DIE Begriffsklärung: Offen - / Lauf - / Bewegungsstall...

Die Laufstall-Arbeitsgemeinschaft (LAG) unterscheidet zwischen Offenställen und Laufställen. Ein Offenstall ist eine Haltungsform, in der mehrere Pferde als Gruppe leben. Es gibt einen Innen- und einen Außenbereich, möglichst mit direktem Weidezugang. Gefüttert und getränkt wird im Stall. Der Laufstall hebt sich dadurch vom Offenstall ab, dass die Pferde durch getrennte Funktionsbereiche zum Laufen gezwungen werden. So sollen Futter und Tränke im Außenbereich liegend,  weit von einander entfernt sein. Der Stall selber dient nur mehr als Rückzugs- und Ruheraum. Noch mehr laufen die Pferde im Bewegungsstall, von der LAG definiert als Laufstall mit computergesteuerter Fütterung mit mind. 10 Einzelgaben/Tag und der Summe der einfachen Wegstrecken zwischen den einzelnen Funktionsbereichen (Kraftfutter, Raufutter, Ruheraum, Tränke) von mind. 100 m. 

„Aktivstall“ ist ein Markenname, den die Firma HIT für Ihre Laufställe gewählt hat.

 

 

 

 

 
 
Porträt der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft e.V. (LAG)
 
 
 
„Raus aus den Boxen!“ So lautet das Ziel der Laufstall-Arbeits-Gemeinschaft e.V.
(LAG). Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Vereins zeichnen artgerechte Pferde-
haltung mit einer Plakette und bis zu fünf Stall-Sternen aus. 
 
Sigrid Koch, erste Vorsitzende der LAG, führt den Verein seit 2005. Ihre Grund-
sätze und Ziele hat sie vom Gründer Hans Ullstein jun. übernommen: „Wir wollen
die  Laufstallhaltung  für  Pferde  aller  Rassen  und  Reitweisen  durchsetzen  und
Kompetenz und Qualität  in diesen Bereich bringen.“ Das bedeute vor allem, die
Pferdehalter  beratend  zu  unterstützen.  „Wir  sind  immer  noch  bemüht,  das
Schmuddelimage wegzubekommen.  Ein  artgerechter  Laufstall  ist mehr  als  eine
Wiese mit einem Dach drüber!“ Obwohl die LAG kein großer Verband wie die FN
ist, ist sie aus der Pferdeszene nicht mehr wegzudenken - denn der Verein treibt
seine Ziele mit einem Maximum an Idealismus voran.
 
Alle  zwei  Jahre  besuchen  Inspekteure  die  Mitgliedsbetriebe  und  verteilen  die
begehrten  Stallsterne  und  Plaketten.  Sie  beraten  den  Betriebsleiter  auch  aus-
führlich über Verbesserungsmöglichkeiten. Diesen Service können zwar nur LAG-
Mitglieder in Anspruch nehmen, doch eine Mitgliedschaft kostet schlappe 46 Euro
jährlich. Nicht nur reine Offenställe erhalten die Plakette, sondern auch Ställe mit
Boxen wenn die Pferde  einen Paddock und eine beheizte Tränke haben.  „Aller-
dings werden solche Ställe auch dann nicht über zwei oder drei Sterne hinaus-
kommen, wenn sonst alles brilliant ist“, sagt Sigrid Koch.
Klar, wenn man weiß, was genau die LAG bewertet: 
 
Zunächst  das Haltungssystem. Hier wird  abgecheckt,  ob  die  Pferde  in Boxen
stehen,  in  einem  Lauf-  oder  Offenstall.  Die  LAG  unterscheidet  einen  Laufstall
dadurch  vom  Offenstall,  dass  er  getrennte  Funktionsbereiche  hat.  Deshalb
müssen  Ruheraum,  Tränke  und  Futter  weit  von  einander  entfernt  sein.  So
werden  die  Pferde  tatsächlich  zum  Laufen  gezwungen.  „In  einem  Offenstall
gehen sie evtl. nur zum Gucken raus“, erklärt Sigrid Koch. 
 
Außerdem wird  die Weide  bewertet. Wie  viel Weidefläche  steht  pro  Pferd  zur
Verfügung?  Wird  die  Wiese  regelmäßig  abgeäppelt?  Wächst  dort  artenreiches
Gras? Wie oft kommen die Pferde raus? Wie ist der Zustand der Zäune? Gerade
letzteres wird vielen Betrieben zum Verhängnis. „Am Zaun wird oft geschlampt“,
weiß Sigrid Koch. „Da werden Bänder und Seile einfach zusammengeknotet oder
liegen am Boden. Messen unsere Inspekteuredann nach, stellen sie oft nur 1500
Volt Stromstärke fest anstelle der von den Versicherungen geforderten 4000 bis
6000 Volt.“
 
Ein weiteres Kriterium  ist die Fütterung.  „Hier  ist uns besonders wichtig, dass
die  Pferde  den  ganzen  Tag  über  an  Raufutter  rankommen“,  sagt  Sigrid  Koch.
„Wir schauen uns die Heu- und Strohqualität genau an und fragen nach, wie oft
gefüttert wird.“
 
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Die  Inspekteure  bewerten  auch  den Gesundheitszustand  der  Pferde. Wurden
regelmäßig  Impfungen  und Wurmkuren  gemacht?  Sind  die  Pferde  zu  fett  oder
abgemagert? Wie ist der Zustand ihrer Hufe? 
 
Bei den Bewegungsmöglichkeiten unterscheidet die LAG drei Bereiche: Bewe-
gung  durch  Nutzung  (Reiten/Fahren),  Bewegung  durch Weidegang  und  Bewe-
gung  durch Haltung. Hier  kann man  zum  ersten Mal  auch mit  einem  Reitplatz
oder einer Halle punkten. Wer  seine einzige Koppel  im Winter von den Pferden
umpflügen  lässt,  und  deshalb  unter  „Weide“  Abzüge  erhalten  hat,  kann  bei
„Bewegung durch Weidegang“ jetzt wieder etwas dazuverdienen.
 
 
Während der ganzen Inspektion gehen die Prüfer „mit Pferdeaugen“ umher. Eine
Reithalle, ein Stübchen und ein Solarium bringen nur minimale Pluspunkte. Viel
wichtiger  ist der LAG, dass sich die Pferde nirgendwo verletzen und sie auf aus-
reichend großen Flächen  ihre natürlichen Triebe als Lauf- und Herdentiere aus-
leben können.  
 
 
Information und Kontakt: 


http://www.lag-online.de


Das sagen die Stall-Sterne:
 
0-3 Sterne bedeutet „Pferde-Pension“
4 Sterne bedeutet „Pferde-Hotel“
5 Sterne bedeutet „Pferde-Sport-Hotel“  
 
Ein  Stall  ohne  Sterne  aber  mit  Plakette  ist  zwar  nicht  unbedingt
empfehlenswert,  aber  nach  Ansicht  der  LAG  „immer  noch  besser  als  eine
dunkle und enge Innenbox“. 

Eine Kooperation zwischen der LAG und der VFD - der Vereingung der Freizeitreiter und -fahrer Deutschland e. V. ist längst beschlossene Sache. VFD-Mitglieder sind berechtigt, sich um eine Zertifizierung mit Verleihung der LAG-Stallplakette zu bewerben, auch ohne LAG-Mitglied zu sein.

Zu diesem für Pferdehalter so wichtigem Thema auch gleich noch die folgende interessante Buchempfehlung:  "Pferde im Laufstall - Leitlinien artgerechter Haltung", 14,90 € im Buchhandel, ISBN 978-3-86858-01102 oder zu beziehen über www.amazon.de  oder  www.shaker-media.de

 

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