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Buch- und Filmempfehlung: "Lakota Woman" Die Geschichte einer Sioux-Frau

 

Liebe Indianerfreunde,

 

vor mehr als zwanzig Jahren fiel mir das Buch "Lakota Woman" in der Leipziger Stadtbibliothek in die Hände.

 

Da mich alles über Wounded Knee 73 interessiert, war ich von dem Inhalt des Buches sehr beeindruckt. 1973 hatten Indianer diesen Ort Wounded Knee auf der Pine Ridge Reservation in Süddakota besetzt um auf die äußerst schlechten Lebensbedingungen der nordamerikanischen Indianer aufmerksam zu machen. Das Foto auf dem Russell Means und Dennis Banks abgebildet sind, ging damals (März 1973) um die Welt und war auch in der Leipziger Volkszeitung zu sehen. 

 

Auch war ich erschrocken zu lesen, dass Leonard Peltier (weltbekannter indianischer politischer Gefangener in den USA) immer noch im Gefängnis ist.

 

Deshalb möchte ich euch, liebe Indianerfreunde, das Buch "Lakota Woman" wärmstens empfehlen.

 

Für diejenigen unter euch, welche gut Englisch verstehen, möchte ich raten auch den Film "Lakota Woman" im Internet anzusehen. Dieser Film entstand durch die Unterstützung von Jane Fonda.

 

 

Ich schreibe in der Hoffnung, dass euch das Lesen des Buches und das Ansehen des Filmes dazu anregt, den Lakota besonders auf der Pine Ridge Reservation helfen zu wollen.

 

Der Verein "One Spirit Deutschland e. V." unterstützt die dort lebenden Lakota - Siehe Webseite https://onespiritlakota.info/one-spirit/one-spirit.

 

Zum Inhalt des Buches "Lakota Woman": https://beckassets.blob.core.windows.net/product/readingsample/294234/9783423361040_excerpt_001.pdf

 

Mary Crow Dog

Lakota Woman 

Die Geschichte einer Sioux-Frau 

Aufgezeichnet von Richard Erdoes  

 

Ich bin Mary Brave Bird. Weil ich mein Baby während der Belagerung von Wounded Knee zur Welt gebracht habe, gab man mir den Namen Ohitika Win, Tapfere Frau, steckte mir eine Adlerfeder ins Haar und sang Tapferkeitslieder für mich. Ich bin eine Indianerin, eine Sioux. Das ist nicht leicht. Ich bekam mein erstes Baby mitten in einem Feuergefecht, als die Kugeln durch eine Wand eindrangen und durch die andere wieder hinausgingen. Als mein neugeborener Sohn gerade einen Tag alt war und die Marshals tatsächlich gegen uns vorrückten, wickelte ich ihn in eine Decke und rannte auf und davon. Ein paarmal mußten wir uns auf die Erde werfen, und während ich das Baby mit meinem Körper schützte, betete ich: »Es ist schon recht, wenn ich sterbe, aber laß ihn bitte am Leben.« 

 

Ich war noch geschwächt, als ich aus Wounded Knee kam, aber man steckte mich ins Gefängnis in Pine Ridge und nahm mir das Baby weg. Ich konnte nicht stillen. Meine Brüste schwollen an, wurden hart wie Stein und taten fürchterlich weh. Später, im Jahre 1975, drückten mir die Bundespolizisten die Mündungen ihrer M-16-Gewehre an den Kopf und drohten, mich wegzuputzen. Es ist hart, eine Indianerin zu sein. 

 

Meine beste Freundin war Annie Mae Aquash, eine junge beherzte Frau aus dem Stamm der Micmac, die wunderschöne Kinder hatte. Für eine Indianerin ist es nicht immer von Vorteil, allzu tüchtig zu sein. Annie Mae wurde im Pine-Ridge-Reservat auf dem Grund eines Hohlwegs tot im Schnee aufgefunden. Die Polizei sagte, sie sei erfroren, aber in ihrem Kopf steckte eine Kugel vom Kaliber 0.38. Das FBI schlug ihr die Hände ab und schickte 7 sie zur Identifizierung der Fingerabdrücke nach Washington — die Hände, die meinem Baby auf die Welt geholfen hatten. 

 

Auch meine Schwägerin Delphine, eine gute Frau, die ein schweres Leben gehabt hatte, wurde tot im Schnee gefunden, mit gefrorenen Tränen auf dem Gesicht. Ein Betrunkener hatte sie geschlagen, ihr dabei einen Arm und ein Bein gebrochen und sie hilflos im Schneesturm sterben lassen. 

 

Meine Schwester Barbara ging in das staatliche Krankenhaus in Rosebud zur Entbindung, und als sie aus der Narkose aufwachte, entdeckte sie, daß sie gegen ihren Willen sterilisiert worden war. Das Baby lebte nur etwa zwei Stunden, und sie hatte sich so sehr gewünscht, Kinder zu haben. Nein, es ist nicht leicht. 

 

Als ich als kleines Mädchen in der St.-Francis-Internatsschule war, pflegten uns die katholischen Nonnen für alles, was sie »Ungehorsam« nannten, mit einer Pferdepeitsche zu schlagen. ...

 

Es sind gar nicht so sehr die großen, dramatischen Dinge, die uns zu Boden drücken, es genügt schon die Tatsache, daß man Indianerin ist und versucht, an unserer Lebensart und Sprache, an unseren Werten festzuhalten, während man von einer fremden, stärkeren Kultur umgeben ist. Es genügt, daß man eine Iyeska ist, ein Halbblut, auf das die Weißen ebenso herabsehen wie die reinblütigen Indianer. ...

 

Bei den Stämmen der Prärieindianer glauben gewisse Männer, daß eine Frau nur dazu gut ist, mit ihnen ins Bett zu kriechen und sich um die Kinder zu kümmern. Das entschädigt sie für alles, was ihnen die weiße Gesellschaft angetan hat. Einst waren sie berühmte Krieger und Jäger, aber der Büffel ist verschwunden, und man erntet nicht gerade viel Ruhm, wenn man eine Büchse Fleisch oder ab und zu ein Kaninchen auf den Tisch bringt.  ...

 

In alten Zeiten machte sich ein Mann dadurch einen Namen, daß er großzügig und klug war, heute aber hat er nichts, womit er großzügig umgehen könnte — keine Arbeit, kein Geld; und was unsere überlieferten Kenntnisse und Erfahrungen betrifft, wird unseren Männern von den weißen Missionaren, Lehrern und Arbeitgebern gesagt, das sei barbarischer Aberglaube, von dem sie sich trennen müßten, wenn sie in dieser Welt weiterkommen wollten. Die Männer sind gezwungen, getrennt von ihren Kindern zu leben, damit die Familie Kinderbeihilfe beziehen kann.  ...

 

Aber fangen wir von vorn an: Ich bin eine Sioux aus dem Rosebud-Reservat in South Dakota. Ich gehöre zu den »Verbrannten Lenden«, dem Stamm der Brule oder Sicangu, wie wir sagen. Vor langer Zeit, so erzählt die Legende, wurde ein kleiner Trupp Sioux von Feinden umzingelt, die die Tipis und das Gras ringsum in Brand setzten. Die Sioux kämpften sich aus der Falle, verbrannten sich aber die Beine, und deshalb erhielten sie diesen Namen. Die Brule gehören zu den Sieben Heiligen Lagerfeuern, den sieben Stämmen der westlichen Sioux, die zusammengefaßt als Lakota bekannt sind. Die östlichen Sioux werden Dakota genannt. Sie unterscheiden sich durch ihre Sprache. Es ist die gleiche, nur daß da, wo wir Lakota ein L sagen, die Dakota ein D sprechen. ...

 

Ich bin eine kleine Frau, nicht viel größer als einen Meter fünfzig, aber in einem Kampf kann ich mich behaupten, und bei einer Massenschlägerei mit Weißen kann ich ziemlich gemein werden und richtigen Schaden anrichten. Ich habe weißes Blut in mir. Wie oft wünschte ich mir, ich könnte mich davon reinigen. Als junges Mädchen habe ich mich oft im Spiegel betrachtet, um herauszufinden, wer und was ich bin. Mein Gesicht ist sehr indianisch, auch meine Augen und mein Haar, meine Haut aber ist sehr hell. Immer habe ich den Sommer herbeigesehnt, die Präriesonne, die Sonne der Badlands, daß sie mich bräunt und zu einer richtigen Rothaut macht. 

 

Die Crow Dogs, die Angehörigen meines Mannes, haben solche Identitätsprobleme nicht. Sie brauchen keine Sonne, die sie dunkel brennt, sie sind reinblütig — die Sioux der Sioux. Ein paar Crow Dog-Männer haben Gesichter, die das Indianerporträt auf dem Fünf-Cent-Stück wie einen ausgeblichenen weißen Mann erscheinen lassen. Bei ihnen gibt es auch keinen Mangel an Legenden. Jeder Crow Dog, die Frauen eingeschlossen, scheint selbst eine Legende zu sein. An ihrem Stammsitz in Grass Mountain wurden sie lieber zu Ausgestoßenen, als daß sie sich dem weißen Mann angepaßt hätten. Sie konnten nicht gezähmt, nicht dazu gebracht werden, eine Krawatte zu tragen oder in eine christliche Kirche zu gehen. In all den langen Jahren, als indianische Kulthandlungen verboten waren und mit Gefängnis bestraft wurden, hielten sie unbeirrt an ihren Zeremonien fest, an ihren Dampfbädern und ihren heiligen Tänzen. 

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Bücher von Richard Erdoes (D)

  • Tahca Ushte - Medizinmann der Sioux
    John Fire Lame Deer - Richard Erdoes
  • Medizinmann der Sioux
    Archie Fire Lame Deer - Richard Erdoes
  • Der Tanz der Büffel
    Richard Erdoes
  • Lakota woman
    Mary Crow Dog - Richard Erdoes
  • Ohitika woman
    Mary Crow Dog - Richard Erdoes
  • Der Donnerträumer
    Richard Erdoes
  • Der wilde Ruf des Herzens
    Richard Erdoes
  • Büffeljagd und Sonnentanz
    Richard Erdoes

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Wer mehr über Wounded Knee 73 lesen will, dem empfehle ich folgendes Buch in englischer Sprache.

 

Lakota Oyate Information
c/o Evelin Červenková