13. Anekdote vom Ritt um die Welt

Der Winter kommt früh in der Mongolei

und er ist lang und hart. Ich wusste, dass die Durchschnittstemperatur in den Monaten Januar und Februar -42,5° Celsius betragen soll. Die Tiere der Nomaden vertragen es, wenn sie genug Futter finden. Heu oder Kraftfutter als Zugabe haben die Nomaden nicht. Deshalb überleben in manchen Wintern nicht alle ihrer Tiere. Meine Pferde sind zwar Huzulen, die auch mehr ertragen als unsere europäischen Züchtungen, doch wohl kaum solche Extreme. Irgendein Risiko wollte und durfte ich nicht eingehen. Deshalb musste ich ein sicheres Winterquartier für Panca und Puschkin finden. Das war sicherlich nur in oder um die Hauptstadt Ulan Bator möglich. Doch von der russischen Grenze im Altai bis nach Ulan Bator hatten wir noch fast 2.000 km vor uns. Dafür standen uns gerade mal 2 Monate zur Verfügung, und mit Unterbrechungen ist immer zu rechnen. Bereits mit Beginn des September soll der Winter beginnen.

Zur Eile treiben wollte ich nur, wenn es brenzlig werden sollte. Schließlich konnte es unterwegs keine großen Erholungspausen geben und täglich 50 Kilometer vertrugen die Pferde allemal. Die Mongolen wunderten sich zwar, warum ich die Pferde nicht vorantrieb. Sie tun es schließlich unentwegt. Im Schritt sah ich selten einen Mongolen reiten. Meistens Galopp, manchmal Trab und diese Gangarten immer im Sattel stehend. Ich probierte das einmal in einem Mongolensattel und schwor mir hinterher, es niemals mehr zu versuchen. Für mich war dieser harte, enge Sattel ein Folterinstrument. Na ja, Mongolen haben ihre Extremitäten seit ihrer Kindheit an ihn gewöhnt. Ich dagegen war mit einem bequemen Westernsattel unterwegs. Als den ein Mongole ausprobierte, sagte er mit verächtlichem Lächeln: "Man sitzt wie auf einem Motorrad!"

Zunächst wollte ich also den Ritt durch diese offensichtliche Freiheit genießen. Wo kann man schließlich ohne irgendwelche von Menschen gemachten Hindernisse durch die Landschaft reiten? Ohne wirkliche Straßen - nur Pisten in Steppenland - und meist nur mit zwei oder drei Fahrzeugen pro Tag darauf. Viel öfter dafür Kamelherden ohne Bewachung. Die wandern oft sehr weit weg von den Jurten ihrer Besitzer. Aber noch immer fürchteten sich meine Pferde vor diesen Tieren, obwohl sie sich friedlich und völlig entspannt und harmlos verhielten.

16.02.2019 | 796 Aufrufe