1. Anekdote vom Ritt um die Welt

Schon lange war ich neugierig auf die Mongolei. Das Land der Nomaden - das Land der Pferde. Jetzt war es endlich soweit. Ich darf hinein! Allerdings ohne den ukrainischen Piloten und den russischen Fahrer des Versorgers. Aber im mongolischen Grenzort Ulaan Bayshant, 26 km von Tashanta entfernt, soll ein mongolischer Fahrer auf mich warten. Bis dort muss ich selbst fahren. Aber reiten und fahren geht nicht. Also muss einiges aus dem Hänger zurückbleiben - nicht alle 16 Fässer passen ins Auto. Dann werden die Pferde verladen und ich fahre sehr erleichtert durch das Niemandsland.

 

Über den letzten Pass - die Mongolei tut sich vor mir auf! Welch ein seltsames Gefühl - welch eine seltsame Ausstrahlung dieses friedliche Land verbreitet! Ich fühle mich unendlich erleichtert.

Der neue Fahrer ist schon abgereist. Zu lange musste er vergeblich auf mich warten - zu lange saß ich auf russischer Seite fest. Aber da ist der leitende Offizier der mongolischen Grenzwächter. Er und seine Familie nehmen sich meiner an. Ich darf am Rande des Dorfes kampieren, seine Kinder bewachen mein Camp und verteidigen es gegen kasachische Kinder, die aufdringlich sind und auf Gelegenheiten lauern, etwas zu stehlen. Enkhe, Boldra und Ulaana bringen mir Nahrung und leisten mir jeden Abend Gesellschaft, denn nach ihrer Meinung ist ein einsamer Mensch unglücklich und unglücklich darf ein Gast ihres Volkes nicht sein.

Nicht weit von meinem Camp ist das Wasserloch, aus dem den ganzen Tag über die Bewohner ihr Trinkwasser schöpfen und mühsam in ihre Hütten oder Jurten karren. Manche tragen es auf dem Rücken in einer ledernen Tierhaut.

Meine Pferde grasen in einer riesigen Koppel, die ich oft verlege, weil das Gras ringsum von den Yaks und anderen Tieren des Dorfes kurzgefressen ist.

Baiaraa der Vater, bemüht sich auch um einen neuen Fahrer aus Ulaanbataar. Dazu fahren wir mehrmals in seinem Jeep in die nächste Stadt, in der es ein Postamt mit Telefon gibt. Nach neun Tagen trifft er endlich ein: tagelang saß er dafür auf der Ladung eines offenen LKW. Das ist hier meist die einzige Mitfahrgelegenheit. Und wieder ist es ein Fahrer mit einem Problem: Alkohol! Wie damals Pawel 2, lauert er auf jede Gelegenheit, an Kumis oder Wodka zu kommen.

 

Diese Kurzberichte von der ersten und immer noch einzigen Erdumrundung mit denselben Pferden sind nur Winzigkeiten vom gesamten Abenteuer. Jeder Tag der viereinhalbjährigen Reise war angefüllt von kleineren oder größeren Erlebnissen, von schönen Begegnungen und Gefahren.

Damit keine Erinnerungen verloren gehen, hatte ich ein Tagebuch geführt. Aus diesen Aufzeichnungen entstand ein umfangreiches Buch: "Mit zwei Pferden um die Welt".

Siehe dazu "www.weltumreiter.de", "Bücher-DVD".

 

Wer die bisherigen Anekdoten nicht verfolgen konnte oder nachlesen möchte,

findet sie unter "www.weltumreiter.de", "News".

15.12.2018 | 470 Aufrufe