Panca 2. Pferd des Weltumreiters

 

 

Sie war fünf, als ich sie fand. Auch bei ihr empfand ich bereits bei der ersten Begegnung eine extreme Sympathie. Aufgrund ihrer geringen Rangordnung und ihrer vielleicht daraus resultierenden Sanftmut, konnte sie mit einem einzigen Blick aus liebeversprühenden Augen, jedes Menschenherz erweichen. Sie war ein Schmusetier und wäre sie nicht so groß, hätten sie wohl viele Menschen gern mit in die Wohnung genommen und ihr einen weichen Platz auf dem Sofa angeboten.

Zwei Jahre jünger als ihr Halbbruder (sie hatten denselben Vater: Pietrosu 9), tat sie alles, was ihr Bruder tat. Sie hing extrem an ihm, er war ihr großer, starker Bruder, von dem sie sich beschützt fühlte. Trotzdem ließ sie sich in der Steppe am Südrand von Ulaanbataar im Frühling unseres dritten Reisejahres mit einem Mongolenhengst ein. Puschkin hatte dessen vehemente Annäherungs-versuche monatelang erfolgreich abgewiesen, doch irgendwann wohl einmal nicht aufgepasst.

Erst in Kalifornien wurde im staatlichen Tierhospital von Davis ihre Trächtigkeit festgestellt und auf einer großen Pferderanch in Vacaville gebar sie schließlich einen prächtigen Sohn. Mit der Geburt eines Hengstfohlens steigt natürlich das Selbstbewusstsein einer Mutterstute und damit auch ihre Rangordnung. Das zeigte sie ab sofort jedem Pferd, das mir oder ihrem Bruder zu nahe kam.

Manfred