Jagdreiter sind nicht aus Zucker

 XVI. Schloss-Diedersdorfer-Reitjagd 2010

Das bewiesen die Teilnehmer der XVI. Schloss-Diedersdorfer-Reitjagd.

Es wollte nicht hell werden an diesem Samstag, 13. November 2010. Ein kräftiger Regenguß, gepaart mit stürmischem Wind peitschte mir entgegen, als ich gegen 7.30 h aus dem Haus trat. Einen Moment lang fragte ich mich, ob es überhaupt Sinn macht, nach Diedersdorf zu fahren, weil bei dem Wetter vermutlich niemand Lust auf eine Schleppjagd verspüren würde. Ich fuhr aber trotzdem los und genehmigte mir im ‚Pferdestall’ zunächstmal ein gutes Frühstück. Gegen 9 h war noch immer kein Pferdeschwanz zu sehen. Ich fragte Herrn Schröder, den Geschäftsführer und Seele des gesamten Betriebes nach seiner Meinung. „So um 9.15 h werden die Ersten eintreffen.“ Er glaubte an seine Reiter. Ich nahm meinen Hund und ging hinaus in den Regen zum großen Parkplatz, wo die Fahrzeuge ankommen mussten. Und wirklich, ab 9.20 h rollte ein Gespann nach dem anderen heran und die Vorbereitungen liefen so zügig, wie beim schönsten Herbstwetter. Alle, die Meuteführer, die Bläser, die Reiter und die Gäste fanden noch Zeit für die obligatorische Sektbegrüßung und wappneten sich mit einem kräftigen Frühstück für die Anstrengungen des Tages.

Als gegen 11 h die Brandenburgischen ‚Parforcehorn-Bläser Berlin’ zum Rendez-vous auf dem Schlosshof bliesen, versammelten sich zweiunddreißig ReiterInnen im Alter von zwölf bis neunundsechzig Jahren um die ‚Geiseltaler Beagle Meute’. Rainer Pistorius, Master of Hounds, versorgt zu Hause 120 Hunde, nach Geschlecht getrennt, versteht sich. Heute wuselten fünfzig Rüden und Weibchen im Kreis der Pferde umeinander. Um die Tiere in Form zu halten und die Jungen einzuarbeiten , fährt er mit ihnen (und der Equipage) jährlich eine Woche nach Usedom und eine Woche nach Brandenburg. Denn alle Hunde laufen ohne Halsband und müssen auf ihren Namen hören. Dazu kommen dann noch ca.30 Jagdtermine mit nicht zu knappen Fahrtzeiten. Und das alles ist seine Freizeitbeschäftigung. Wenn das kein Idealismus ist!!

In diesem Jahr gab es wegen der überaus schlechten Bodenverhältnisse kein Springerfeld; und Bernd Schiel vom Brandenburger Hunting Club erläuterte, wie die Schleppe gelegt werden soll, damit kein unnötiges Risiko entsteht.

Ungefähr vierzig Gäste eilten zu den wartenden Kremsern, nachdem die Jagdgesellschaft losgeritten war.

Die Zugpferde mussten sich teilweise mächtig ins Zeug legen, um die aufgeweichten Wege zu bewältigen. Der wieder einsetzende Regen kannte kein Erbarmen. Aber nach etwa einer Stunde Plackerei konnten sie für den Rückweg neue Kräfte sammeln, während das Reitervolk samt Gästen sich beim großen Jagdstop am deftigen Buffet erholte. Und Petrus hatte ein Einsehen und hielt die Schleusen geschlossen.

Uns Gästen wurde hier das Schauspiel der der Schleppe hinterherjagenden Meute und der vorbeigaloppierenden Pferde ganz aus der Nähe geboten, bevor wir mit den Kremsern zurückfuhren, um dem Halali und Curee mit den Parforcehorn-Bläsern zuzusehen und –zuhören.

Als Pferde und Hunde wohlversorgt waren, wurde trotz des Nieselregens das traditionelle Hubertusfeuer angezündet und die Bläser gaben ihr Bestes.

Schlammverschmierte, aber glückliche Reiter setzten sich dann zum Schmausen und erzählen in der ‚Schmiede’ nieder. Besonders schön und feierlich war das Große Halali, das uns die Bläser zum Abschied boten. Es ist Brauch, dass alle Anwesenden dabei aufstehen (habe ich am Samstag gelernt).

Im letzten Jahr war ein heiratswilliges Pärchen unter den Gästen, das sich von Herrn Schröder abends noch die ‚Hochzeitssuite’ zeigen ließ. Das ließ mir nun keine Ruhe, ich musste sie mir einfach ansehen. Die Gelegenheit bekam ich am Sonntagmorgen, da hat Herr Schröder sich für meinen Wunsch die Zeit genommen. Leute, wenn Ihr heiraten wollt: Kommt nach Diedersdorf und gebt Euch im Schloß das Ja-Wort; denn nicht nur dass die Suite himmlisch ist. Es passt einfach alles: In der warmen Jahreszeit kann man die Ringe im Traupavillon tauschen, der Standesbeamte kommt ins Schloß! Die evangelische Dorfkirche steht gleich nebenan. Die Partygäste können je nach Wunsch im Schloß oder im Landgasthof – das Gebäude, vor dem sich die Reiter immer aufstellen – übernachten, die lieben Kleinen nerven nicht, denn es gibt ein spezielles Kinderprogramm, der Service und die Küche sind umwerfend gut. Als Gast fühle ich mich hier wirklich  wie ein König. Aber der Clou von allem ist, dass jeder Gast sein Pferd nicht nur mitbringen sondern auch im gegenüberliegenden Reiterhof Hennig unterstellen kann, und wenn’s eine schimmelgezogene Hochzeitskutsche sein soll, die gibt es dort auch!

Reiterherz, was begehrst Du mehr??

Bericht und Fotos Jutta Schroer

Hier geht es direkt zur Fotogalerie KLICK MICH