HUFGEFLÜSTER Tipp: Das Thema ist interessant und wichtig für alle Pferdebesitzer und Pferdefreunde. Das HUFGEFLÜSTER Video Interview mit Fred Rai wurde seit Oktober 2010 bereits über 2000 mal bei sevenload angesehen und angehört, das seine Dienste aber leider eingestellt hat:

 

Europäischer PFERDESCHUTZBUND

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Das „stumme“ Pferd

Fred Rai (t): "Pferde haben keinen Schmerzschrei!"

Das interessante Interview über das Fehlen des Schmerzlautes bei Pferden hat Hufflüsterer Bernhard live mit dem bekannten Fred Rai, Betreiber und Besitzer der Westerncity in Dasing bei Augsburg, Intendant und Schauspieler bei den Süddeutschen Karl May Festspielen, Pferdekenner und Pferdebeobachter, Erfinder und Gründer des Rai Reitens, Musiker und Country und Westernsänger u.v.m. geführt. 

Zur Innerung an Fred Rai, der leider vor kurzem verstorben ist und der ein grosser HUFGEFLÜSTER Fan und Freund von Anfang an war und für uns vom Team unvergessen bleiben wird...

Schlagzeilen wie „Dressurreiterin schlägt ihr Pferd in einer halben Stunde über 400 mal“, „Fritz B. erschlägt eines seiner Pferde mit dem Hammer“ oder „Pferdedoping bei den Olympischen Spielen“ bis zu „Skandalöse Methoden im Hochleistungssport“ sind immer häufiger in der Presse zu lesen. Bei so genannten Rollkuren wird der Kopf der Pferde, um sie gefügig zu machen, mit Gewalt auf die Brust gezogen, Kandaren mit unsichtbaren „Löffeln“, die schmerzhaft auf den empfindlichen Gaumen drücken, werden dabei hebelübersetzt gnadenlos eingesetzt. Es ist an der Tagesordnung, dass Pferde bei sportlichen Veranstaltungen maßlos überfordert und gequält werden, nur um den Ergeiz ihrer Reiter zu befriedigen, was nicht selten mit schweren bis tödlichen Unfällen verbunden ist. Traurige Bilanz dieses Missbrauchs sind in Deutschland tausende Nervenschnitte im Jahr, durch die die wegen Überforderung der Vorderbeine zerstörten Sehnen und Kronbeine der Pferde nicht geheilt, sondern lediglich schmerzfrei gemacht werden, um sich weiterhin des Pferdes als wehrloses Sportgerät zu bedienen.

 

All dies ist nur deshalb möglich, weil das Pferd eines der wenigen Tiere auf unserer Welt ist, dem die Schöpfung, außer einem leisen Stöhnen, keinen Schmerzschrei mitgegeben hat. Ein Phänomen, das selbst Fachleuten und vielen Tierärzten nicht bewusst ist und von dem Pferdepsychologen Fred Rai, trotz tausender Pferde- und Lehrbücher, erst 1992 in seinem Buch „Ohne Peitsche – Ohne Sporen“ bekanntermaßen erstmals beschrieben wurde. Pferde können wiehern, wie auch Hunde bellen können, doch das Wiehern eines Pferdes ist niemals ein Ausdruck von Schmerzen, sondern dient der Kommunikation von Pferden untereinander.

 

Wir kennen alle das weit zu hörende Quieken der Schweine, wenn sie in Not sind, und machen erschreckt einen Satz zur Seite, sollten wir einer Katze versehentlich auf den Schwanz getreten sein, so durchdringend ist das Jaulen dieses Tieres. Alle Mitbürger werden plötzlich zu Tierfreunden, wenn jemand seinen Hund berechtigt oder unberechtigt züchtigt und dieser nur ein Winseln hören lässt, und verurteilen diese „Tierquälerei“. Doch es wird tatenlos zugeschaut, wenn Peitschen, Sporen und Kandaren, selbst mit zentimeterlangen „Löffeln“, nicht nur fordernd eingesetzt werden, sondern dabei oft die Schmerzgrenze weit überschritten wird, nur weil Pferde ihre Not nicht hinausschreien können.

 

Dass Pferde den Schmerz jedoch genauso verspüren wie wir Menschen, ist unschwer bei jedem Mückenstich zu sehen. Ihre Reaktion ist ebenso sensibel wie bei uns Menschen oder bei den Tieren, die in der Lage sind Schmerzschreie auszustoßen. Natürlich ist auch dieses Phänomen des fehlenden Schmerzschreies in der Logik der Natur begründet. Ein in der Wildnis lebendes, verletztes Pferd würde durch den Ausstoß von Schmerzschreien seinen Feinden, dem Raubwild, kundtun, dass hier eine wehrlose Beute zu fangen ist.

 

Was in der Natur eine Chance zum Überleben ist, ist aber bei der Verwendung dieses Tieres als Arbeits- oder Sportpferd die Voraussetzung, dass die Grenze zwischen Leistung und Qual fließend wird. Angesichts der großen Anforderungen, die die Natur mit ihrem harten Überlebenskampf an die Wildpferde stellt, kann von einem Pferd auch eine faire Leistung gefordert werden. Es ist ebenfalls zu verantworten, mit Pferden Sport zu betreiben, wenn sie die dazu erforderlichen Veranlagungen mitbringen und dementsprechend ausgebildet und trainiert sind. Voraussetzung dazu ist jedoch, dass die dabei verwendeten Peitschen, Sporen und Kandaren fordernd und nicht quälend eingesetzt werden, um die Leistung des Pferdes nicht durch Schmerzeinwirkung zu erzwingen.

 

Aus diesem Grunde ist es dringend erforderlich, nicht nur die aktiven, sondern auch die passiven Pferdefreunde zu sensibilisieren. Von den Reiterorganisationen und -Verbänden wird das Fehlen des Schmerzschreies totgeschwiegen, um das Milliardengeschäft des Hochleistungssports nicht zu gefährden. Nur wenn die Misshandlung des ältesten Helfers des Menschen von den Zuschauern erkannt und als Tierquälerei moniert und abgelehnt wird, wird auch das Pferd endlich die gerechte Behandlung erfahren, die es in der Jahrtausende langen gemeinsamen Geschichte mit dem Menschen längst verdient hat.

 Die Verbreitung des fehlenden Schmerzschreies der Pferde bildet die Basis im Kampf gegen ihre stille Qual und ist die Hauptaufgabe des zu diesem Zweck gegründeten „Europäischen Pferdeschutzbundes“. Nur die Aufklärung der Menschen über das wahre Wesen der Pferde führt zum Verständnis und zum Schutz des oft gequälten Begleiters des Menschen und schafft ihm die dringend nötige Lobby, um seinen stummen Schreien endlich Gehör zu verschaffen.

 

FRED RAI und SANDRA CHRISTIAN

 

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