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Das Buch "Temujins Vermächtnis" Band 3 
- Risse im Gewölbe des Glaubens

 

Geschlagen und erniedrigt kehren die Fanatiker zurück. Doch Rachegelüste lassen die Unbelehrbaren nicht ruhen. Sie planen erneut und einige schrecken vor Grausamkeiten nicht zurück. Weiterhin sind die friedliebenden Viehzüchter in Gefahr...
ISBN: 978-3-944416-06-9, 210x150x20 mm, hardcover, 228 Seiten, Gewicht: 510 Gramm
Preis: 19,50 Euro

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Leseprobe: 

"Temujins Vermächtnis, Risse im Gewölbe des Glaubens", Band 3

"Zügellose Grausamkeit

...Noch immer sind alle in Hochstimmung angesichts ihrer Erlebnisse bei den Wettkämpfen. Sie lachen und scherzen, während Zaya Trinkschalen austeilt und sie mit Salztee füllt.
Plötzlich beginnt Schwarzohr böse zu knurren und er läuft vor die Jurten in jene Richtung, die zu der Piste durch die große Schlucht führt. Als hätte er damit den Adler veranlasst nachzusehen, wer von dorther das Tal betritt, erhebt sich dieser mit pfeifenden Flügelschlägen in die Luft. Alle Anwesenden blicken erst verwundert zu Schwarzohr und dann zum Adler hinauf. Der kreist über jenem Platz, der durch einen die Sicht Richtung Taleingang versperrenden Hügel verdeckt ist. Schwarzohr knurrt weiter, bleibt aber bei der Gruppe der Menschen, die alle in dieselbe Richtung blicken. Dann tauchen zwei Kinder an der Hügelkuppe auf. Ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren mit einem kleineren Jungen an der Hand. Als sie die Gruppe der Jurten und die davor versammelten Menschen sehen, beginnen sie eilig zu laufen und deutlich ist schon von Weitem ihr Weinen zu hören. Agijma und Mandraa eilen ihnen entgegen. Schluchzend wirft sich das Mädchen in Agijmas Arme und Mandraa hebt den tränenüberströmten Jungen auf seinen Arm.
Bei den Jurten stürzen die Kinder sofort auf Damdaraa zu und klammern sich an seinen Deel. „Das sind ja Kinder aus Tolbar! Was ist passiert?“, ruft Damdaraa voller Schrecken in seiner Stimme.
Von Weinkrämpfen immer wieder geschüttelt, berichtet das Mädchen: „In der Nacht kamen viele Männer in weißen Kleidern in unsere Siedlung. Sie brachen in viele Häuser ein und schossen um sich. Dabei schrien sie fürchterlich. Ich habe viel Blut gesehen. Mein Vater lag auf dem Boden und auch mein großer Bruder. Unsere Mutter konnte noch die andere Tür unseres Hauses öffnen und uns hindurch schieben. Sie sagte, wir sollen schnell hierher laufen und Hilfe holen. Dann schloss sie die Tür wieder und wir waren allein.“
Bat reagiert sofort. Er schickt erneut seine Söhne auf den Weg, den Nachrichtendienst zu aktivieren. In jagendem Galopp rasen sie in verschiedene Richtungen davon. Die jungen Kämpfer aus Tolbar springen ebenfalls auf ihre Pferde, doch Damdaraa hält sie zurück.
„Halt, Ihr Burschen. Lauft nicht in eine Falle. Reitet hinüber in unser Tal, aber nähert Euch nur absolut verdeckt. Ihr dürft aus Tolbar nicht gesehen werden. Versucht nur, zu beobachten und wartet auf die Hilfe der anderen. Lasst Eure Pferde hinter den Felsen am Schluchteingang und schleicht Euch im Bachbett so nah wie möglich an die Siedlung heran. Wenn Ihr wichtige Einzelheiten erkennen konntet, soll einer zurückkommen und berichten. Sobald die ersten Krieger hier eintreffen, werden sie zu Euch kommen und gemeinsam werdet Ihr warten, bis wir alle vollständig sind. Dann werden wir entscheiden, wie weiter vorgegangen werden kann.“

Noch vor dem Morgengrauen, in jener Zeit, in der die Schläfrigkeit der Menschen am größten ist, hatte Omar seine murrende Truppe zu dieser Siedlung geführt. Als sie sich so weit genähert hatten, dass der erste Hund im Dorf aufmerksam wurde und anschlug, stoppte er seine Männer und hockte sich still auf den Boden. Alle anderen taten es ihm gleich. Inzwischen hatten weitere Hunde zu bellen begonnen, doch zaghaft. Sie reagierten wohl auf jenen ersten, der irgendetwas gehört oder gespürt hatte.
Neunundzwanzig Männer sprechen kein Wort, bewegen sich nicht mehr, sie atmen nur noch ganz flach, um auch so jedes Geräusch zu vermeiden. Nach und nach beruhigen sich die Hunde wieder, es herrscht absolute Stille. Langsam erhebt sich Omar und alle anderen folgen seinem Beispiel. Dann gehen sie Schritt für Schritt weiter. Vorsichtig setzen sie einen Fuß vor den anderen, möchten jedes Geräusch vermeiden, um die Hunde nicht erneut zu wecken. Doch irgendwann trifft ein Fuß einen Stein, der zur Seite rollt, und sofort zerreißt erneutes Gekläff die Stille der Nacht.
Wieder stilles Verharren, bis sich auch der letzte Hund beruhigt hat. Dann erneutes Vorandringen, noch vorsichtiger. Die ersten schattenhaften Gebilde von Zäunen und Hausdächern tauchen vor ihnen auf. Es sind wahrscheinlich nur noch hundert Schritte zum Rande der Siedlung..."

29.07.2017 | 2020 Aufrufe