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Deutschland

Die Schritte zu einem dekorativen hardcover-Buch

Buchdruck in Eigenproduktion

Erstaunlich viele Menschen hatten Erlebnisse, die sie gern veröffentlichen möchten. Oder sie erfinden spannende Geschichten, von denen sie glauben, dass Leser sie interessant finden könnten. Manche träumen von lukrativem Autorendasein. Tatsächlich steigt die Zahl der Veröffentlichungen ständig und einige von ihnen werden sogar zu Bestsellern. Und Bestseller-Autoren können wirklich bequem von ihren Tantiemen leben, manche werden sogar reich. Diese Erkenntnis lockt erst recht Schreibbegabte und Fantasie-Enthusiasten.

 

Meine Veranlassung, Autor zu werden, war von anderer Art. Die Reaktionen auf mein großes Abenteuer, zwangsläufig von verschiedenen Medien aufgegriffen, waren so großartig, dass ich unbedingt eine umfassende Reiseerzählung schreiben musste. Nur gut, dass ich unterwegs fleißig ein Tagebuch geschrieben hatte. Angetrieben vom Erfolg dieses Buches ("Mit zwei Pferden um die Welt"), von der Begeisterung der großen Zahl der Besucher meiner Lichtbildershows und weil Freunde oft zu mir sagten: "Du hast noch so viele Geschichten zu erzählen! Warum schreibst Du nicht weiter?", schrieb ich eben weiter, und nun ist es seit Jahren mein wichtigstes Hobby.

 

Wer Spannendes zu erzählen hat, schreibt es auf und versucht, einen Verlag zu finden, der es auf den Markt bringen soll. Seriöse Verlage wählen aber sehr vorsichtig aus. Sie tragen schließlich die Kosten und wenn ein neues Buch nur wenige Leser interessiert, legen sie schnell drauf.

 

Dann gibt es noch jene Verlage, die jedes Buch drucken, binden und zur Verfügung stellen. Die Kosten hat der Autor zu tragen und für den Vertrieb ist er selbst verantwortlich. Und das ist schwieriger als man denkt. Selbst mithilfe aller möglichen Internet-Plattformen.

 

Als ich mein erstes Buch ("Mit zwei Pferden um die Welt") veröffentlichen wollte, fand ich sogar einen seriösen Verlag, doch die mir in Aussicht gestellten Tantiemen empfand ich als viel zu gering.

Deshalb entschloss ich mich, einen 'Eigenverlag' zu gründen. Damit behielt ich alle Rechte, hatte aber auch die wirklich erheblichen Kosten für Druck und Bindung selbst zu tragen. Der Druck in preiswertem Offsetverfahren erfordert allerdings hohe Auflagen (mindestens 1.000 Stück). Kleine Auflagen sind nur im Digitaldruck möglich, aber je geringer die Auflage ist, umso höher werden die Stückkosten. Ziemlich eng ist die Grenze zwischen Druckkosten und möglichem Verkaufspreis. Die meisten Taschenbücher werden heute zu Preisen auf den Markt geworfen, die den Autor wieder in die 'leere Röhre' schauen lässt.

 

Als die Erstauflage "Mit zwei Pferden um die Welt" von mehreren tausend Stück vergriffen war, wagte ich noch einmal eine Auflage im Offsetverfahren. Auch die war bald vergriffen, doch der Absatz verlangsamte sich und eine erneute, große Auflage hielt ich für gewagt. Deshalb suchte ich nach einem Weg, kleine Auflagen preiswert herzustellen. Schließlich wollte ich weitere Bücher schreiben und ebenfalls veröffentlichen. Doch wie sollte das gehen? Notwendige Summen zu irgendeiner Realisierung hatte ich ja nicht.

 

In mehreren Schritten fand ich schließlich die Lösung:

Bücher selbst drucken und selbst binden!

 

 

 

 Fortsetzung 1 für "Bücher selber drucken, binden und auf den Markt bringen".

 

Druckereien, die im Digitalverfahren jede gewünschte Menge (schwarz-weiß oder/und farbig) drucken, sind zahlreich überall vertreten, das wusste ich. Meist haben sie auch Maschinen, die in der Lage sind, alle Blätter eines Buches im Klebeverfahren zu binden und mit einem Softcover-Umschlag zu versehen. Anschließend exakt schneiden - fertig ist das Buch. So machen es ja auch die "books on demand"-Verlage. Aber die kümmern sich noch auf Wunsch und gegen Bezahlung um die Cover-Gestaltung und die Beschaffung der ISBN - jener Nummer, unter der jeglicher Titel weltweit gefunden werden kann.

 

Und was, wenn ich in der Lage bin, das Cover selbst zu gestalten und die bedruckten Blätter selbst im Klebeverfahren zu binden? Schließlich wollte ich keine Taschenbücher produzieren, sondern dauerhafte Hardcover-Ausgaben anbieten. Das macht zwar erheblich mehr Arbeit, aber Zeit war für mich zweitrangig.

 

Also fuhr ich nach Hamburg und ließ mich bei einem Bindereibedarfs-Großhandel beraten. Der hat auch jene Maschinen im Programm, mit denen man sich die Arbeit erheblich erleichtern kann - in kurzer Zeit große Mengen binden - aber auch alle Materialien für die Handfertigung. Mit einer Grundausstattung im Kofferraum, fuhr ich nach Hause: zwei verschiedene Leime für die Rücken- und Deckelverklebung, Leimpinsel, exakt auf Maß geschnittene Buchbinderpappe, dünne Pappe für den Rückenschrenz, Buchbindergaze, Vorsatzpapier und selbstklebende Schutzfolie.

 

Eine Digitaldruckerei in der Nähe war leicht gefunden. Aber auch hier gilt: Je größer die bestellte Menge, umso preiswerter. Der Text meines zweiten Buches befand sich auf einem Stick. Eingespeist in die große Maschine, wurden tausende Blätter gedruckt: beidseitig, mit Seitenzahl versehen und sortiert. Zuhause brauchten sie nur noch blockweise mit Vorsatzpapier versehen, zusammengepresst und mit Leim bestrichen, Gazestreifen drüber, nochmal verleimt und mit Vorsatzpapier abgedeckt werden. Dann kamen immer zehn Rohbücher ohne Einband für ein paar Tage in eine selbstgebastelte Presse zum trocknen.

 

Der nächste Schritt zeigte, wie wichtig eine Druckerei in der Nähe ist, denn nun müssen die Rohexemplare ohne Einband geschnitten werden, denn kein vorgeschnittenes Papier ist exakt gleich mit dem anderen. Mit den großen, hydraulischen Schneidemaschinen einer Druckerei ist es ein Kinderspiel und das Ergebnis gibt Hoffnung auf ein gelungenes Buchexemplar...

 

In Fortsetzung 2 erkläre ich den nächsten Schritt:

Die Produktion der Hardcover-Einbände meiner Bücher.

 

 

 

 Fortsetzung 2 für "Buchdruck in Eigenproduktion"

 

Auf den Bildern von "Fortsetzung 1" sind zwei Hilfsmittel zu sehen, die es bei keinem Lieferanten gibt. Ich habe sie selbst erdacht und gebastelt. 1. eine variable Klemmvorrichtung für den Blattsatz unterschiedlich dicker Bücher. Mithilfe von handelsüblichen Klammern werden hier die noch losen Blöcke fest zusammengehalten und auf der Rückenseite mit Leim bestrichen. 2. dann auch an der Verleimung zusammengepresst, mit einem Gazestreifen und einem Streifen Vorsatzpapier überklebt, und 3. nach kurzer Antrocknung Gaze und Überpapier auf beiden Seiten beigeklebt und in der Presse für zwei bis drei Tage getrocknet. Zwei in einem Gestell fixierte Schraubzwingen bilden die Buchpresse.

 

Nachdem ich mehrere hundert Rohbücher auf diese Weise produziert hatte, machte ich mir Gedanken um weitere Einsparmöglichkeiten. Immerhin musste ich jedes Mal mindestens hundert Bücher drucken lassen, um wenigstens einen kleinen Gewinn am verkauften Buch zu erzielen. Digitaldruckereien haben große Anlagen zum Drucken. Einfache Drucker, die am PC hängen, sind für größere Auflagen ungeeignet. Eine Tonerkartusche ist schnell leer und sie ist teuer. Da gibt es nur eine Lösung: ein Kopiergerät, das größere Auflagen zu moderatem Preis verkraftet. Auch das war zunächst eine Investition, aber nun durften auch Kleinstauflagen jederzeit realisiert werden. Für die wenigen Farbdrucke innerhalb der Bücher und für die Cover genügte ein Farbdrucker am PC.

 

Um dekorative und aussagekräftige Cover herzustellen, wie sie zum Beispiel bei meinen Büchern zu sehen sind, genügen geeignete Fotos, ein Bildbearbeitungsprogramm im Computer und ein Farbdrucker. Die Ausdrucke müssen mit einer transparenten und selbstklebenden Schutzfolie versehen werden. Die gibt es auf Rollen beim Händler. Das Aufkleben erfordert ein wenig Übung. Um Blasenbildung zu verhindern, hilft eine mit weichem Filz umhüllte Spachtel. Mit ihr erreicht man die endgültige Haftung, eventuelle kleinere Blasen und Falten zwischen Folie und Farbdruck werden weggestrichen.

 

Ein weiteres Hilfsmittel dient nun der Fixierung des durch die Folie geschützten Coverbogens. Ein exakt in rechtem Winkel klappbarer Bügel bringt Hilfe bei der richtigen Positionierung der Buchdeckel aus 2mm starker Buchbinderpappe. Der Abstand der Deckel zueinander wird von der Dicke des einzuklebenden Buches vorgegeben. Dann Deckel verleimen und andrücken, Coverbogen mit eingeklebten Deckeln entnehmen und den vorgeschnittenen Rückenschrenz exakt zwischen die Deckel kleben.

 

Jetzt müssen nur noch die überstehenden Randstreifen des Coverbogens an den vier Ecken beschnitten, mit Leim bestrichen und umgeklebt werden. Fertig ist der Buchdeckel.

 

In Fortsetzung 3 erkläre ich den letzten Schritt:

Fertigstellung eines Hardcover-Buches in Eigenproduktion

 

 

 

 Fortsetzung 3 für "Buchdruck in Eigenproduktion"

 

Auf die vorher beschriebene Weise ist es durchaus möglich, ein einziges Buch aufzulegen und wenn sein Umfang Normalmaß hat, also bis zu 300 Seiten etwa, genügt für den beidseitigen Ausdruck der Seiten bestimmt ein tüchtiger, handelsüblicher Drucker am PC. Auch drei oder fünf Bücher wird er wohl schaffen und damit die Möglichkeit bieten, besten Freunden zur Beurteilung entsprechende Exemplare weiter zu reichen oder gar einem Verlag vorzulegen.

 

Bei der Papierwahl gibt es im Handel vielfältige Möglichkeiten. Der Drucker oder Kopierer engt die Auswahl ein. Für Inkjet- oder Laserdruck, einseitigen oder beidseitigen Druck, für farb- oder schwarz-weiß-Druck. Soll die Bildqualität hochwertig sein, wählt man besser kein Billigpapier und die Papierstärke sollte wenigstens 100 Gramm/qm sein.

 

Das Rohbuch ist trocken und kann der Presse entnommen werden. Die Rückenverklebung ist exakt im Winkel und glatt. Aber an den anderen drei Seiten sieht man die Ungleichheit der Blätter, egal wie viel Mühe man sich beim Aufstoßen des Blattsatzes gegeben hat. Ein exaktes Beschneiden gelingt weder mit Messer noch irgendeiner Schere. Hierfür ist ein leistungsfähiger Hebelschneider oder die hydraulische Schneidemaschine einer Druckerei nötig.

 

Weil ich nach und nach auf tausende Exemplare kam, hatte ich mir einen Hebelschneider aus einer Konkursmasse zugelegt. Neue Geräte dieser Art kosten mehr als 1.000 Euro. Er schneidet Blattsätze bis zu 40mm Dicke. Damit die festen Buchdeckel das Rohbuch überragen, muss es rundum etwa 2mm weniger Außenmaß haben. Dann kann es eingeklebt werden. Doch bitte nicht verkehrt herum!: wenn ich ein Buch aufschlage, sollte schließlich der Buchanfang sichtbar werden und nicht das Ende.

 

Eine Seite Vorsatzpapier Einleimen - im angesetzten Buchdeckel genau ausrichten, damit es gerade und gleichmäßig eingeklebt ist! - Andrücken. Die Gegenseite ebenso. Das erfordert ein wenig Geduld und Übung. Nach dem Einkleben geht es noch einmal in die Presse, denn der Leim ohne Lösemittel enthält viel Wasser, es lässt Papier und Pappe aufquellen. Ohne vollständige Trocknung in der Presse wäre das Endergebnis sehr unansehnlich.

 

Mir ist bewusst, dass diese Ausführungen dieser ziemlich speziellen Arbeit trotz anhängender Bebilderung kaum ausreichen kann, alle Schritte exakt nachzuvollziehen. Deshalb biete ich interessierten Leserinnen und Lesern weitere Hilfen an. Wer genauere Hinweise benötigt, soll sich nicht scheuen, mich per Telefon oder Internet zu kontaktieren. Auch, wenn es um die Verlegung von Ebooks und Hörbüchern geht, kann ich aufgrund eigener Erfahrungen weiterhelfen.

Tel. 07741-9678584, oder 01577-9552237, oder manfred@weltumreiter.de

 

Mit diesen Ausführungen soll den etablierten Druckereien und Bindereien keineswegs Arbeit weggenommen werden. Es könnte vielleicht sogar zu mehr Arbeit führen, wenn erste Schritte von künftigen Autoren zu hohen Auflagen führen, die selbst nicht mehr bewältigt werden können. Schließlich haben digitale Buchproduktionen wie Ebook und Hörbuch das gedruckte Exemplar keineswegs vom Markt gefegt, wie zunächst befürchtet.

 

Mein Wunsch ist, dass sich die Leser dieser Ausführungen an einer Diskussion beteiligen,

und zwar hier in diesem Forum. Scheuen Sie sich bitte nicht, Fragen zu stellen oder um fachliche Hilfe zu bitten: die ersten Schritte sind schwer, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich brenne darauf, mein Wissen weiterzureichen

Tel. 07741-9678584, oder 01577-9552237, oder manfred@weltumreiter.de

Unter dem Link: https://hufgefluester.eu/forum/forum-von-weltumreiter-manfred-schulze/buecher-selbst-drucken-und-binden_2344

 


Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal bearbeitet, zuletzt von »weltreiter« (08.10.2017, 14:26)
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