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Deutschland

15. Anekdote vom Ritt um die Welt
  1. Anekdote vom Ritt um die Welt

Die Wüste Gobi reicht von Süden her bis an den Rand des Changai-Gebirges,

jene Gebirgskette, welche die Mongolei in eine nördliche Region mit viel Wasser und Vegetation, und eine trockene, südliche Region teilt. Will man das Land in der west-östlichen Richtung durchqueren so wie ich, wählt man mit Pferden besser den südlichen Weg. Denn hier ist man von Stechmücken weitgehend verschont.

Die hier lebenden Viehzüchter müssen mit ihren Filzzelten und allen Tieren bis zu zwölfmal pro Jahr den Standort wechseln, um ihren Tieren genügend Futter zu bieten. Wasser finden sie an nur ihnen bekannten Wasserlöchern, und manchmal muss es aus großer Tiefe heraufgezogen werden. Oder sie finden eine freie Fläche an einem der wenigen Flüsse, die ihr Wasser aus dem Gebirge heraus nach Süden schicken. Bis ans Meer reichen diese Flüsse nicht, sondern versickern bald irgendwo in der Gobi.

Die nördliche Gobi ist zumeist eine Steinwüste und die hier dürftig wachsenden Pflanzen bestehen nur an wenigen Stellen aus Gräsern. Meist ist es hartes und dorniges Gestrüpp. Eigentlich nur als Futter für Ziegen und Kamele geeignet. Alle anderen Tiere müssen aber ebenfalls damit zurecht kommen und auch meine Pferde knabberten es durchaus gern. Um aber tägliche Distanzen von cá 50 km zu laufen, bietet es zu wenig Energie. Deshalb war es wichtig, ein Versorgungsfahrzeug mitzuführen, in dem bis zu 600 Liter Wasser, Kraftfutter und auch Heu verstaut war.

Nur wenige Sanddünen findet man im Norden der Gobi und wo sie zu überqueren sind, haben die Pferde wenig Freude. Dieses Geläuf behagt ihnen nicht, denn im feinen Treibsand sinken sie ein und an den Hängen der Dünen beginnt der Sand zu fließen. Aber auch diese Erfahrung bereicherte ihr Wissen, wie so Vieles, das sie unterwegs auf dem weiten Weg um den Erdball erlebten. Wirkliche Strapazen waren es nicht, denn wenn ich spürte, dass sie keine Lust mehr zum Wandern hatten oder müde wurden, beendete ich irgendwo den Ritt und versorgte sie mit allem, was sie auf der jedesmal ausgesteckten Elektrokoppel nicht finden konnten. So verloren sie keine Substanz, waren immer gut genährt und ihre Kondition war extrem gewachsen. Und endlich war Ulan Bator erreicht: am 3. September 1997. Mithilfe mongolischer Freunde fand ich ein besonders sicheres Winterquartier: den mongolischen Staatszirkus inmitten der Hauptstadt.

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