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weltreiter

Deutschland

Es kann nicht nur schöne Erlebnisse geben
  1. Anekdote vom Ritt um die Welt.

Mit wichtigen Hinweisen für eventuelle Nachahmer:

 

Wer solche oder ähnliche Extremreisen plant, sollte wissen, dass es nicht nur schöne Erlebnisse geben wird. In Ländern mit armen Bevölkerungsschichten muss es zwangsläufig zu unschönen Begegnungen kommen. Schon die Ausrüstung weckt Begehrlichkeiten. Aber auch die Erkenntnis, dass der Reisende reich sein muss, weil er sich so etwas leisten kann. Der Wunsch, sich in irgendeiner Weise ein bisschen des Reichtums zu erobern, ist oft größer als das Wissen von der eigenen Unmoral.

 

Was mich überraschte, war die Erkenntnis, dass es besonders in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu einer Art Volkssport geworden ist, sich heimlich oder sogar in aggressiver Weise anzueignen, was dem anderen gehört. Und zwar nicht nur von Reisenden, sondern sogar von Nachbarn oder Freunden. Oft hinterhältig und ohne Gewissensbisse. Liegt es daran, dass diese Völker seit Jahrhunderten unterdrückt waren? Dass sie nach dem Ende der bisherigen Staatsmacht auch endlich mal an die Spitze der Gesellschaft wollen? Vor allem reich sein wollen - wie es bisher nur die Führer des Volkes waren? Nach dem Ende der Union scheinen Dämme gebrochen zu sein. Wer schon immer von einem besseren Leben träumte, erkannte endlich eine Chance, nun selbst zur Spitze zu streben.

 

Die Armen aus der zivilen Schicht begnügten sich mit dem Stehlen unbeaufsichtigter Ausrüstungsgegenstände. Oder sie schlossen sich unter Führung des Stärksten und Durchsetzungsfähigsten zu Banden zusammen, die sogar vor den Augen der Polizei Autobesitzer auf der Straße stoppten und unter Gewaltandrohung Geld erpressten. Sie nannten sich 'Recketts'. Auch ich wurde von ihnen bedrängt und befand mich am Rande der Vernichtung. Hilfe durch die Polizei suchte ich vergeblich. Sie kannten das Problem, sogar den Namen des Anführers, und rieten mir zu bezahlen, um mit heiler Haut davon zu kommen. Dass sie selbst von diesen Machenschaften profitierten, war offensichtlich.

 

Es war nicht die einzige Begegnung mit Recketts auf dem langen Weg durch die Ukraine, Russland und Kasachstan. Noch häufiger aber war die unverhüllte Bereitschaft von Uniformierten mitten in diesen Ländern und an ihren Grenzen, dubiose Gebühren zu erheben. Sie legten umfangreiche Listen vor, auf denen angebliche Gebühren in erstaunlich hohen Summen aufgeführt sind für Versäumnisse, die der Reisende angeblich begangen hat. Protestiert er dagegen, verschwindet die Liste wieder in der Schublade und die Forderung wird kleiner. Was dann endlich gezahlt wird, verschwindet natürlich in der eigenen Tasche.

 

Heute frage ich mich, ob es jene Gauner in Zivil oder in Uniform tatsächlich an die Spitze schafften und sich auf betrügerische Weise zu Millionären und sogar Milliardären machten: zu Oligarchen, die weiterhin ihr eigenes Volk betrügen, indem sie ihr Kapital im Ausland deponieren: unter den Augen der nicht weniger korrupten Führung ihrer Staaten.

 

Wenn mich solche Erlebnisse auch sehr erschreckten und ich oft in Sorge war, genug Kraft zum Durchhalten zu haben, bereue ich dennoch diese Reise nicht. Der Grund ist die weitaus größere Befriedigung, überall auf Menschen gestoßen zu sein, die das Gegenteil darstellten. Es sind meistens die Ärmsten, die frei sind von Hinterhältigkeit, die bereit sind, das letzte Stück Brot mit dem zu teilen, der sie in mit Freundlichkeit und Verständnis achtet - der mit offenem Herzen auf sie zugeht.

 

 

Vergiss nicht: alle Erlebnisse meines großen Abenteuers gibt es zusammengefasst in dem umfangreichen Buch: "Mit zwei Pferden um die Welt".

Wie Du es erwerben kannst, findest Du unter "Bücher - DVD" auf der Homepage www.weltumreiter.de

 

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