#1

weltreiter

Deutschland

Vaterfreuden in Kalifornien
  1. Anekdote vom Ritt um die Welt

Die Leiden eines Mannes beim "Vaterwerden"

Ellen erlebt jedes Jahr die Geburt vieler Pferde. Sie hat mehrere Vollblut-Deckhengste und Stutenbesitzer nutzen diesen Service. Fünf Abfohlboxen sind mit Kameras ausgestattet und in der sechsten stehen die Monitore. Die Liege vor den Monitoren ist in jedem Frühjahr Ellens nächtlicher Schlafplatz für drei Monate. Ihre Erfahrung ist natürlich enorm und sie erkennt sofort, wenn eine Stute Probleme hat und weiß, wie sie ihr helfen kann. Ich warte aufgeregt auf Anzeichen bei Panca und bemühe Ellen mehrmals, wenn ich glaube, dass es nun so weit ist. Aber Ellen lacht nur belustigt. Der Juni hat bereits begonnen, als tatsächlich die ersten Tropfen an Pancas Zitzen zu sehen sind. Diesmal quartiert Ellen meine Stute in eine der Boxen und mich in die Monitor-Box ein. Aber schlafen kann ich überhaupt nicht. Meine Augen starren wie gebannt auf den Monitor und ich höre jedes Geräusch, das durch Panca verursacht wird.

Um Mitternacht sehe ich, dass sie sich legt, aber ojeh: viel zu nah an der Wand! Sie will sich wälzen, kann es so aber nicht. Ich springe zu ihr, um ihr zu helfen. Das ginge nur mit einem Strick. Ich laufe, einen zu holen. Als ich zurück bin, hat sich Panca aber bereits selbst befreit. Am Tage erzähle ich es Ellen mit blassem Gesicht und sie lacht wieder nur: "Deine Stute hat ihr Fohlen nur in die richtige Lage gebracht. Morgen Nacht wird es kommen."

Und tatsächlich: um Mitternacht beginnt Panca in der Box zu kreisen. Mit der Nase am Boden sucht sie den besten Platz. Plötzlich legt sie sich schwerfällig, aber vorsichtig. Und bleibt liegen! Ihre Augen weichen nicht mehr von ihrem Hinterteil! Ich laufe zu Ellen und scheuche sie aus dem Bett. Sie lacht wieder. Als wir bei Panca sind, zeigt sich unter ihrem Schweif bereits der Anfang der weißen Fruchtblase. Schnell sind in ihr bald die winzigen Vorderhufe zu sehen. Ellen lächelt: "alles okay!"

Um 00.25 am 6.6.99 erblickt Pancas Fohlen erstmalig das Licht der Welt. Panca lächelt zufrieden und sieht sehr glücklich aus. Gemeinsam trocknen wir den Kleinen ab: Panca mit ihrer Zunge, ich mit einem Handtuch (nein, nein,nicht umgekehrt!). Während Ellen zurück in ihr Haus geht, bleibe ich in der Box und erlebe die ersten Schritte dieses rabenschwarzen Hengstfohlens, dem ich den Namen "Temujin" gebe, denn ich weiß, dass er einen mongolischen Vater hat.

Alle Ängste sind von mir abgefallen und nun kann auch ich nur noch lächeln - und verbringe jede freie Minute bei den beiden, bis sie nach zwei Tagen auf eine der freien Koppeln kommen...

57 Aufrufe | 1 Beiträge