Mitten in den Bergen weit außerhalb der Stadt lagerten sie. Banditen, Mörder und Outlaws in einem „ Kessel“ umgeben von hohen Felsen. Nur ein schmaler Weg führte zu ihnen. Eine Schlucht in der keine zwei Pferde nebeneinander Platz hatten. Der Anführer kam aus einem Höhleneingang heraus. Der helle Sonnenschein blendete seine Augen, so dass er diese mit seiner Hand abschirmen musste um etwas zu sehen. Ein Mann auf einem Pferd kam auf ihm zu geritten. Kurz vor dem Anführer sprang er aus dem Sattel. Ein ernster Blick traf den Reiter so dass er zusammenzuckte. Der Boss war ein kräftiger Mann. Seine behaarten Fäuste stemmte er in die Hüfte. Die wenigen Haare waren nach hinten gekämmt. Er zog die buschigen Augenbrauen so sehr zusammen, dass eine tiefe Stirnfalte entstand. Als er nun anfing zu reden , konnte man seine gelben, schief stehenden Zähne sehen.

„ Was ist los. Wo bist du gewesen Ted?“  Nervös scharrte Ted mit dem Fuß im Dreck. Er wagte es nicht seinem Boss in die Augen zu schauen.

„ Ich--- ich musste noch mal zurück zur Ranch.“

„ Den Überfall auf die Ranch haben mir schon Barko und Brady erzählt. Davon war nie die Rede, aber das klären wir später noch. Warum bist du nicht mit den anderen beiden mitgekommen?“

Ted lief ein Schauer über dem Rücken. Er wusste genau was der Boss damit meinte wenn er etwas später klären will. Er atmete tief ein. Jetzt musste er ihm die Wahrheit sagen, denn eine Lüge würde der Anführer rausbekommen, dann ging es ihm erst richtig dreckig.

„ Ich habe eins der neuen Gewehre getestet. Ich wollte es mir nur mal ansehen, da kam der Rancher plötzlich auf uns zu. Ich habe sofort geschossen. Als wir uns dann am Brunnen abkühlten, habe ich die Büchse dort abgestellt und sie vergessen.“

Mit einer Schnelligkeit die man dem kräftigen Mann nicht zugetraut hätte, schnellte seine Faust nach vorne und traf Ted genau auf die Nasenspitze. Der schlaksige Junge torkelte nach hinten und fiel auf sein Gesäß. Blut lief aus seiner Nase. Er hielt die Hände vor dem Mund und hatte auf einmal einen Zahn in der Hand. Einer seiner vorderen Schneidezähne war abgebrochen.

Der Boss ging auf ihm zu, packte ihn am Kragen und riss ihn hoch auf die Beine. Ted stand, aber die Knie waren Butterweich. Der Anführer spuckte vor Ted in den Sand und knurrte.

„ Jetzt kann man dich wenigstens von deinem Zwilling unterscheiden. Also, wo ist das Gewehr? Her damit!“

Ted wackelte ein paar Schritte rückwärts.

„ Da ist noch etwas.“

„ Was denn noch? Los spucks schon aus sonst schlag ich dir den Rest deiner Zähne auch noch raus.“

„ Als ich zurück zur Ranch war kam ein Reiter. Ich konnte mich im Schlafzimmer verstecken, aber er fand mich dort. Ich bin durch das Fenster abgehauen. Das Gewehr konnte ich nicht mehr holen.“

„ Bist du verrückt? Erst überfallt ihr ohne meine Erlaubnis eine Ranch, dann vergisst du Trottel

auch noch das Diebesgut. Hast du den Fremden wenigstens erledigt?“

„ Nein. Ich glaube nicht. Es ging alles sehr schnell. Außerdem war es kein Fremder. Ich hab sein Pferd erkannt. Es war der Marshall aus Cutter. Weiß der Teufel woher der so schnell von der Schießerei erfahren hat.“

Jetzt musste sich auch der Boss hinsetzten. Er ließ sich auf einem der großen Felsblöcke nieder.

Minuten der Stille verrannen. Wie aus Stein gehauen saß er da und blickte vor sich hin. Dann sprang er auf. In seiner Rechten hielt er den 45ziger Revolver und noch bevor Ted reagieren konnte fiel der Schuss. Mitten ins Herz des gerade einmal zweiundzwanzig jährigen Junge Burschen. Er war schon Tot als sein Körper vorn über kippte und auf dem sandigen Boden reglos liegen blieb.

Barko hörte den Schuss und kam sofort angerannt. Er warf sich auf den Boden neben seinen Bruder und schrie.

„ Steh auf Ted, bitte. Sieh mich an!“ Er rüttelte seine Schultern. Schließlich nahm er ihn in den Arm und drückte ihn fest an sich.

Dem Boss interessierte das alles nicht. Er rief ein paar Männer zu sich.

„ Hört zu. Ted dieser Idiot hat den Marshall auf unsere Spur gehetzt. Seht zu das ihr ihn abfangt.“

„ Sollen wir ihn abknallen Boss?“ fragte einer der Banditen.

„ Nein. Ich will dass ihr ihn zu mir bringt. Lebend. Habt ihr das verstanden?“

„ Sie wollen den Wolf direkt in unser Versteck holen?“

„ Das ist meine Sache. Bringt ihn mir her. Oder habt ihr etwa schiss vor ihm. Er trägt nur einen Blechstern, na und?“

Die Männer trotteten davon. Sie kannten ihren Boss genau und wussten dass man sich nicht mit ihm auf eine Diskussion einlassen sollte.

Bill  Clain, der Anführer der Bande drehte sich um. Hinter ihm stand ein Mann mit blonden Locken.

Es war Mister Benton. Er sah Clain ernst an und sagte in einem scharfen Ton.

„ Wenn hier irgendetwas schief läuft, fährst du mit in die Hölle. Du hast dein Wort gegeben das du die besten Männer hast. Ich will diesen Marshall und ich will ganz Cutter dem Erdboden gleich machen. Marshall Nick Ryder ist schuld am Tot meines Bruders. Durch seine Aussage hat man ihn gehängt. Und die ganze Stadt hat zugesehen. Alle Geschworenen waren gegen ihn. Cutter muß vernichtet werden. Ich habe dir die Gewehre besorgt, du erledigst den Rest mit deinen Leuten, dafür behältst du achtzehn neue Winchester. Wenn alles erledigt ist, werdet ihr mich nie mehr wieder sehen. Ich muss von hier verschwinden bevor die Armee auf meine Spur kommt.“

„ Keine Sorgen Benton. Es wird nichts schief gehen. Mit dem Marshall werde ich schon fertig. Ich habe ihn schon einmal schwer getroffen.“ In seinen Augen blitzte es als er sagte.“ Wenn er wüsste was ich noch für ein Ass im Ärmel habe.“

Danach ging er über den Platz bis zu den Pferden. Zwei Kinder standen bei einem Rotfuchs und Striegelten ihn. Der fünf jährige Junge kämmte gerade die Mähne des Pferdes. Er hatte schwarzes Haar das in der Sonne bläulich schimmerte.

Er war nun schon vier Jahre bei der Clain-Bande.  Seine Eltern waren bei einem Indianerüberfall getötet worden. So erzählte es jedenfalls Bill Clain immer. Die siebenjährige Hanna war Bill`s Tochter. Aber glücklich konnte er darüber nicht sein. Sein größter Wunsch war immer ein Sohn gewesen. Hanna hasste ihren Vater. Er war schuld am Tot ihrer Mutter. Wie eine Sklavin hatte er sie behandelt. Mit seiner eigenen Tochter ging er genau so grob um.

„ Hanna komm her!“ Erschrocken ließ das Mädchen die Bürste fallen und rannte sofort zum Vater.

„ Ja Pa.?“

„ Ich habe Hunger. Geh und brate mir den Hasen den ich gestern geschossen habe.“

„ Aber ich wollte doch…“ Klatsch. Seine große kantige Hand traf Hanna auf die linke Wange.

„ Halts Maul und tu was ich dir sage.“

Hanna stand da und hielt die Hände auf die schmerzende Stelle im Gesicht. Mit aller Kraft wehrte sie sich gegen die Tränen, konnte es aber nicht verhindern dass doch ein paar die Wange runterkullerten.

Damit Bill es nicht sah schlug sie den Staub aus ihrem Kleid und ging zur Feuerstelle.

 Wütend und schluchzend murmelte sie.

„ Warte nur. Ich werde nicht ewig hier bleiben. Irgendwann laufe ich weg. Egal wohin.“

 

 

                                                                               *

 

 

Die ganze Stadt Cutter war in Aufregung. Alles versammelte sich um den Bürgermeister, der vorm Marshall Office stand und sich wichtig tat.

Jett lehnte an der Wand neben der Officetür, hatte die Arme vor sich verschränkt und hörte sich das ganze Gerede an. Carol-Ann und Mary standen neben Jett, der immer wieder zu Mary rüberblinzelte.

Verlegen lächelte sie immer zurück.

Die dicken Wangen des Majors schienen Kugelrund als er lauthals verkündete.
“ Die Gerechtigkeit wird siegen. Dafür haben wir einen guten Marshall. Vergesst nicht, ich habe ihn euch vorgeschlagen. Marshall Ryder ist der beste Gesetzeshüter den man haben kann.“

„ Ist hier demnächst Bürgermeisterwahl?“ fragte Jett und sah dabei fragend zu Mary und Carol rüber.

„ Karl Flint redet immer so. Er sagt stets das was die Leute hören wollen. Ob er davon immer selbst überzeugt ist bezweifle ich allerdings.“

„ Aber.“  Fuhr Major Flint fort. “ Unsere Stadt braucht auch einen Sheriff. Der Marshall kann nicht alles allein erledigen. Wer meldet sich freiwillig für dieses ehrenvolle Amt.“ Ein Raunen ging durch die Menschenmenge, bis der Bürgermeister wieder das Wort übernahm.

„ Liebe Mitbürger. Ich habe schon alles geregelt. Wer hier als Sheriff arbeitet erhält einen guten Lohn. Verpflegung und Arztkosten werden von der Stadtkasse übernommen.“

„ Und wer kümmert sich um unsere Familien, wenn wir bei diesem gefährlichen Job draufgehen? „

rief eine tiefe Männerstimme aus der Menge, und erhielt sofort zustimmende rufe.

„ Seit Marshall Ryder hier für Recht und Ordnung sorgt, ist es doch schon viel ruhiger geworden.“

Flint stand stolz und kerzengerade da. Er wusste genau wie man mit den Leuten reden musste um sie von etwas zu überzeugen. Dieser Redegabe hatte er es zu verdanken, dass man ihm zum Major der Stadt Cutter wählte. Die Menschen auf der Straße wurden zunehmend lauter. Vereinzelnd konnte man einen Mann aus dem durcheinander verstehen.

„ Cutter ist eine große Stadt mit viel Durchgangsverkehr. Täglich kommen und gehen  Fremde  mit Kutsche und Bahn. Wie können sie da von einer ruhigen Stadt reden?“

Flint ließ sich nicht aus der Fassung bringen.

„ Genau deshalb brauchen wir noch einen Sheriff hier. Wenn Marshall Ryder außerhalb der Stadt was zu erledigen hat, wie jetzt, dann haben wir hier nur noch Deputy Cooper. Er ist ein guter Junge, aber er ist noch sehr jung und dieser Aufgabe allein nicht gewachsen. Also----sehe ich einen Freiwilligen?“

Langsam löste sich die Menschentraube auf. Dann trat Mary Smith neben Mr. Flint und ergriff das Wort.

„ Da sich niemand Freiwillig meldet, möchte ich jemanden vorschlagen.“ Sie drehte sich um  und wies mit dem Finger auf Jett Armstrong.

„ Ich schlage Mister Jett Armstrong vor!“

Jett schluckte. Damit hätte er nie gerechnet. Er drückte sich von der Wand ab, während er sich verlegen durch sein Haar strich. Den Hut in der Hand beobachtete er die Reaktionen der Männer.

Laut rufend stimmten alle dem Vorschlag zu. Mary lächelte Jett zu.

„ Sheriff von Cutter.“ Dachte Armstrong. „ Damit wäre meine Reise hier zu Ende. Und Mary ist wirklich hübsch. Nick braucht Hilfe. Ganz besonders im Office bei dem Papier Chaos auf dem Schreibtisch.“  Die laute Stimme Flints holte Jett aus seinen Gedanken.

„ Mister Armstrong. Nehmen sie unser Angebot an?“

Entschlossen ging er auf den Bürgermeister zu und reichte ihm die Hand mit den Worten.

„ Nick und ich waren die besten Freunde. Wir haben immer zusammen gehalten. Ich werde ihn auch jetzt nicht im Stich lassen. Major, ich nehme den Stern.“ Überglücklich fiel Mary ihm um den Hals.

Als die Leute anfingen laut zu applaudieren, wurde sie rot im Gesicht. Erst jetzt bemerkte Mary was sie getan hatte. Jett sah ihre Röte. Er nahm sie in den Arm und flüsterte in ihr Ohr.

„ Sollen es nur alle sehen. Ich liebe dich.

Mich wirst du nun nicht mehr los. Mit dem Stern werde ich wohl für immer in Cutter bleiben müssen. Mit dir an meiner Seite fällt mir das auch gar nicht schwer.“

Jett Armstrong wurde ganz offiziell vom Major und dem anwesenden Stadtrat zum Sheriff von Cutter vereidigt.

FORTSETZUNG FOLGT...

Euer Huffluesterer-Robert