1. Fortsetzung zu: "Schon davon gehört..."

Über die erste Grenze nach Polen

Deutschland hatten wir durchquert und standen vor der polnischen Grenze. Hier war eine schwerwiegende Änderung notwendig: Der Packsattel begann, Spuren auf Pancas Fell zu hinterlassen. Wenn ich also auf diese Weise (mit Pack- und Sattelpferd) weiterziehen würde, bestand die Gefahr des Durchreibens. Also musste ich bereits hier jene Änderung vornehmen, die erst für Sibirien vorgesehen war: Planwagen!

 

Ein Kremserwagen aus dem Spreewald wurde umgebaut und ein Zuggeschirr gekauft. Und weil die Pferde noch nie einen Wagen gezogen hatten, holte ich einen polnischen Reit- und Fahrlehrer, der sie einfahren sollte. Pawel aus Pawlowice nahm die Zügel in die Hand und trat auf die hydraulische Bremse. Er wusste, was geschehen würde. Panca und Puschkin standen ganz ruhig, sie waren längst voller Vertrauen zu mir und ich stand ja neben ihnen.

 

Aber dann trat ich zurück und Pawel sagte "Hüh!". Nach drei Schritten glaubten die Pferde, von einem klappernden und flappenden Ungeheuer verfolgt zu werden und wollten fliehen. Pawel ließ sie laufen und sie jagten mehrere große Runden über ein freies Gelände, und hinterließen zwei tiefe Doppelspuren im märkischen Sand. Dann gaben sie auf, denn ihnen wurde klar, dass dieses Ungetüm kein Raubtier war und kaum noch Geräusche machte, wenn sie im Schritt gingen. Innerhalb einer halben Stunde waren meine Pferde eingefahren! Danke Pawel, für diese so einfache und unkomplizierte Einfahrmethode!

 

Das erste große Hindernis war der Grenzübergang nach Polen: auf der Autobahn in der Nähe von Forst musste es sein! Einen kleinen Grenzübergang durfte ich nicht nehmen, weil es dort keinen Grenzveterinär gab, der die Pferde kontrollieren und das Cogginstest-Papier abstempeln musste. Doch wie bitteschön kann ich mit einem gerade erst eingefahrenen Gespann an den Schlagbaum gelangen? Uns einreihen die die unglaublich lange Schlange des Ausreiseverkehrs? Stundenlanges Anstehen und schrittweises Vorankommen?

 

Die Beamten des deutschen Bundesgrenzschutzes hatten die Lösung: sie stoppten per Sprechfunk den Einreiseverkehr nach Deutschland und beorderten zwei Fahrzeuge mit Blaulicht, uns auf der falschen Seite der Autobahn bis zum Schlagbaum zu begleiten. Besonders stolz trabten Panca und Puschkin an der riesigen Schlange der staunenden Autofahrer vorbei und so überquerten wir diese Grenze so problemlos, wie es bei vielen weiteren nicht mehr sein konnte...

16.12.2021 | 522 Aufrufe