18. Anekdote vom Ritt um die Welt

Grenzüberschreitungen waren fast immer erschreckende Kämpfe gegen von Menschen gemachten Hindernissen. Schlimmer als an der russisch-mongolischen Grenze könne es nicht werden, dachte ich. Aber dann kam die Einreise nach China, und wieder gab es eine Steigerung. Und nun stand ich am Fährhafen von Tanggu, des Hafenviertels von Tianjin. Hier erwartete mich ein zermürbender Kampf. Die Zollbehörde im Hafen verlangte gegen den Willen der oberen Zollbehörde in Peking 'Vollverzollung' für alle mitgeführte Ausrüstung. Und das chinesische Fährbüro für die koreanische Fähre forderte eine viel zu hohe Summe für die Passage. Bald erkannte ich, dass hierbei 'Paul' seine Finger im Spiel hatte. Er wollte mitverdienen.

Als die Zollbehörde endlich ein Einsehen hatte, wollte die südkoreanische Quarantänebehörde unsere Einreise verhindern. Sie fürchtete das Einschleppen von Pferdekrankheiten, obwohl es in Südkorea so gut wie keine Pferde gab. War ich schon von den vielfältigen Hilfen der deutschen Botschaften in Ulaanbataar und Peking angenehm überrascht, so steigerte sich diese Erkenntnis von jener in Seoul. Mit ihrer Hilfe gelang es schließlich, nach drei Wochen voller Kampf und Ängsten, das Gelbe Meer zu überqueren.

 

Innerhalb dieser drei Wochen gab es aber noch Begebenheiten, über die ich heute schmunzeln kann. Damals aber nicht: Ganz nah am Hafen von Tanggu gab es einen cá 4 m breiten Grünstreifen Zwischen einer Mauer und einer Autostraße. Außer zwischen den Schienen des dahinterliegenden Rangiergeländes gab es nirgendwo Gras. Ich koppelte den Streifen ein und stellte den Versorger dazu. Die Pferde waren zufrieden, ich auch. Aber dann kam die 'Immigration-Police'. Um Mitternacht zwangen sie mich, in ein Hotel umzuziehen. Mehrere Gebäude innerhalb eines umfangreichen, ummauerten Geländes. Vor der großen Freitreppe des Hauptgebäudes entließ ich die Pferde nach kurzer Fahrt mit Polizeieskorte. Sie freuten sich über den gepflegten Rasen und die saftigen Büsche ringsum. Dann kam der Hoteldirektor und fiel fast in Ohnmacht. Die Pferde mussten in einen hinteren Winkel des Geländes, wo hohes Schilf stand. Das schmeckte ihnen auch. Mir war klar, dass die Pferde nachts wandern würden und verließ deshalb sehr früh das Hotel wieder. Da sah ich, was zu befürchten war: die gepflegte Rasenfläche war verwüstet, die Sträucher zerrupft - und auf der großen Freitreppe lag ein dicker Äpfelhaufen, wie auch an vielen anderen Stellen des Hotelgeländes. Deshalb flüchtete ich schnell mit aller Ausrüstung in den Hafen und hoffte, endlich auf die Fähre zu dürfen - leider schon wieder vergeblich...

 

Vergiss nicht: Diese Anekdoten sind nur Stichpunkte meines großen Abenteuers. Alle Erlebnisse erfährst Du aus dem umfangreichen Buch: "Mit zwei Pferden um die Welt", denn es entstand nach fleißig geführtem Tagebuch.

Wie Du es erwerben kannst, findest Du unter "Bücher - DVD" auf www.weltumreiter.de.

 

18.05.2019 | 93 Aufrufe