1. Anekdote vom Ritt um die Welt

"Quickly - quickly!" hatte der koreanische Seeoffizier erregt gerufen, als er per Handy die Nachricht aus Südkorea bekam, dass ich endlich an Bord dürfe. Es war fünf Minuten vor dem Ablegetermin. Hastig bezahlte ich die Passage, rannte zum Versorger, sprang hinter das Steuer und fuhr das Gespann über die stählerne Rampe in den Bauch des Schiffes. Direkt hinter uns hob sich die Rampe und schloss den Laderaum des großen Schiffes. Zwei Männer sicherten das Gespann mit den Pferden darin mithilfe starker Spanngurte. Dann führten sie mich eine riesige Treppe hinauf zum Passagierdeck. Die Koreaner bis hinauf zum Kapitän, hatten meinen verzweifelten, dreiwöchigen Kampf zur Genehmigung der Überfahrt miterlebt. Nun wurde ich zum Essen eingeladen: gebratene Hühnchenschenkel mit Kimtschi. Dann bekam ich eine komfortable Kabine mit Dusche. Die koreanischen Passagiere wohnten während der 24-stündigen Überfahrt gemeinsam in zwei riesengroßen Räumen, in denen wohl hunderte Matratzen auf dem Boden lagen.

Mein Schicksal hatte sich herumgesprochen, denn wer an Bord meinen Weg kreuzte, lächelte mich mitleidig an und nicht wenige verneigten sich sogar vor mir. Ich ging zur Brücke hinauf und wurde eingeladen, den Steuerstand zu betreten. Sogar das Ruderrad durfte ich bedienen. Die See war spiegelglatt - das Schiff machte kaum Bewegungen. Dann waren die ersten vier Stunden vergangen und ein Offizier begleitete mich hinab zu meinen Pferden. Ich hatte darum gebeten, sie alle vier Stunden besuchen, füttern und tränken zu dürfen. Sie standen völlig ruhig und entspannt. Das Gewummer der schweren Maschine störte sie nicht und die Finsternis hier unten nutzten sie wohl für ausgiebige Schläfchen.

Nach 24 Stunden legte das Schiff in Inchon an. Ich fuhr das Gespann aus dem Bauch des Schiffes heraus. Dann kamen Zöllner, alles zu untersuchen. Beanstandungen hatten sie nicht. Auf uns wartete nun die Quarantänestation. Aber dieses Fahrzeug mit deutschem Nummernschild durfte nicht auf koreanischen Straßen gefahren werden. Also wurde es von zwei Polizeifahrzeugen eskortiert. Dann rollten wir auf ein großes, ummauertes Gelände mit vielen Stallgebäuden. Gleich hinter dem Eingang mussten wir durch ein Desinfektionsbad rollen und das gesamte Gespann wurde von allen Seiten besprüht. "Na also!", dachte ich. "Warum dann dieses Theater mit der Einreiseverweigerung?" Ganz hinten in diesem Gelände mit Rinder- und Schweineställen befinden sich die Pferdeställe. Das sind bestimmt fast hundert Boxen, doch alle leer. Man hatte sie für die längst zurückliegenden Olympischen Spiele gebaut und seither vielleicht nicht mehr genutzt.

Nach 30 Stunden darf ich endlich meine Pferde entladen. Die sind inzwischen sehr genervt. Als ich die Heckklappe öffne, geht Puschkin hinten ein wenig in die Knie und hebt mit seinem Hintern das Gestänge aus. Er will jetzt endlich raus! Panca schnell noch zu befreien, ist nun leicht. Neugierig schauen sie sich um und lassen sich widerstandslos in das Stallgebäude führen. Getrennt müssen sie zwar stehen, können sich aber über den Stallgang hinweg sehen. Das akzeptieren beide. Ich bin sehr erleichtert, denn jetzt sind wir endlich wieder auf demokratischem Boden und vor uns liegen nur noch demokratische Staaten ...

Vergiss nicht: Diese Anekdoten sind nur Stichpunkte meines großen Abenteuers. Alle Erlebnisse erfährst Du aus dem umfangreichen Buch: "Mit zwei Pferden um die Welt", denn es entstand nach fleißig geführtem Tagebuch.

Wie Du es erwerben kannst, findest Du unter "Bücher - DVD" auf www.weltumreiter.de.

 

26.05.2019 | 225 Aufrufe