Das aktuelle Interview mit dem extremen Wanderreiter:

Neueste Nachrichten vom Weltumreiter

Weltreiter und Weltumreiter Manfred Schulze

mit seine Pferde Puschkin uns Panka in glücklichen Tagen

 

Das HUFGEFLUESTER steht weiterhin im Kontakt mit Manfred Schulze, dem Weltumreiter.

Doch schon wieder hat der seinen Standort gewechselt, wohnt jetzt in Cuxhaven an der Nordseeküste. Wir wollten wissen, weshalb es ihn so weit nach Norden zog und stellten ein paar Fragen: 

1.       Weshalb bist Du schon wieder umgezogen?

Manfred:  Wie Du weißt, musste ich mich ja im letzten Jahr von meinen Pferden trennen. Lange hatte ich einen Platz gesucht, den ich für angemessen hielt. Den fand ich endlich in Cuxhaven. Ein alter Freund hatte einen wirklich guten Platz zu bieten, so wie ich ihn mir vorstellte: viele Koppelflächen zum Wechseln, Trockenpaddock und ein großer Offenstall. Dazu wundervolle Reitwege ohne Schotter in einer Heidelandschaft, Wälder und Watt, in dem auch Reiten möglich ist. Dazu dieser Pferde-Enthusiast, bei dem sie es wirklich gut haben würden.

Aber meine Sehnsucht nach den Pferden wurde immer größer, je länger ich von ihnen getrennt war. Deshalb sah ich mich in ihrer Nähe nach einem Platz für mich um und fand ihn nun endlich. Jetzt kann ich wieder oft bei ihnen sein, sie ab und zu versorgen, natürlich wieder mit ihnen schmusen und ihre Zuneigung genießen, aber auch mit ihnen reiten.

2.       Und was ist mit Deinen Plänen als Reiseschriftsteller?

Manfred:  Die sind weiterhin aktuell. Meine letztjährige Reise in den Süden Kasachstans war hierzu der Start. Das Hauptgewicht liegt dabei auf der Erforschung des Nomadentums, das es ja auch in Kasachstan bis zur Sowjetzeit gab, von den Sowjets abgeschafft wurde und nun in abgeschwächter Form neu entsteht. Einiges konnte ich darüber erfahren und viele Bilder machen. Doch für ein weiteres Buch erscheint mir das noch zu wenig. Deshalb will ich in diesem Jahr auf einer Skandinavienreise auch die Samen besuchen, die ja auch einmal Nomaden waren und heute wohl noch Halbnomaden sind. Zwar sind ihre Tiere keine Pferde, doch kaum weniger interessante Rentiere. Auch sie werden als Zug- und Reittiere genutzt, eignen sich aber besser für Klima und Futterangebot dort oben mit den extremen Wintern und ich glaube, sie ertragen die Mückenplagen in den warmen Jahreszeiten leichter als Pferde.

3.       Das ist schon spannend. Und was kommt danach?

Manfred:  Na ja, ich möchte natürlich weiterhin so tätig sein, so lange ich eben kann. Kirgistan wäre ein weiteres Ziel und unbedingt noch einmal die Mongolei. Obwohl ich dort ja schon einiges erlebte, kommt es mir immer noch viel zu wenig vor. Alles, was je über die mongolischen Nomaden geschrieben und berichtet wurde, erscheint mir als zu wenig, nicht tief genug. Ich möchte längere Zeit mit ihnen leben und in ihre tiefsten Geheimnisse eindringen. Um das zu verwirklichen, muss ich aber noch einige Bücher verkaufen, um finanziell in die entsprechende Lage zu geraten.

4.       Oder Sponsoren zu finden?

Manfred:  Ja, auch das wäre eine Möglichkeit. Aber darauf darf ich nach meinen Erfahrungen nicht bauen, denn ich weiß, dass Sponsoren immer schwerer zu finden sind.

5.       Und das soll alles mit Deinem inzwischen 21 Jahre alten VW-Camper geschehen?

Manfred:  Ja, nach wie vor mache ich mir diesbezüglich aber durchaus Sorgen. Er hat die letzte Reise, immerhin 22.228 km lang, blendend überstanden, aber für die noch extremeren Reisen nach Kirgistan und die Mongolei ist er schon aus zwei anderen Gründen nicht geeignet. Nämlich, weil er keinen Dieselmotor hat und vor allem, weil er keinen Allrad-Antrieb hat. Neu muss er gar nicht sein, aber kerngesund. Wer Deiner Leser da einen Tipp für mich hat, sollte mir unbedingt eine mail schicken:  manfred@weltumreiter.de

6.       Hast Du nicht nach Deinem ersten Buch inzwischen ein weiteres geschrieben?

Manfred:  Ja, weil das Buch „Mit zwei Pferden um die Welt“ ein wirklich großer Erfolg war und ich viele begeisterte Zuschriften bekam und weil Du, lieber Bernhard irgendwann fragtest, warum ich anhand der vielen Geschichten, die ich zu erzählen habe, nicht weitere Bücher schreibe, habe ich mich gegen meinen eigenen Widerstand durchgerungen, „Dschingis Khans Tochter“ zu schreiben, das es nun seit einigen Monaten gibt.

7.       Worum geht es in diesem Buch?

Manfred:  Noch immer ist es mir eigentlich ziemlich peinlich, über diese Geschichte zu sprechen, aber sie ist nun mal geschehen und so dachte ich, die Leser sollen selbst entscheiden, ob ich nun in ihren Augen ein „Engel“ oder ein „Teufel“ bin. Also, in Ulan Bator lernte ich bereits bei meiner Ankunft dort eine junge Mongolin kennen und zwischen uns entwickelte sich eine ziemliche Zuneigung. Das führte dazu, dass sie mich auf meiner weiteren Reise begleiten wollte. Tatsächlich gelang das auch, doch nur bis Südkorea. Trotz aller Bemühungen und täglicher Kämpfe konnten wir kein Visum für sie nach USA bekommen und sie musste zurückbleiben. Was hier so trocken und ziemlich uninteressant klingt, war aber ein besonders emotionales Erlebnis zwischen Liebe, Angst, Freude, Verzweiflung und endlich  dankbarer Demut. Außerdem habe ich in diesem Buch auch Gedanken und mögliche Erkenntnisse des Lebens Ausdruck gegeben, entstanden in den vielen Monaten gnadenloser Einsamkeit.

8.       Wie ich weiß, schreibst Du ja bereits wieder. Worum geht es da?

Manfred:  Weil mein Buch über die Nomaden noch unzureichend recherchiert ist, schreibe ich nun erst einmal über jenes Thema, welches mir neben den Pferden noch am Herzen liegt. Das ist völlig gegensätzlich, nämlich die Seefahrt. Du weißt ja, dass ich in den sechziger Jahren zur See fuhr. Frachtschifffahrt und Hochseefischerei waren damals noch ganz anders als heute. Container beherrschten damals noch längst nicht die Frachtschifffahrt und Kabeljau gab es noch in unglaublichen Mengen. Aber auch gewaltige Stürme im Nordatlantik, Seenot, Winter ohne Tageslicht, Sommer ohne Nächte, Eisberge von erschauernder Schönheit, schwarzer Nebel, der die Schiffe mit schweren Eispanzern überzog und zum Kentern brachte, Männer, die über Bord gingen und in Minutenschnelle im Eiswasser erstarrten und manchmal versanken und Vieles mehr. Das wird ein wirklich interessantes Buch mit alten Bilder, allerdings noch schwarz-weiß.

Weitere Themen habe ich auch bereits im Kopf. Was die Leser vom Hufgeflüster besonders interessieren wird, ist ein kleiner Bildband über meine Pferde mit Bildern von unserer gemeinsamen Reise und dem Leben danach. Das wird aber keineswegs nur aus Bildern bestehen, sondern auch viel Text dabei haben, der die Veränderung meines Lebens durch die Pferde beschreibt und die Tatsache, dass die Pferde in vieler Hinsicht meine Lehrmeister waren. Diese Buch wird aber noch ein bisschen dauern, denn wie man weiß, ist die Realisierung eines Bildbandes besonders teuer.

9.       Ich denke, nicht nur ich bin gespannt auf Deine weiteren Abenteuer und Bücher und ich hoffe, Du wirst uns weiterhin von Allem berichten, was Du noch so alles anstellst.

Manfred:  Na klar, werde ich das. Ich weiß ja, dass ich vielen Deiner Leser bei meinen Messebesuchen in München, Augsburg, Nürnberg, Straubing und vielen anderen Städten persönlich begegnete und viele Freunde unter den Pferdeleuten habe, die ich hiermit alle ganz herzlich grüßen möchte. Viele klicken ja auch immer wieder mein Forum an, das ja von Euch gesponsort ist, doch ein paar neue Einträge dort würden mich durchaus froh machen – na ja, jeder einzelne ist halt auch eine Ermunterung für mich, weiter zu machen.


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