ERDUMRUNDUNGEN...

...gab es schon in allen möglichen Varianten.

Mit Fahrzeugen mit und ohne Motorisierung, mit Schiffen und Booten, und sogar mit Luftfahrzeugen,

und natürlich auch auf "Schuster's Rappen" wie man jene "zu Fuß" nennt.

 Weil ich schon immer vom Fernweh getrieben war, verfolgte ich sie alle mit großem Interesse. Wie gern würde ich selbst irgendwann einmal zu einem solchen Abenteuer aufbrechen. Allerdings reizte es mich nicht, es auf Arten durchzuführen, die schon erfolgt waren. Doch was blieb da noch?

 Warum nicht mit Pferden die Erde umrunden? Seit meiner Kindheit fühlte ich mich mit diesen liebenswerten und hochsensiblen Tieren eng verbunden. Aber warum hatte noch niemand versucht, es auf diese Weise zu wagen? Gab es Hindernisse, die mir unbekannt waren?

 

Ja, es gab sie. Und es wurde ein stetiger Kampf gegen von Menschen erschaffener Hindernisse:

riesige Städte und Ballungsräume, die sich nicht immer umgehen ließen, Grenzbestimmungen völlig unterschiedlicher Arten, korrupte Beamte und uniformierte Willkür.

 Als ich in meiner verbohrten Sturheit endlich auch China hinter mir hatte, glaubte ich, alle wesentlichen Gefahren überwunden zu haben, denn schließlich lagen nun ja nur noch "demokratische" Staaten vor uns.

 Und wir landeten in der Südkoreanischen Quarantänestation. Panca und Puschkin waren kerngesund, man konnte es ihnen regelrecht ansehen und sie waren ja unter meiner täglichen Beobachtung. Die international notwendigen Impfungen hatten sie regelmäßig erhalten.

 

Aber dann ereilte mich ein Schock, an den ich noch heute mit Grauen zurückdenke:

Der koreanische Veterinär hielt mir ein Papier unter die Nase mit einem angeblichen Testergebnis: Puschkin habe den "Arteriitis-Virus" und müsse getötet und verbrannt werden!

 Ich bin noch heute sicher, dass dieses Urteil vorgeschoben war. Vielleicht, weil es mir mit Hilfe der Deutschen Botschaft in Seoul gelungen war, gegen den sturen Willen der koreanischen Quarantänebehörde nach langem Kampf die Pferde doch in ihr Land zu bringen? Oder weil ein Pferd besonders geeignet schien, ihren nagelneuen Verbrennungsofen zu testen? Würden sie dazu ein Schwein oder ein Rind aus ihren Beobachtungsställen verwenden, bedeutete es ja einen Verlust für sie selbst. Ein Pferd dieses verrückten Deutschen kostete sie ja nicht selbst etwas...

 

Ein sechswöchiger Kampf um Puschkins Leben endete schließlich im Frachtflugzeug auf dem Weg nach Los Angeles...

25.08.2021 | 497 Aufrufe