Heißes Eisen auf der Internationalen Grünen Woche angefaßt!

Qualzucht bei Nutztieren?

 

 

Heißes Eisen auf der Internationalen Grünen Woche angefaßt

Qualzucht bei Nutztieren?

Das war das Thema der Pressekonferenz zu der dieArbeitsgemeinschaft der Deutschen Tierärztekammer e.V. am 22. Januar 2019 auf der IGW eingeladen hatte.

Der Präsident der Bundestierärztekammer, Dr. Uwe Tiedemann, erläuterte, daß als Qualzucht die „Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden Schäden oder Verhaltensstörungen verbunden sind,“ bezeichnet wird.

Dabei ist es gleichgültig, ob die Tiere auf Grund ihrer Genetik per se leiden müssen oder auf Grund schlechter Haltung. Beides verbietet das  Tierschutzgesetz mit § 11b, der zwar ständig präsent war, aber leider ganz offensichtlich weder von Seiten der Züchter noch von Seiten der Käufer Beachtung findet.

 

11b: 

(1) Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten oder durch biotechnische Maßnahmen zu verändern, soweit im Falle der Züchtung züchterische Erkenntnisse oder im Falle der Veränderung Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass als Folge der Zucht oder Veränderung

1.

bei der Nachzucht, den biotechnisch veränderten Tieren selbst oder deren Nachkommen erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten oder

2.

bei den Nachkommen

a)

mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten,

b)

jeder artgemäße Kontakt mit Artgenossen bei ihnen selbst oder einem Artgenossen zu Schmerzen oder vermeidbaren Leiden oder Schäden führt oder

c)

die Haltung nur unter Schmerzen oder vermeidbaren Leiden möglich ist oder zu Schäden führt.

(2) Die zuständige Behörde kann das Unfruchtbarmachen von Wirbeltieren anordnen, soweit züchterische Erkenntnisse oder Erkenntnisse, die Veränderungen durch biotechnische Maßnahmen betreffen, erwarten lassen, dass deren Nachkommen Störungen oder Veränderungen im Sinne des Absatzes 1 zeigen werden.

(3) Die Absätze 1 und 2 gelten nicht für durch Züchtung oder biotechnische Maßnahmen veränderte Wirbeltiere, die für wissenschaftliche Zwecke notwendig sind.

(4) Das Bundesministerium wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates die erblich bedingten Veränderungen und Verhaltensstörungen nach Absatz 1 näher zu bestimmen, das Züchten mit Wirbeltieren bestimmter Arten, Rassen und Linien zu verbieten oder zu beschränken, wenn dieses Züchten zu Verstößen gegen Absatz 1 führen kann. 

Die Hilflosigkeit der Tierärzte bei eindeutigen Verstößen gegen diesen gutgemeinten Paragraphen 11b zeigte sich beim Vortrag von Dr. Heidemarie Ratsch, Präsidentin der Tierärztekammer Berlin, die über die Leiden der Legehennen und des Matgeflügels eindringlich referierte.

Dr. Holger Martens vom Institut für Vetrinär-Physiologie der Freien Universität Berlin konnte uns  mittels Zahlen und Tabellen die vielfältigen Erkrankungen der Hochleistungskühe verdeutlichen. Wobei die oft schon abartige Laktationssteigerung das Ergebnis von Selektion, Fütterung, Management und last not least aber auch der tierärztlichen Betreuung ist! Aber auch diese kann die „Produktionskrankheiten“ nicht mehr verhindern.

Offenbar wurde eine Grenze erreicht, bis zu fünfzig Prozent klauenkranke Kühe einer Herde, die auch ökonomisch nicht mehr akzeptabel ist und deshalb, ich vermute, nur deshalb dem Tierschutz eine Chance gegeben wird.

Auch  Prof. Dr. Thomas Richter, der Vorsitzender des Ausschusses Tierschutz der BTK ist, kam bei seinem Referat über  die „Optinierung der wirtschaftlich wichtigen Körperfunktionen“ beim Schwein zu dem Schluß, daß jede dieser hochgezüchteten Körperfunktionen zu tierschutzrelevanten Leiden führen kann, sich letztendlich aber auch durch zu hohe Verluste nicht rechnet.

Fazit: Dem Tierschutz wird bei den Nutztierzüchtern nur dann Raum gegeben, wenn die Verlustrate, durch  Zucht auf zu einseitige Leistungsparameter, zu groß wird!

 Doch die Tierärztekammern machen seit einigen Jahren, leider unbemerkt von einer breiteren Öffentlichkeit, mobil.

Hier einige Links zu dem Thema Qualzucht – auch bei Haustieren:

https://www.tieraerztekammer-berlin.de/qualzucht.html

https://www.bundestieraerztekammer.de/tieraerzte/qualzuchten/

https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/2018/11/Qualzucht-Plakatkampagne.php

https://www.tagesspiegel.de/berlin/extreme-tierzucht-berliner-tieraerztekammer-startet-kampagne-gegen-qualzuchten/23634616.html

Umdenken müssen wir wohl alle, die wir gern billige Eier, billige Milchprodukte haben,  und billiges Fleisch essen wollen. Denn unseretwegen müssen die Tiere so leiden.

Dasselbe, unter dem Gesichtspunkt der „Tierliebe“, gilt für die Extremzuchten von Hunden und Katzen.

Denk mal darüber nach.

 

Text und Bilder Hufflüsterin Jutta