Whiskey wird zum Lebensretter

Es war im Winter 1963/1964 bei minus 45° C in der Labradorsee. 'Schwarzer Nebel' hatte so viel Eis an den Aufbauten der Fischtrawler hinterlassen, dass der Schwerpunkt dieser Schiffe bei fast leeren Ballasttanks weit über der Wasserlinie lag. Unser Schiff konnte in letzter Sekunde nach dem fast vollständigen Kippen vor dem Untergang bewahrt werden. Wie die Verrückten prügelten wir danach auf das Eis ein, um es zu beseitigen und den Schwerpunkt wieder zu senken. Danach steuerten wir schnellstens einen grönländischen Hafen an, um Treibstoff und Trinkwasser nachzubunkern.

Am Pier von Fehringerhavn lag bereits ein anderer deutscher Trawler, und sein Kapitän berichtete, dass einer seiner Männer beim Eisschlagen auf dem Vordeck ausrutschte, mit dem Kopf aufschlug und bewusstlos unter der Reling hindurch im eiskalten Wasser landete. Geistesgegenwärtig warf ein Kamerad das Rettungsfloß ins Wasser und sprang hinein. Er zog den inzwischen Bewegungsunfähigen ins Floß und brachte ihn an Bord zurück.

Ein Auszug aus dem Buch "Eine Landratte will Seemann werden" beschreibt den weiteren Vorgang:

"Natürlich war sein Körper inzwischen weit unterkühlt, das Wasser hatte drei Grad minus, war also direkt am Gefrierpunkt von Salzwasser. Der inzwischen erneut Bewusstlose wurde entkleidet und sein Körper mit dem eingerieben und tüchtig massiert, was in der Nähe war: eine Flasche Whiskey... Sein Retter wurde hoch geehrt und die geopferte Flasche Whiskey durch mehrere neue ersetzt. Und ab sofort wurde dieses Getränk besonders geschätzt - Whiskey war zum Lebensretter geworden..."

Hardcover, DIN A5, 235 Seiten, 29 s-w-Bilder, 21,50 Euro + 2,50 Euro Versand. Bezug: manfred@weltumreiter.de

19.07.2021 | 112 Aufrufe