1. Anekdote vom Ritt um die Welt

Ulaanbataar war also erreicht. Ich hatte einen zweimonatigen Ritt durch das Land der Nomaden hinter mir. Ein Traumritt! Nirgends sonst spürte ich so viel Freiheit. Keine von Menschen gemachten Hindernisse - keine Verbote. Und dann diese Menschen, die nichts als ihre Tiere, ihre Filzzelte und kaum technische Ausrüstungen haben - dabei aber zufriedener als alle Millionäre sind - die gern mit Dir teilen, ohne irgendeine Gegenleistung zu erwarten...

 In der Stadt war es anders. Hier lebten Menschen, die teilweise die Reichtümer des Westens erlebt hatten und also mit verdorbenen Charakteren gesegnet waren. Binderja, der in Deutschland studiert hatte und das Geld unterschlug, das für die von ihm vermittelten Helfer vorgesehen war. Und der zusammen mit dem Zirkusdirektor in krimineller Weise zusätzliches Geld von mir erpresste. Natürlich wollte ich so schnell wie möglich diese Stadt hinter uns bringen, wieder hinaus in die Freiheit gelangen.

Aber das nächste Land war China, durch das wir mussten. Es nördlich über Ostsibirien zu umgehen, wäre wegen riesiger Sumpfgebiete nur im Winter möglich, wenn alles hartgefroren ist. Also mit Pferden unmöglich. Und die chinesischen Behörden sträubten sich. In Deutschland gelang es nicht, eine Durchreisegenehmigung zu bekommen. Also folgte der Versuch, sie in Ulaanbataar zu erringen. Die deutsche Botschaft unterstützte mich hilfreich. Sogar mit einer offiziellen Verbalnote. Trotzdem vergingen weitere Monate, bis ich endlich ein chinesisches Visum für mich in der Hand hatte. Und ein mongolisches Gesundheitspapier für die Pferde zur Überschreitung der Grenze.

 

Als ich aber an der chinesisch-mongolischen Grenze vor dem Schlagbaum stand, wurde ich zurückgewiesen. Das Gesundheitspapier war abgelaufen und für das Begleitfahrzeug war auch eine Genehmigung nötig. Das gelang erst nach weiteren drei Wochen mit Hilfe der deutschen Botschaft in Peking. Und es kostete viel Geld: möglichst viele Dollar zu verdienen, war also auch in China eine große Leidenschaft. Hier allerdings nicht durch Raub, Erpressung oder Korruption, sondern ganz legal durch die Administrationen. Außerdem wollten sie über jeden meiner Schritte informiert sein - ein Guide musste also mitreisen: ein sehr selbstbewusster Mann mit tadellosen Kenntnissen der deutschen Sprache. Luo Junping hieß er und sagte bei unserer Ersten Begegnung: "nenne mich Paul, das ist dasselbe". Seine Behauptung - im Brustton vollster Überzeugung vorgetragen - werde ich nie vergessen: "China ist die wirkliche Führungsnation auf der Erde, und eines Tages wird China die Welt allein beherrschen!"

 

Vergiss nicht: Diese Anekdoten sind nur Stichpunkte meines großen Abenteuers. Alle Erlebnisse erfährst Du aus dem umfangreichen Buch: "Mit zwei Pferden um die Welt", denn es entstand nach fleißig geführtem Tagebuch.

Wie Du es erwerben kannst, findest Du unter "Bücher - DVD" auf www.weltumreiter.de.

 

10.05.2019 | 325 Aufrufe