Mein erster Wanderritt

 

 

 

Meine Oma ist begeisterte Wanderreiterin.Als sie erfuhr,daß ich zu meinem 8. Geburtstag meine Freundin Paula aus Grütz einladen wollte,hatte sie die Idee , mit uns von Rathenow nach Grütz und zurück zu reiten.

So brachten Oma und Opa an meinem Geburtstag die Fahrponys Schlauelore und Dickelotti  mit dem Pferdehänger zu uns nach Hause.Die Namen der Ponys sind irreführend,denn Dickelotti ist viel schlauer ,als Schlauelore,weil sie sich an der Kutsche immer unmerklich zurückfallen läßt,und Schlauelore die ganze Arbeit allein machen muß.Wir stellten die Ponys für eine Nacht in einen transportablen Paddock in unseren Garten.

Dann kam der große Tag! Am 30.4.2015 holten Oma und Opa mich mit dem Pferdehänger von der Schule ab.Ich wunderte mich,denn wir wollten doch reiten und nicht die Pferde verladen! Aber Oma erklärte mir,daß Opa unser Troßfahrer sei und unsere Zelte,die Verpflegung und die Paddockstangen transportieren muß.

 

 

Endlich holten wir die Pferde aus unserem Garten und legten ihnen nach dem Putzen die Voltigiergurte und die Satteltaschen auf.Oma hatte außer unserer Verpflegung noch Regensachen,Tempotaschentücher,einen Wasserbeutel für die Pferde und ein Päckchen für die “Erste Hilfe”dabei.

Wir ritten durch Rathenow West,dann entlang des Schliepengraben bis nach Göttlin. Ich weiß jetzt auch,warum es “Wanderreiten” heißt.Oma ist gewandert, und ich bin geritten.In Göttlin angekommen ,fiel uns auf,daß Schlauelore auf gepflastertem Boden nicht laufen konnte und lahmte.Zum Glück trafen wir auf dem Dorfplatz an der Kirche  meine Freundin Ilva.Sie erklärte sich sofort bereit,ein Pony festzuhalten,so daß Oma alle Hufe nachschauen konnte.Und tatsächlich! Schlauelore hatte dicke Steine in ihren Hufen,von denen wir sie befreien mußten.Nun weiß ich auch,warum man immer einen Hufkratzer in der Satteltasche haben muß.

Vor dem Kindergarten in Göttlin warteten schon alle Kinder darauf,daß  mein Bruder Henry mit dem Pony abholt wird.Stolz setzte er sich auf sein Pony und alle Kinder schauten zu,wie wir davonritten...Daß heißt:ich beschloß,das Stückchen bis zum Rastplatz an der Havel zu laufen.Hier wollten wir unsere Pause mit Picknick machen,denn wir hatten bereits 6 km Wegstrecke zurückgelegt .Dickelotti hat am Anbinder ziemlich viel gezappelt. Es war auch ihr erster Wanderritt.Daher blieb Oma bei den Pferden stehen.Mein Bruder und ich machten es uns auf den Bänken gemütlich und brachten Oma etwas zu Essen und zu Trinken.

Dann ging es weiter! Wir sahen einen breiten gepflasterten Platz an der Havel.Oma erzähle uns,daß das Gelände mit zum Truppenübungsplatz gehört, und daß hier auch Panzer durch die Havel fahren.Das fanden wir sehr spannend!

Wir ritten weiter entlang der Havel und an der Grenze vom Truppenübungsplatz.Ich durfte die aufgestellten Schilder vorlesen.Oma hat meinem Bruder dann erklärt,was ein “Blindgänger” ist ,und was “strafrechtlich verfolgt” bedeutet.  Henry fand das alles sehr beeindruckend. Auf den Havelwiesen konnten wir einige Vögel beobachten.Ich habe die Reier gleich erkannt.Endlich sahen wir die ersten Häuser von Grütz! Zuvor ritten wir an einer Wiese mit Kühen und vielen Kälbchen vorbei.Etwas weiter entfernt brüllte ein Bulle uns schauerlich an! Und auch die Mutterkühe wollten ihre Kälber vor uns und unseren Ponys beschützen und rannten am Zaun entlang. Dickelotti und Schlauelore blieben gelassen.Oma hat sie auf diesen Ritt gut vorbereitet und hat Bodenarbeit und Gelassenheitstaining mit ihnen gemacht.Nun folgen sie Oma brav und sehen sie als ihre Leitstute an.

In Grütz warteten meine Freundin Paula und alle Dorfkinder schon auf uns.Paula und mein Opa hatten bereits das Paddock und die Zelte aufgestellt.Die Pferde durften in Paulas Garten direkt an der Havel stehen. Schnell packten wir noch unsere Schlafsäcke und Isomatten aus.Wir wollten pünktlich zum” Maibaum aufstellen” auf dem Dorfplatz sein.Es regnete inzwischen in Strömen,aber wir haben unter unseren Regensachen nichts davon gespürt. Nachdem der Baum aufgestellt war,haben die Feuerwehrleute für uns alle Bratwurst gegrillt.Auch die Kindergärtnerin von Henry war mit dabei.Wir sind mit den Dorfkindern über den Platz getobt,wobei alle mit Omas Hund “Basuka” fangen spielen wollten.Mein Bruder hat mit den anderen Kindern noch die Feuerwehr angeschaut,bevor er von meinen Eltern abgeholt wurde. Paula und ich wollten lieber zu unserem Zelt zurück gehen.

Als Oma dann später zum Zelt kam,sah sie die Bescherung: Wir hatten uns die Sachen im Vorraum ausgezogen,aber den Reißverschluß vom Zelt nicht richtig geschlossen. Hosen,Schuhe-alles naß! Paula hatte auch das mit Pferdchen bedruckte Toilettenpapier nicht wieder in die Hülle gepackt.Oma sagte:”Jetzt haben wir” Hackle feucht”.Wir müssen wohl noch viel lernen...Die ganze Nacht über hat es geregnet,aber wir haben nicht gefroren! 

 

 

Am nächsten Morgen schien die Sonne! Das Frühstück gab es draußen, direkt bei den Ponys .Paula konnte es kaum erwarten,die Ponys zu putzen.Ich mache das sonst nicht so gerne,war jetzt jedoch eifrig mit dabei.Man,haben die Ponys danach geglänzt! Und weil Paula ein Mädchen ist,durfte sie auch noch die Mähnen schmücken.Oma und Opa haben inzwischen unser Lager zusammen geräumt.Wir Kinder “durften” das Paddock abäppeln. Die Satteltaschen wurden für das Picknick neu bestückt. Pünktlich 11:00 Uhr zum Abritt kamen meine Eltern und mein Bruder.Meine Mama wollte mit uns den Rückweg antreten. Sie ist noch nie mit einem Pferd gewandert und hatte Lust dazu. Zuvor durften sich aber noch mein kleiner Bruder und Paulas kleine Schwester auf die Ponys setzten. Man,haben die gestrahlt! Wie die Honigkuchenpferdchen!

Endlich saßen wir auf den Ponys und fröhlich ging es los! Unterwegs haben zu dem Lied “ Laßt uns reiten, hey jippi jippi hey- immer neue Strophen gedichtet. Z.B.-“Schaut Euch mal die Paula an”-hey jippi jippi hey-“ Wie die Paula reiten kann!” Hey jippi jippi hey” oder: “Julian reitet Dickelotti –und er reitet immer flotti”-hey jippi jippi hey... oder auch “ Die Ponys gehen schnellen Schritt-die Oma,die kommt gar nicht mit”Hey jippi jippi hey....Jeder durfte eine Zeile ansingen und die anderen mußten einen Reim darauf machen.Die Zeit verging sehr schnell. Für das Picknick habe ich mir den Armeeplatz an der Havel ausgesucht.Die Pferde wurden an die Bäume gebunden. Dickelotti hat wieder gezappelt,aber Oma meinte,daß sie es lernen wird,ruhig und brav in der Pause zu stehen.Als dann ein Dampfer an uns vorbei fuhr,hat sich Dickelotti vor Schreck ganz fest um den Baum gewickelt! Zum Glück hatte Oma ein scharfes Taschenmesser in der Satteltasche und konnte den Strick durchschneiden. Dickelotti hat sich auch gleich wieder beruhigt,als Oma bei ihr war.  Ja, jeder Wanderritt ist ein kleines Abenteuer ,man weiß nie,was passiert...

 

 

Auch auf der zweiten Hälfte des Rittes wurde uns nicht langweilig.Wir reichten Getränke und Gummibärchen von einem Pferd zum anderen und hatten einen Mordsspaß dabei.Dann kamen wir nach 12 km Wegstrecke endlich bei mir zu Hause an.Papa hatte für alle ein tolles Essen gekocht,und ich konnte endlich mit Paula spielen.Mir hat der Ritt Spaß gemacht! Ich verstehe gar nicht,warum Oma so k.o. ist.Ich könnte morgen gleich wieder losreiten! Und Paula auch!