Puschkin Hauptpferd des Weltumreiters

 

 

Als ich ihn fand, war er sieben Jahre alt und noch nicht lange in Deutschland. Er war zusammen mit seiner Schwester Panca aus den rumänischen Karpaten importiert worden. Dort, auf dem ehemaligen österreichisch-ungarischen Kaisergestüt 'Lucina', das nun rumänisches Staatsgestüt ist, waren die beiden in 'freier Wildbahn' zur Welt gekommen. Offensichtlich hatte Puschkin bereits in jungen Jahren eine kleine Stutenherde angeführt, sein extrem dominantes Verhalten, seine stetige Kampfbereitschaft zur Durchsetzung seines Willens und sein selbst als Wallach noch immer vorhandener Sexualtrieb, ließen darauf schließen. Selbst in hohem Alter wurden rundum alle Stuten rossig, wenn Puschkin seinen Imponiertrab präsentierte.

Natürlich war er deshalb von Menschen mit wenig Pferdeerfahrung schwer zu händeln. Er unterwarf sich nur dem, der ihn gewaltlos davon überzeugte, ihm überlegen zu sein. Nachdem er durch mehrere Hände gegangen war und immer wieder abgeschoben, stand er mehrere Tage im 'Ständer' eines Pferdehändlers. Dort fand ich ihn. Ich weiß nicht, ob es seine Hoffnung war, durch mich endlich aus dem Ständer befreit zu werden, oder er einfach meine spontane Sympathie spürte - ich hatte sofort das Gefühl, tief mit ihm verbunden zu sein.

Schon im täglichen Training für unser großes Abenteuer zeigte er seine enorme Leistungsbereitschaft. Er wollte arbeiten, wurde scheinbar niemals müde, solange er unter dem Sattel ging. Nur als Handpferd nebenher zu gehen und einen Packsattel tragen zu sollen, behagte ihm überhaupt nicht. Als ich das trainieren wollte, riss er sich beleidigt los und galoppierte zur Heimatkoppel zurück. Dort erwartete er mich dann völlig ruhig und mit vorwurfsvollem Blick.

Während unseres viereinhalbjährigen Abenteuers wuchsen wir extrem zusammen. Was ich von Pferden noch nicht wusste, brachte er mir bei. Und akzeptierte es ab dem zweiten Jahr sogar, als Handpferd die untergeordnete Rolle zu spielen. Ich konnte oft beobachten, dass er mit fast geschlossenen Augen, während der Schrittpassagen in den Steppengebieten, ein kleines Nickerchen machte. Als Sattelpferd tat er das nie.

Manfred