Reitbegleithunde sind beim Ausreiten oder Wanderreiten ja was Normales, doch Reitbegleitschafe? Was es damit auf sich hat, erfahren unsere Leser und Leserinnen gleich hier in dieser netten Story von Jutta Schroer:

Die Geschichte von Liese, dem Reitbegleitschaf

Die beiden Schafe Lotte und Lore fielen dem unerwarteten Jagdtrieb eines berliner Mischlingsrüden  zum Opfer. Lore raste voller Panik, mit blutverschmierter Brust über die Koppel und wurde nie mehr gesehen. Lottes Ohr hing etwas herab, aber die Verletzung schien nicht schwer zu sein; jedenfalls folgte sie mit Liese meinem lockenden Angebot von Möhren, Heu und einem weichen Strohlager in den Unterstand. Jekyll, der unschuldige Urheber des Dramas durfte fortan nur noch angeleint die Koppel betreten. Es schien, als ob Liese und Lotte sich beruhigt hätten. Aber - am nächsten Morgen war kein Schaf mehr weit und breit zu sehen und zu hören. Zu Fuß und zu Pferd suchte ich rund um die Felder nach ihnen. Nichts. bis ich eines Tages ein vertrautes Blöken hörte, aus dem Haus stürzte und - Liese zwischen den Pferden stehen sah. Sie wandte unentwegt den Kopf Richtung Wald und rief ein "Möh" nach dem anderen. Sie scheute nicht, als ich auf sie zuging und eine Möhre anbot. Ich durfte ihr sogar den Kopf kraulen. Aber als ein Platzregen einsetzte und die Pferde sich trollten, ich ins Haus flüchtete, kam sie nicht mit und war und blieb zunächst verschwunden. Und dann war sie eines Tages wieder da. Der Teckel eines Jägers hatte sie aufgespürt, gegen den sie die tote Lotte verteidigte. Als sie glücklich wieder bei uns war, hat sie sich sofort den beiden Stuten angeschlossen, diese quasi als Adoptivfamilie angenommen. Vor Chérie hat sie überhaupt keine Angst, im Gegenteil,  sie läßt sich von ihr rundherum abschlecken. Aber allein will sie auf keinen Fall bleiben. Das hat sie mir ganz resolut klargemacht, als ich mit beiden Pfeden und dem Hund ausreiten wollte. Kopfstoßend und laut protestierend drängte sie sich zwischen Pferden, mir und Hund aus dem Tor. Nach ihren schrecklichen Erlebnissen habe ich es natürlich nicht über's Herz gebracht, sie zurückzulassen. Und so wurde sie zum Reitbegleitschaf! Das sieht dann so aus: zuerst der schwarze Hund, dann die fuchsrote Sharifa, dann das weiße Schaf und zum Schluß kommt die braune Lucky. Und glaubt nur nicht, daß das Schaf dumm ist: Es läuft immer schön auf der rechten Straßenseite hinter mir her. Autos lassen es total cool. Ist schon ein supertolles Schäfchen, die Liese.

Text und Bilder: Jutta Schroer