufstehen. Er stütze ihn auf dem Weg zum Doktorhaus, denn ihm war immer noch schwindelig und kraftlos in den Beinen. Grinsend sah er Jett an und sagte.

„ Na wie war ich?“

„ Du überraschst mich immer wieder Nick. Dich hatte ich wirklich nicht auf der Verhandlung erwartet.“ Gab Jett als Antwort. Hinter ihnen kam Doktor Brown. Er holte die Beiden schnell ein und nahm den anderen Arm von Nick über seine Schulter.

„ Seit wann verlassen meine Patienten ohne meine Erlaubnis das Krankenzimmer?“

„ Sie waren ja nicht da Doc. Wen hätte ich da fragen sollen?“ die Ironie in dieser Antwort war deutlich rauszuhören, aber dennoch lachte Doc Brown.

 

 

 Es dauerte zwei Wochen bis Marshall Nick Ryder wieder vollständig im Einsatz war. Sheriff Jett Armstrong und Deputy Alex Cooper hatten während dessen alles im Griff. Lex war unheimlich stolz auf sich und fühlte sich wie ein richtiger Sheriff, denn Jett ließ vieles selber Regeln und betonte immer wieder, dass er seine Sache gut mache.

Ryder saß wieder in seinem Office und schrieb einige Berichte. Kurz nach dem Eintreffen der Postkutsche kam ein junger Mann ins Büro und legte ihm einen Stapel Briefe auf den Tisch. Jett und Lex standen auf dem Stepwalk und sahen wie der Bote mit der Post ins Office ging

und wieder heraus kam. Daraufhin hielt Jett seinen Deputy zurück, der auch ins Office wollte.

„ Warte. Besser wir bleiben noch einen Moment hier draußen.“ Sagte er. Lex sah ihn fragend an. „Warum?“ Aber Jett gab keine Antwort, er grinste nur. Es dauerte auch gar nicht lang, da hörte man von Drinnen Nick fluchen.

„ So ein verdammter, Mist Papierkram. Wer hat den Blödsinn nur erfunden. Ich habe auch noch andere Dinge zu erledigen als mich mit Briefen rum zu schlagen.“

Jett und Lex amüsierten sich köstlich dabei.

 

                                                                   ENDE