Die Botschaft des alten Schamanen

 

Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn konnte ich die Arbeit beenden:

 

Das Buch "Die Botschaft des alten Schamanen" ist fertig.

Diese Mitteilung erfolgt, weil viele meiner Leser darauf gewartet haben:

Als hardcover-Ausgabe im gewohnten A5-Format mit 399 Seiten = 180.838 Wörter -

also kein Lesestoff für wenige Stunden.

Bestellung unter manfred@weltumreiter.de, Preis = 24,00 €.

 

Ein Buch voller Mystik und Spannung - und der Offenbarung vieler Geheimnisse aus dem Leben der mongolischen Nomaden.

 

Als ebook steht es ebenfalls bei Amazon-Kindle bereit:

Bestell-Code ASIN B07B 9MQ N65, Preis = 6,48 €.:

 

 

Und als Taschenbuch, ISBN: 978 1980 505 952, Preis = 17,41 €.

 

Leseprobe

              In der Mitte seiner Jurte ist eine Feuerstelle. Schwere Steine bilden einen Kreis um die Aschereste. Der Greis legt trockenes Gras auf die Asche und ein Bündel dürrer Zweige darauf. Getrocknete Kuhfladen werden wie eine Pyramide rundherum angelehnt und dann entzündet er das Feuer mit einem Streichholz. Seine Bewegungen sind andächtig und langsam, er konzentriert sich. Seine Augen bekommen einen sonderbaren Glanz.

              Aus der Altartruhe, die dem Eingang gegenüber am Scherengitter der Jurtenwand steht, nimmt er langsam einige Fetische und beginnt mit ihnen zu sprechen. Seltsam geformte Steine, die verschiedenen Tierkörpern gleichen, legt er um die Feuerstelle herum. Dann ein Bündel aus Adlerfedern, die mit Pferdehaar zusammengebunden sind - zwei getrocknete Ohren eines Wolfes, die auf einen ledernen Ring aus der Haut eines Schafes gezogen sind - zwei Pfoten eines Murmeltiers, ebenfalls mit dünnen Lederriemen zusammengebunden - und noch den blitzblanken Schädel seines Lieblingspferdes aus längst vergangenen Zeiten.

              Er setzt sich vor dem Feuer auf den Boden, verschränkt seine dürren Unterschenkel und nimmt ein Bündel Kräuter. Mit beiden Händen streckt er es der Öffnung im Jurtendach entgegen und beginnt einen monotonen Singsang. In wippender Bewegung neigt er sich immer wieder vor und zurück, hebt dabei das Kräuterbündel und senkt es wieder ab. Immer wieder und wieder, und sein Blick weicht dabei nicht von der runden Öffnung in der Mitte des Jurtendaches, wo der inzwischen wieder klare, blaue Himmel zu sehen ist.

              Plötzlich wirft er mit einem lauten Aufschrei die Kräuter in die Flammen. Augenblicklich lodern sie auf, eine graue Rauchwolke breitet sich im Raum aus, und entflieht langsam durch die Dachöffnung. Ein seltsam süßlicher Geruch breitet sich in der Jurte aus. Mit tiefen, geräuschvollen Atemzügen saugt er die duftenden Dämpfe ein. Dann greift er an seine linke Seite und nimmt einen breiten, hölzernen Ring vom Boden, der mit der Haut eines Pferdes straff bespannt ist. Von den Rändern dieser flachen Trommel hängen kurze Haarbündel von der Mähne seines Pferdes, und lange von dessen Schweif - in gleichen Abständen voneinander.

              Seine Rechte greift einen blanken Knochen. Es ist der Oberarmknochen seines verstorbenen Großvaters, der zu Lebzeiten ebenfalls Schamane war. Mit ihm beginnt er auf die Lederbespannung der Trommel zu schlagen. Es ist ein dumpfer Klang, der mit gleichmäßigen Schlägen zu einer endlosen Reihe anwächst. Die Luft innerhalb der Jurte beginnt zu vibrieren. Wieder setzt sein Singsang ein, monoton und ohne Unterbrechung. Auch die schwingenden Bewegungen seines Körpers und endlich wird seine Stimme lauter, seine Augen beginnen zu rollen, ihr Blick trennt sich voneinander und weist in verschiedene Richtungen. Die Pupillen werden ganz klein - das Weiß der Augäpfel immer größer. Dann beginnt er zu schreien und zu kreischen und plötzlich sind es zwei völlig unterschiedliche Stimmen, die zu hören sind. Zwei Männer sprechen laut miteinander, obwohl in der Jurte nur ein einziger ist und das ist der Großvater, der in Trance mit den Ahnen spricht. Mehrere müssen es sein, und bald ist sogar die Stimme einer Frau zu hören. Dann wieder ein Mann und zwischendrin die Stimme des Großvaters. Lange dauert dieses Gespräch und als die Ahnen sich in unsichtbare Sphären zurückziehen, sinkt der Großvater entkräftet, rücklings zu Boden.

              Draußen, in respektvollem Abstand zur Jurte des Großvaters, hat die ganze Familie geduldig gewartet. Auch die Kleinsten waren absolut still. Alle wissen, dass der Großvater nicht gestört werden darf, wenn er mit den Ahnen spricht. Und jeder weiß auch, dass es ihn jedes Mal viel Kraft kostet, und je älter er wird, umso schwerer fällt ihm diese Prozedur.

              Nachdem es in Großvaters Jurte still geworden ist, verharren immer noch alle in Ehrfurcht. Sie müssen warten, bis sie der Großvater ruft. Das dauert lange. Als sie ihn endlich hören, tritt das Familienoberhaupt besorgt in die kleine Jurte und schließt sofort die Tür hinter sich. Drinnen hilft er dem Großvater, sich wieder aufzurichten. Dann sammelt er die Fetische ein und legt sie behutsam an ihren Platz zurück. Erst jetzt öffnet er die Jurtentür wieder, und hilft dem alten Mann nach draußen. Dem Großvater ist deutlich anzusehen, dass er sehr erschöpft ist, und auf seiner Bank lehnt er sich müde gegen die Filzwand seiner Jurte.

              Alle kommen näher heran, auch die Frauen und Mädchen, und setzen sich im Halbkreis zu Füßen des Großvaters auf den Erdboden. Noch tiefer als sonst erscheinen die Falten seines Gesichts und sein dünnes, weißes Haar hängt zerzaust in alle Richtungen herab. Langsam und leise beginnt er zu sprechen:

21.06.2018 | 7210 Aufrufe