Ein neues Seeabenteuer

Alter schützt vor Neugier nicht!

Schon immer haben mich alle möglichen Gewässer angezogen - je größer, um so mehr. Aber nur am Ufer zu sitzen und die Seele in die Fluten zu tauchen, war mir nie genug. Ich wollte obendrauf sein, mich von diesem faszinierenden Element wiegen lassen - möglichst auch in heftigen Bewegungen. Na ja, Abenteuerlust halt. 

Die Erlebnisse als Jugendlicher innerhalb zweijährigen Seemannsdaseins hatten mich nie losgelassen, drängten sich immer wieder in meine Erinnerungen. So konnte es nicht ausbleiben, es noch einmal zu versuchen: während meines zweijährigen Wohnaufenthalts in Cuxhaven. 

Weil ich in sentimentalen Phasen meines Daseins immer wieder den Fischereihafen besuchte, begegnete ich auch dem Kapitän eines Kutters, der gerade dabei war, für die nächste Reise Eis zu bunkern. Auf meine Frage: "Kann ich mal eine Reise mitmachen?", antwortete er überraschend: "Wie schnell kannst Du denn Deinen Seesack packen? In einer Stunde laufen wir aus und eine Koje ist zufällig gerade frei." 

 

Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen und rannte nach Hause. Ruck Zuck war ich seeklar und an Bord und kurz darauf legten wir wirklich ab - durch die Schleuse - hinaus auf die unruhige See. Die kurze Dünung der flachen Nordsee hatte ich schon damals als unangenehm empfunden. Die Bewegungen des Schiffes sind viel heftiger als auf dem langdünigen Atlantik. Und nun war das Schiff auch noch viel kleiner und leichter - und meine Koje befand sich wieder mal ganz vorn, wo die Bewegungen am heftigsten sind.

Vor der norwegischen Küste im Skagerrak wurde an verschiedenen Positionen das Schleppnetz weggefiert - und nach unterschiedlich langen Schleppzeiten wieder eingeholt. Seelachs war es, den wir hauptsächlich an Bord zogen und unter Deck ausnahmen, um ihn in großen Kübeln zwischen Eis zu lagern.

Eine Woche blieb ich an Bord und teilte das Leben mit der fünfköpfigen Besatzung. Zum Schlafen kam ich kaum. Tagsüber saß ich auf der Brücke neben dem Kapitän und wartete auf den nächsten Hol. Nachts aber verkeilte ich mich in der Koje, um nicht herauszufallen, denn die See blieb unruhig. 

Und auch nachts wurde ja gefischt. Beim ersten Kreischen der großen Winsch an Deck schreckte ich hoch und eilte an Deck, den Kameraden zu helfen. Immer, wenn der Kapitän glaubte, dass viele Fische im Netz sein müssten, setzte er die große Winsch in Bewegung und ich schlüpfte in das wasserdichte Ölzeug.

Das Schlachten fiel mir nicht mehr so leicht wie früher - gegen das Töten von Tieren war ich ziemlich empfindlich geworden. Aber das frische Lachsfilet in Butter gebraten, mit Petersilienkartoffeln dazu, ließ mich das unangenehme Morden schnell vergessen...

11.10.2017 | 1364 Aufrufe

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