Nikolaus mit Pferd, eine Paraderolle?

Oder 40 Jahre Weihnachtsmann... 

 Der Trapperlaus mit Pferd für die Hartgesottenen...

 

Ich war erst zwei Jahre alt, als der Nikolaus das erste Mal zu mir kam. Schuld waren etwas ältere verwandte Kinder, die es scheinbar dringend nötig hatten, daß der Nikolaus endlich kam. Und da war ich als kleiner Wurm von meinen Eltern schnell mit dazu getan. „Schaden kanns ja wohl nicht“, meinten meine Eltern. Die immer noch vorhandenen Tonbandaufnahmen aus dieser Zeit (1954!) zeigen anderes auf. Mir läuft es heute noch eiskalt den Rücken runter, wenn ich mir diese Aufnahmen mal wieder anhöre. Was ich damals noch nicht ahnen konnte ist, daß diese „Tortur“ jedes Jahr von Neuem stattfinden wird. Nur daß der Nikolaus dann nicht wegen den anderen Kindern zu Besuch kam, sondern nur wegen mir. In den 50er Jahren war Psychologie im Zusammenhang mit Kindern noch ein Fremdwort und die harte Hand auch an den Schulen noch gängiges Erziehungsmittel. Warum ich so ein schlimmes Kind gewesen sein soll, wo ich doch nicht einmal Geschwister hatte, ist mir bis heute unerklärlich. Jedenfalls mußte bis zu meinem 8. Lebensjahr jährlich dieser angeblich so heilige Mann am Nikolaustag zu mir kommen. Natürlich hat St. Nikolaus mir auch Geschenke gebracht. Aber vorher mußte ich mir die Leviten lesen lassen. Ich war immer wieder erstaunt, was so ein Nikolaus alles weiß von mir. Der wußte Sachen, die eigentlich wirklich niemand hätte wissen (sollen) können. Und natürlich war der Griff zur Rute auch immer schnell getan, obwohl ich vorher schon freiwillig Besserung lobte. Am peinlichsten war dabei, daß die ganze Verwandschaft immer geladen war. Ich sehe heute noch, wie sie sich immer wieder ihr Grinsen und Lachen verdrücken wollten. Natürlich war es für Zuhörer immer lustig an so einem Nikolausabend. Schließlich haben sich ganze Heerscharen von Verwandten an so einem Abend als Niklaus bei uns zu Hause versucht. Sogar Frauen waren hinter der Maske versteckt. Um meine Ängste hat sich dabei niemand geschert und um meine jährlichen Tode, die ich an solchen Abenden gestorben bin, auch nicht. Wie gesagt, Kinderpsychologie war damals noch ein Fremdwort. Aber lustig waren solche Abende trotzdem, aber nur für die Erwachsenen…Vielleicht würde ich mich heute auch gar nicht mehr so an diese Zeit erinnern können, wenn da nicht ausführliches Bild und Tonmaterial bis heute vorhanden wäre.

Nun verging so die Zeit und unsere eigenen Kinder waren im Alter, wo doch der Nikolaus einschreiten sollte. Natürlich war da noch das bewährte Nikolausgewand meiner Eltern im Schrank. Schnell kam es wieder zum Einsatz und ich bin selbst in diese Larve geschlüpft, in die Rolle des einst so verhaßten Nikolaus. Natürlich hat sich die Zeit auch verändert. Aber ich habe auch versucht, meine eigenen Erfahrungen aus meiner Kindheit in mein bischöfliches Wirken einfließen zu lassen. Jedenfalls habe ich immer versucht, meinen Zöglingen als Nikolaus keine Angst zu machen. Im Gegenteil, der Nikolaus ist der Freund der Kinder, der sie unterstützt und ihnen Mut macht. Daß sie dabei durchaus auch etwas Respekt vor dem heiligen Mann haben, muß der Sache keinen Abbruch tun. Was ich mir aber von früher gemerkt habe, sind die Erwachsenen. Die kommen bei meinen Ausführungen eher schlechter weg und müssen für ihre Sünden büßen. Allein schon deshalb, weil ich immer noch dieses verdeckte Grinsen von früher in Erinnerung hab.

Die Rolle des Nikolauses ist mir bis heute geblieben. Ich bin nie wieder davon weggekommen. Nach meinen Kindern mußten andere Kinder daran „glauben“. In der Nachbarschaft wurde ich regelrecht herumgereicht. Dann kamen „Auftritte“ in Weihnachtsfeiern, auch bei Reitvereinen. Schließlich gab es Nikolaus in verschiedenen Kostümen, heilig, amerikanisch oder als Trapperlaus für die Westernszene mit Gewehr. Höhepunkte waren Auftritte mit Pferd und/oder Kutsche oder auch die in Kindergärten oder Horts in Starnberg und Germering und erst dieses Jahr im Montessori Kindergarten in München Hasenbergl. Die großen Kinderaugen dort ergreifen jedes Mal wieder neu meine Seele. Ohne Weihnachtszeit habe ich meine seelsorgerische Rolle sogar weiter ausgebaut bis hin zu Pfarrer, Pater und Referent.  Für die Nicht - Weihnachtszeit habe ich meine selbsternannte seelsorgerische Rolle ausgebaut bis hin zu Pfarrer, Pater und Referent.     

Warum ich das eigentlich mache, weiß ich gar nicht genau. Vielleicht ein gewisses Sendungsbewußtsein, oder doch eher Spaß an der Freud?

Seit 2003 mache ich den Nikolaus auf dem HUFGEFLÜSTER Weihnachts-Stammtisch jedes Jahr bis heute - derzeit gibt es im Raum München schon zwei dieser Stammtische.

Ein besonderes Highlight „meiner“ Nikolaus Auftritte war in 2009 bei der Fotogilde Starnberg, einem Fotoverein für Fotografen und Journalisten. Gewünscht war der heilige St. Nikolaus, natürlich in diesem Fall fach- und sachkundig. Herausgekommen ist eine Weihnachtsfeier mit großem Spaßfaktor für alle Beteiligte. Von Jung bis alt, alle mußten vor dem Nikolaus Rechenschaft ablegen. Es ist dabei kein Auge trocken geblieben. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich jedes Jahr wieder dieses Kostüm hervorkrame?

2014 - der heilige St. Nikolaus geht nun auch noch zu Schule - 17 Schulklassen der Grundschule an der Paulckestraße in München wollen mit dem heiligen Mann "versorgt" werden - klar, wird gemacht. Jetzt hat auch noch ein Altenheim angefragt - aus der Nummer komm ich einfach nicht mehr raus. 2016 feiere ich mein 40jähriges Dienstjubiläum...

 

Egal wie, mit Pferd war es jedenfalls am Schönsten!

 

Hufflüsterer Bernhard

 

 

Der heilige St. Nikolaus auf Weihnachts - Pferd Jashim für die Braven! 

Mit Pferden ist „Nikolaus machen“ und die Weihnachtszeit am Schönsten!  

 

Fotos alle von Gerd Gürtler, Percha, Fotogilde Starnberg

 

091205