"Zweieinhalb Huzulen und ein Abenteurer"

ISBN 978-3-00-031871-9
150x210x20mm, hardcover, 274 Seiten, davon 70 Farbbildseiten, Gewicht: 555 Gramm
Preis: 21,50 Euro
Was verbirgt sich hinter dem Wort "Huzul"?
Wo kommen Huzulen her und wer sind ihre Ahnen?
Wie wurden sie zu den so wichtigen Kameraden des Mannes, der es wagte
mit ihnen innerhalb von viereinhalb Jahren den Erdball zu umrunden?
Wie kam es dazu, dass unterwegs aus zwei Kameraden drei wurden?
Wie veränderten sie sein Leben und sein Verständnis für die Natur?
Wie lehrten sie ihn Respekt vor aller Kreatur und Demut vor dem Leben?
Wie groß kann eine Liebe werden, die sich zwischen Mensch und Tier entwickelt
und wie groß der Schmerz beim Verlust?

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Lesen Sie in diesem Buch die Antworten auf all diese Fragen und noch Vieles mehr.
Lassen Sie sich beeindrucken von 70 farbigen Bildern und fühlen Sie mit dem Mann,
der sein Leben für ein großes Abenteuer einsetzte.



Diese Ausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-14-4 im Epub-Format bei Libreka und angeschlossene Portale

 

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Leseprobe: 

"Zweieinhalb Huzulen und ein Abenteurer"


"AUF DER SUCHE NACH GEEIGNETEN KAMERADEN

Puschkin prüft alle Futterplätze, während die anderen rechtzeitig weichen. Tut es einer nicht schnell genug, werden Puschkins Signale deutlicher. Kurzes Anheben seines markanten Kopfes, angelegte Ohren, deutliches Nicken in die Richtung dessen, der nicht rechtzeitig reagierte und jetzt einen scharfen Blick erntet. Das genügt. Ein ernsthafter Angriff kann ausbleiben. Erst, wenn Puschkin den Futterplatz gefunden hat, der ihm wegen des frischesten Heus am besten gefällt und zu fressen anfängt, beginnen die anderen rundum, sich an die anderen Heuhaufen zu wagen.
Am Abend lese ich in der Kopie eines Buches über die Huzulen die Beurteilung eines österreichischen Pferdexperten und Kenners dieser Pferderasse. Oberstleutnant a.D. Ernst Hackl schrieb um 1900 in seinem Buch „Bergtarpan der Waldkarpaten“ unter anderem etwas, das natürlich besonders mich mit meinem Vorhaben beeindrucken musste:

„Wenn du versucht bist, ihn nicht ernst zu nehmen und gute Nerven hast, dann lasse dich einige Tage – und Nächte werden daraus von selbst - durchs Gebirge von ihm tragen: den schwarzen Czeremosz aufwärts zum Baltagul, auf den Ladescul, den Pop Iwan, über Hänge, Wildbäche, Urwald und Sumpf, bis der Steig am Bergrutsch abreißt und dich das Grausen angeht.
Wenn du´s nicht verträgst, da hinunter zu schauen über das rieselnde Geröll, und nicht nachten willst im Urwald, mit ein paar rotglühenden Lichtern, mache die Augen zu und lasse es seine Sache sein, wie er das macht, da tastend hinüber zu kommen. Nur störe ihn nicht. Sobald er drüben gelandet ist mit dir und deinem Angstschweiß, mit einem Ruck am Rande in dem Augenblick, wo unter seinem 4. Huf das Geröll hinunter donnert und er befriedigt prustend stehen bleibt - nimmst du ihn ernst, sehr ernst, und gibst ihm, wenn er´s mag, dein letztes Stück Brot. Du wirst ihn nicht mehr dressieren nach den Regeln der Reitkunst und, wie sie glaubt, dass er den Kopf zu stellen hat, wie sie ihn lehren will, dass er sein Gleichgewicht zu finden hat. Brückenlos im Finstern durch 19 brausende Furten, bis Baltagul läßt du ihm seinen Willen, auch wenn er mitten im reißenden Fluß stehen bleibt, umdreht und wendet und wieder wendet, sodass du nicht mehr weißt, wo die Ufer, wo rechts, wo links, ob´s vorwärts oder rückwärts geht...er bringt dich verlässlich zur Unterkunft. Trotz Nacht. Aber zwinge ihn nicht gegen sein besseres Wissen, er kennt seine Heimat und ihre Tücken. Du nicht. Und wenn du es anders machst, brichst du ihm das Bein und Dir das Genick.“

Diese Sätze und alles, was noch ungesagt zwischen ihnen steht, beeindrucken mich gewaltig. Jener verallgemeinerte Huzul, den der Oberstleutnant hier mit „ihn“ und „er“ bezeichnet, beginnt hinter meinem geistigen Auge die Persönlichkeit vor allem Puschkins anzunehmen. Und ab jetzt beginne ich auch, ihn nicht mehr „erziehen“ zu wollen oder zu „dressieren nach den Regeln der Reitkunst“, sondern nur noch an mich zu gewöhnen, ihm geduldig zu erklären, was ich von ihm erwarte, ihn aber nicht dazu zu zwingen.
Und bald erkenne ich, dass er sehr schnell versteht, was ich will und immer öfter versucht, es mir recht zu machen.
Der Februar beginnt, als wir gemeinsam in den Rheingau „heimkehren“. Eine große Weide und ein Offenstall warten bereits. Und meine Tochter, die in meiner Begleitung jetzt den jungen Polen ersetzt. In den Wäldern des Taunus wird lückenlos weiter trainiert, die Tagesstrecken immer größer. Auch eine gute Kondition wird wichtig sein, wenn ich nach zwei Monaten starten will.
Puschkins herausragende Pferdepersönlichkeit wird mir immer deutlicher. Beim Training mit Handpferd, das ich ja nicht vernachlässigen darf, ganz besonders. Unter mir und Panca am Handseil gibt es keinerlei Probleme. Puschkin als besonders dominantes Pferd will immer voraus gehen und Panca gefällt es, neben- oder hinterher zu gehen und zu traben. Doch auf der Erdumrundung wird es ja auch umgekehrt gehen müssen, den Packsattel soll nicht immer nur dasselbe Pferd tragen. Deshalb versuche ich, Panca den Reitsattel aufzulegen und nehme Puschkin an das Handseil. Sofort merke ich, dass ihm das gar nicht gefällt. Es stört ihn nicht nur, dass er nebenher oder bei entsprechenden Wegen hinterher gehen muss, er fühlt sich zurück gesetzt. Immer wieder schnaubt er unwillig, deutlich verärgert ist sein Gesichtsausdruck. Er versucht, wenigstens seinen Kopf vor den Pancas zu bekommen, doch das muss ich verhindern, damit er beherrschbar bleibt. Mit aller Kraft versuche ich, ihn zurück zu halten und schimpfe mit ihm. Unwillig schüttelt er seinen Kopf und zeigt mir deutlich, dass er dafür gar kein Verständnis hat.
Endlich wird es ihm zu viel, verärgert geht er vorn hoch, entreißt mir mit einem Ruck das Handseil und stürmt in gestrecktem Galopp zurück. Ich wende Panca und nehme die Verfolgung auf. Dabei wird mir himmelangst. Wann und wo wird Puschkin einzuholen sein, wenn überhaupt? Da gibt es ja auch Autostraßen – wenn er die überquert!
Angstschweiß bricht mir aus allen Poren. Er kann sich doch allein noch gar nicht so gut auskennen in diesem Gelände, ist doch erst wenige Tage hier und alle Wege sind wir längst noch nicht geritten. Aber wie unterschätze ich ihn da! Er benutzt nicht die Wege, die wir gingen, doch die Richtung, sogar querfeldein mit Abkürzungen, nimmt er ganz genau und stoppt seinen Galopp erst am großen Tor vor seiner Weide. Als ich mit Panca endlich bei ihm bin, steht er davor und blickt mich mit seinen klugen Augen an als wollte er mir sagen: „Verstehst du nicht, dass ich der Herdenführer bin?...“

 

26.06.2018 | 4536 Aufrufe