12. Anekdote vom Ritt um die Welt.

 

Durch die Mongolei zu reiten, ist wie ein schöner Traum. Weil dieser Teil Asiens sehr hoch liegt, darf man fast in jeder Nacht einen unglaublichen Sternenhimmel bewundern. Keine Industrie verschmutzt mit Staub, Abgasen oder künstlichem Licht die Atmosphäre. Die Luft ist so sauber, wie sicherlich nur noch in wenigen Gebieten auf unserer Erde. Auch die Vogel- und Insektenwelt ist noch in Ordnung, denn es gibt zumindest in der südlichen Hälfte des riesigen Landes keine Landwirtschaft mit dem Einsatz von Giften zur Wachstumsförderung oder Unkrautbekämpfung. Und in der nördlichen Hälfte sind es nur wenige kleine Flächen, die bewirtschaftet werden können.

 

Also sind es lediglich Nutztierherden, die freilaufend durch das Land ziehen, begleitet von ihren meist nomadisierenden Besitzern mit ihren Filzzelten. Ein Land, das etwa viermal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland, bevölkert von lediglich 2,5 Millionen Menschen, von denen mehr als die Hälfte in den wenigen Städten und Siedlungen leben. So begegnen dem Wanderer auf seinem Weg durch das Land selten Menschen und wenn, dann sind es fast nur Viehzüchter, die mit einem einäugigen Fernglas auf einem Hügel sitzen, um ihre Herden zu bewachen. Ihre geschickten, kleinen Pferde grasen gesattelt in der Nähe und warten darauf, dass ihr Besitzer einen Wolf bemerkt, der Ziegen oder Schafe bedroht. Dann springt er in den Sattel und rast in fliegendem Galopp zum Ort der Bedrohung.

 

Bemerkt dieser Hirte aber einen einsamen Reiter mit Sattel- und Handpferd, noch dazu völlig fremdartig gekleidet und ausgerüstet, dann ist seine Neugier geweckt. Auch dann kommt er angaloppiert, fragt nach dem Woher und Wohin. Weil er davon ausgeht, dass dieser Fremdling wahrscheinlich nicht Mongolisch versteht, versucht er es auf Russisch - schließlich musste in der Zeit der Sowjets auch in diesem 'Bruderstaat' Russisch gelernt werden. Viele von ihnen hatten nur wenig Wissen um die Entfernung zu meiner Heimat, ahnten aber bestimmt, dass es sehr, sehr weit sein musste. Und dann kommt natürlich sofort die Einladung zu seiner Familie irgendwo in den Bergen. Sind die Jurten der Familie nah, dann nehme ich die Einladung gern an und lasse mich mit Buttertee und gekochtem, fettem Hammelfleisch bewirten. Liegen sie aber zu weit abseits meines Weges, lehne ich dankend ab. Nicht selten jagen sie dann schnell nach Hause und kommen mit der ganzen Familie auf Pferden und verschiedenen Fahrzeugen zu mir, um mir wenigstens einen Begrüßungstrunk zu reichen: Airag, die vergorene Stutenmilch, das Bier der Nomaden.

07.02.2019 | 304 Aufrufe