Wie Annodazumal mit 1 PS über die Alpen

Alpenritt 2004 - 1Ihre Sehnsucht nach einem Urerlebnis, Nostalgie und Abenteuer pur erfüllten sich die 43 Reiter, welche im Mai zum Alpenritt von München nach Meran aufbrachen. Der Wetterbericht wurde schon seit Tagen von allen Beteiligten mit Bangen beobachtet, doch welche Freude, nach der Auflösung des Morgennebels über Kloster Andechs und dem pünktlichem Eintreffen der Teilnehmer mit ihren Gespannen schien die Sonne, ja, „wenn Engel reisen!“

Nach dem gemeinsamen Frühstück und der Rittführerbesprechung hieß es aufsitzen, Pater Valentin gab den kirchlichen Segen, der dringend gebraucht wurde, denn zu diesem Zeitpunkt war noch nicht allen Reitern klar was sie erwartet bei dem Ritt über die Alpen, die sportliche Herausforderung für den Freizeitreiter.

43 gut konditionierte Pferde aller Rassen und Coleurs, von den fünf Isländern bis zu Arabern, Quarter Horses, Haflingern, dt. Reitponys, schweres Warmblut usw. war alles dabei. 
Der 1. Tag, 42 km mussten bewältigt werden bei relativ flachem Gelände. Unsere Rittführer Georg, Arno und Marion haben die zusammengewürfelte Gruppe aus überwiegend Einzelreitern aus ganz Deutschland und Österreich in vier Stunden zur Mittagspause mit Picknick auf einem Western-Pferdehof geführt. Abends kamen die Pferde gut unter, auf den grünen Koppeln, von Georg´s Pferdehof.
Die Reitergruppe wurde von einem Tross von vier Personen mit Fahrzeugen betreut. Ein Hängerfahrzeug des Trosses stand immer für den Nottransport zur Verfügung, wo ständiger Kontakt mit der Rittführung bestand.

Alpenritt 2004 - 2Am 2. Tag zeigten sich die noch stark schneebedeckten Berge der Allgäuer Alpen am Horizont, vorher wurde aber noch lt. Programm die weltberühmte Wieskirche, ein Kulturerbe unter dem Schutz der UNESCO angesteuert. Eine Kirchenführung und ein Orgelkonzert erwartete uns. Gerührt waren die Reiter als es sich der Seelsorger der „Wies“ ein Monsignore Kirchmeier nicht nehmen ließ die „Alpenreiter“ persönlich zu begrüßen. Als Pferdliebhaber und Haflinger-Züchter konnte er die etwas ungewöhnlich aussehenden Kirchenbesucher schnell in den Bann ziehen.

Die Schimmelstute von Horst läuft gut, sie hat gestern einen Schlag bekommen. Erna und Hans haben ein unfreiwilliges Bad in der Ammer genommen, fortan hießen sie „die Taucher“. Die Gruppe wird homogener, es gibt auch noch  „die Rotkäppchen“. 
Marion unsere Rittführerin machte sich Gedanken: „Mit 43 Pferden über die Alpen – Wahnsinn oder Bereicherung?“ Wir befragen sie am Ende der Tour noch einmal darüber.
Es regnet etwas, die erste harte Etappe stand uns bevor, der Ritt zum Törl an der Norseite der Zugspitze auf 1400m Höhe. Die Loisach führte wenig Wasser und die Überquerung verläuft für alle Reiter und Pferde problemlos. Ein schönes Bild, Kajakfahrer auf der Loisach und 43 Pferde die den Fluß überquerten, selbst die Zuschauer fanden es sehr aufregend.
Leider musste Dieter mit seinem Quarter Horse wegen Lahmheit aufgeben, wir brachten ihn zum Ausgangspunkt zurück.
Die Zugspitze wurde gut geschafft und die Abendstation in Österreich wurde Dank des guten „timings“ unserer Rittführer pünktlich erreicht. Freundliche Quartiergeber brachten die Pferde auf eine Bergwiese neben dem Skilift unter, einige Reiter bauten ihr erstes Paddock – mit Erfolg!

Am 4. Tag nahmen wir den Fernpaß, 1209m auf alten Römerstraßen in Angriff, durch das Wettersteingebirge, vorbei an kristallklaren Seen hatten wir einen schwierigen Abstieg zu meistern. Hier zeigten sich Defizite bei den Reitern, z.B. wie führe ich mein Pferd, habe ich trainiert mein Pferd hinter mir gehen zu lassen. Trotzdem haben alle Reiter letztlich die schwierige Passage geschafft, einige mit der umsichtigen Hilfe unserer drei Rittführer. Die angekündigte Tierarztkontrolle am 4. Tag haben alle Pferde bestanden.

Nieselregen und Sonnenschin wechselten sich am nächsten Tag ab. Unser Rittführer Georg bestimmte, dass wir früh aufbrechen, denn ein Bahnübergang musste rechtzeitig überquert werden bevor die Schranke für 45 Minuten geschlossen ist.

Die Gruppe hatte Spaß untereinander obwohl sie heute auf der längsten, härtesten und höchsten Strecke der Tour waren. Heute machte es Sinn, dass Rittführer im Vorfeld des Rittes alle Wege besichtigt und kontrolliert hatten. 
Ein Hohlweg zum Piller musste vorher von Windbruch freigelegt werden. Lohn für den beschwerlichen Aufstieg war dann der Blick vom Piller, 1600 m Höhe, in das obere Inntal und nach 10 Stunden im Sattel ein entspannter Abend in den Wellness-Einrichtungen unseres Hotels.

Alpenritt 2004 - 3Nach Altfinstermünz, einer alten Zollstation am Reschenpaß, sperrte die österreichische Gendarmerie ganz unkonventionell zwei Tunnels in beiden Fahrtrichtungen für uns. Sicher an unserer Picknick-Station angekommen verwöhnte uns der Tross wieder wie schon Tage davor mit einem abwechslungsreichen Picknick-Buffet in freier Natur, danach konnte die interessante Festung Nauders besichtigt werden. Die Überquerung der italienischen Grenze wurde mit einem Glas Rotwein begossen und der lockere Teil der Reittour begann in der schönen Höhenlandschaft des Vinschgau´s. Den schneebedeckten Ortler im Vordergrund, mal ein Glas Wein hier mal ein Eis dort, so zog die illustre Gruppe in Richtung Meran, der Pferdestadt in Südtirol.

Empfangen durch die Stadtpolizei an der Ortsgrenze, erwartet und beklatscht von Freunden, Touristen und Passanten kam die Reitergruppe pünktlich um 12:30 Uhr am Vinschger Tor, dem Eingang zur Meraner Altstadt, an. Höhepunkt für die jubelnden und über den bestandenen Ritt stolzen Reiter war der Einzug durch die Laubengasse zum Kirchplatz. Im Reitzentrum Meran Mais erwartete uns ein Empfang der Stadt mit Buffet und Begrüßungsansprache des Präsidenten des Reitzentrums.

Ein gelungener Ritt, Dank loyaler Teilnehmer, gut gerittener zuverlässiger Pferde und einem gut eingespieltem Team.


                      

Tina Dambacher, 

Internet: www.alpenritt.de