Herbst - immer kürzer werden die Tage

Und Stürme fegen über das Land - richten oft Verwüstungen an. 

Das lässt mich immer an die Zeit meiner Seefahrt zurückdenken.

Nur knapp entgingen meine Kameraden und ich mitsamt unseres 724 BRT und 66,6 Meter langen Stahlschiffs der Katastrophe.

 

Auf offener See zwischen Island und Grönland erwischte uns ein Hurricane. Er erreichte Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 220 km/h und türmte Wellenberge vor uns auf, die vom Tal bis zum Kamm 25 Meter erreichten.

Wie ein Spielzeug wurde unser Trawler an der vorderen Flanke der Wellen in die Höhe gerissen, kippte auf dem Kamm um 45° nach vorn und schoss abwärts, um zur Hälfte im nächsten Wellenberg einzutauchen. 

Alle 30 Minuten wurde der Rudergänger abgelöst, denn er musste immer hellwach sein. Ein geringes Abweichen vom Gegenan-Kurs könnte zum Umschlagen des Schiffes führen - und nur die erfahrensten und kaltblütigsten Seeleute durften ans Ruder.

Mehr als 20 Stunden ging das so, bis die Kraft des Sturms endlich nachließ. Innerhalb dieser Zeit aber brachen die gewaltigen Wasserkräfte beim Eintauchen im Vorschiff drei Bullaugen mitsamt der Sicherungs-Stahlplatten heraus und jede neue Welle drückte drei gewaltige Seewasserstrahle ins Schiffsinnere. Der Wasserspiegel in der Bilge stieg ständig und dann lief auch noch die Hauptlenzpumpe fest. 

Wir arbeiteten wie die Verrückten, die 30 cm-Durchmesser-Löcher provisorisch zu schließen und die festgelaufene Pumpe wieder zu aktivieren. 

Tatsächlich glaubten einige, das Klopfen des Klabautermanns von Deck gehört zu haben. Das tut diese im Raum schwebende Seele eines auf See verloren gegangenen Seemannes, der niemals mehr zur Ruhe kommen kann, um die Besatzung vor der Gefahr zu warnen - wie die seinerzeit immer abergläubischen Seeleute erzählten. 

Das schabende Geräusch aber, wenn er das Schiff verloren glaubt und sich von den todgeweihten Kameraden verabschiedet, blieb Gott sei Dank aus. Endlich konnten wir den Kurs ändern und nach Reykjavik steuern, um dort die vorderen vier Bullaugen zu entfernen und die Öffnungen mit Stahlplatten zu verschweißen. Dies geschah vorsichtshalber auch ganz schnell an allen drei Schwesterschiffen gleicher Bauart.

 

Wen die gesamte, wahre Geschichte meiner Zeit als Seemann interessiert, kann sie in dem Buch (oder Ebook oder Hörbuch) mit dem Titel "Klabautermann - verlass uns nicht!" lesen oder hören.

Bestimmt eine aufregende Lektüre z.B. vor dem knisternden Kamin in dieser Jahreszeit.

Auch eine Leseprobe findet man unter dem Link: https://hufgefluester.eu/news/alle-buecher-des-weltumreiters-und-die-dvd-ueber-den-ritt-um-die-erde_3141

 

 

08.10.2017 | 981 Aufrufe