1. Fortsetzung zu: "Schon davon gehört?..."

Training für einen besonders großen Ritt

"Trainiere sie vor allem auf Kondition!", wurde mir geraten. Doch viel wichtiger war, sie mit möglichst allem vertraut zu machen, was uns unterwegs an "Bedrohlichem" begegnen könnte. Wo die Kondition nicht mehr ausreichte, wurde die Tagesetappe einfach abgebrochen, auch wenn die zurückgelegte Strecke noch lächerlich gering war. Schließlich konnte ich sowieso keine Etappenziele vorplanen. Aber an 'bedrohlichen' Rundballen in der Ferne, die wegen Folienummantelung in der Sonne glänzten, über Eisenbahnschienen und Holzbrücken zu gehen, enge und finstere Tunnels, stark befahrene Autostraßen und hektische Städte hinter uns zu bringen, war also die weit größere Herausforderung.

Panca und Puschkin waren noch sehr jung und beinah gänzlich unerfahren. Für mich bedeutete es großen Stress und oft die nervliche Belastungsgrenze. Mir war bewusst, dass es vor allem auf meinen Einfluss, auf meine Ruhe und Geduld ankam, die ich den Pferden einflößen musste. Tatsächlich gelang das erst vollständig unterwegs, und selten auf unseren täglichen Trainingsritten vor dem Start. Langsam fassten die Pferde Vertrauen zu mir und lernten, meine Entscheidungen als die richtigen und unerlässlichen zu akzeptieren. Besonders Puschkin entwickelte einen beeindruckenden Mut und folgte mir sogar auf einer schmale Planke, die über ein Blechgitter gelegt, einen kleinen Fluss überquerte.

Unzählige Hindernisse dieser und anderer Art waren es schließlich, die wir innerhalb von viereinhalb Jahren rund um die Erde erlebten. Durch Ballungsräume mit stündlichen Bedrohungen, durch fast unberührte Wildnis und endlose Weiten. Alles zusammen war es eine gewaltige Herausforderung nicht nur für mich, sondern auch für die Pferde und es führte letztendlich zu einer beinah unglaublichen Zuneigung und sicher auch uneingeschränkten Liebe zwischen so unterschiedlichen Lebewesen. Auch wenn ich manchmal wegen durch Menschen gemachter Hindernisse verzweifeln sollte, wurde dieses Abenteuer doch insgesamt zu einem wunderbaren Erlebnis, bei dem meine Pferde in ihrem Selbstbewusstsein gewaltig wuchsen, und das meine Lebensansichten extrem veränderte. Deshalb kann ich dieses 'Wahnsinns-Unternehmen' nicht bereuen und zehre bis an mein Lebensende davon, denn ich hatte die Gesundheit und das Leben meiner Pferde nicht für meinen Traum geopfert - sie kamen genauso gesund wieder am Zielpunkt an: nach viereinhalb Jahren! Dies allein war unterwegs zum wichtigsten Ziel geworden und das es gelang, wurde zur wichtigsten Leistung...

28.11.2021 | 252 Aufrufe