© Equitana

 

Als Ausbilderin ist sie weltweit gefragt, ihre Bücher haben sich millionenfach verkauft. Wie sie mit ihrer Methode tiefe Verbindungen zwischen Reiter und Pferd schafft, hat uns Linda Tellington-Jones persönlich verraten. 

 

Mit ihrem ersten Equitana-Auftritt 1975 sorgte sie bereits für Furore: Nur am Halsring dirigierte sie ihr Pferd über verschiedene Hindernisse. Für die damalige Zeit eine scheinbar lebensgefährliche Mutprobe. In den 80er Jahren entwickelte Linda Tellington-Jones ihre eigene Trainings-Methode, die sie weltbekannt machte. Was die Kombination aus Körperarbeit (TTouch), Bodenarbeit (Lernparcours), Reiten und Ausrüstung so erfolgreich macht und welche Philosophie dahintersteckt, kann Linda Tellington-Jones am besten selbst erklären:

Die TTouch-Methode

  • Was mich besonders fasziniert ist, dass wir eine Methode entwickelt haben, die jeder mit seinem Pferd praktizieren kann – unabhängig von Rasse, Disziplin und Leistungsstand. 
     
  • Wir sollten dafür die Idee überwinden, dass wir das Pferd dominieren müssen. Das bedeutet nicht, dass wir das Tier machen lassen, was es möchte. Wir geben ihm klare Grenzen, aber ohne Druck auszuüben. 
     
  • Die Sicherheit von Reiter und Pferd steht für mich dabei an erster Stelle. 
     
  • Entscheidend ist, dass ich einen Weg im Umgang mit dem Pferd gefunden zu haben, beim dem Strafe unnötig ist und mit dem wir dem Tier dennoch verständlich machen können, was wir von ihm wollen.
     
  • Die Leitlinien vermitteln wir dem Pferd einerseits mit dem TTouch. Die ein-einviertel Kreise über den gesamten Körper sorgen für ein besseres Körpergefühl und steigern die Lernbereitschaft. Die verschiedenen Übungen am Boden im so genannten Lernparcours geben dem Pferd Führung. Wir zeigen ihm über eine klare Kommunikation, was wir von ihm wollen und schaffen so eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Reiter und Pferd. 
     
  • Die Methode lässt sich in ganz kleine Schritte zerlegen – das ist das wirklich Magische daran. Vom Boden aus können wir dem Pferd in einfachen Übungen beibringen, dass es dem Reiter zuhört und vertraut. Vorwärts, rückwärts, Wendungen – alles lässt sich im Lernparcours erarbeiten und später auch in Stress-Situationen anwenden. 
     
  • Wenn das Pferd beispielsweise zögert, über eine Brücke zu gehen: Anstatt den Druck zu erhöhen und in einen Konflikt zu geraten, ist es für alle sicherer, kurz inne zu halten und die Aufmerksamkeit und das Vertrauen des Pferdes zurückzugewinnen.
     
  • Wenn das Pferd nicht gleich versteht, was wir von ihm verlangen, dann hilft es wenig, lauter, schneller und heftiger zu werden. Deutlich effektiver ist es, kurz inne zu halten und sich zu überlegen, wie sich die Aufgabe für das Pferd verständlich machen lässt. 
     
  • Die speziellen TTouches sind eine gute Unterstützung. Da sie die Lern- und Leistungsbereitschaft fördern, können wir dem Pferd in einer Sequenz etwas beibringen, ohne Lektionen häufig wiederholen zu müssen. 
     
  • Das zweite T in TTouch steht für Vertrauen und das möchten ich den Menschen ebenso vermitteln, wie Verständnis und Respekt dem Pferd gegenüber.
     
  • Aus meiner Erfahrung kann ich nur dazu raten, dass jeder eine Trainingsmethode für sich findet, die sich für ihn richtig anfühlt. Sie sollte dazu führen, dass das Pferd gerne mitarbeitet und sich nicht gezwungen fühlt, weil der Reiter der Boss ist. 
     
  • Den TTouch kann auch jeder Reiter an sich selbst ausprobieren: Einfach beide Hände auf der Brust übereinander legen und an ein Ziffernblatt denken. Dann mittig unten bei der Sechs beginnen und die Hände im Kreis in Richtung der rechten Schulter, dann in Richtung des Kinns und weiter zur linken Schulter bewegen. Sie sollten einen eineinviertel Kreis beschreiben lassen und die Haut ganz sanft im Uhrzeigersinn bewegen. Anschließend einfach mal die andere Richtung ausprobieren, denn da sind die Vorlieben unterschiedlich. Danach tief durchatmen und an etwas denken, für das man dankbar ist. Das aktiviert das parasympathische Nervensystem und die vordere Gehirnregion und verbessert unsere Wahrnehmungs- und Lernmöglichkeiten. Studien haben gezeigt, dass dieser Zustand auf Pferd anziehend wirkt. Es nimmt den Menschen dann ganz anders wahr.

 

 

von Dominique Schroller