PFERDE. KUNST VON DER ANTIKE BIS HEUTE

Ein kulturhistorisches Panorama bedeutender Kunstwerke

Pferde haben den Menschen schon immer fasziniert, sei es als freies, wildes Naturwesen oder als Nutztier, als realer Freund oder mystisches Symbol. Seit der Urzeit begleitet das Pferd den Menschen. So ist es kein Wunder, dass es bereits auf den frühesten Darstellungen der Menschheitsgeschichte zu sehen und aus keiner Epoche der Kunstgeschichte wegzudenken ist, selbst dann nicht als Maschinen seine Rolle in der Arbeitswelt und im Transportwesen weitgehend übernommen hatten.

 

Die Kunststation Kleinsassen zeigt nun in Zusammenarbeit mit dem Kunsthistoriker Dr. Michael Imhof in ihrer großen Sonderausstellung 2010, wie viele verschiedenen Rollen und Aufgaben das edle Tier im Laufe der Geschichte zu übernehmen hatte. Darüber hinaus eignet sich das Thema wunderbar, um Unterschiede in der Ästhetik und Bildsprache verschiedener Kulturen und Zeiten deutlich zu machen und zu entdecken, wie viele große Künstler sich des Themas angenommen haben. Dabei kann die Ausstellung in Kleinsassen mit einer noch nie da gewesenen Fülle hochkarätiger Kunstwerke und einem nahezu vollständigen Überblick über die Kulturgeschichte des Pferdes aufwarten. Chronologisch geordnet und wissenschaftlich aufgearbeitet kann man so entlang der über 400 Gemälde, Skulpturen und Grafiken einen Spaziergang durch drei Jahrtausende unternehmen.

 

Ersten Schwerpunkt der Sammlung bildet die Antike. Sie wird unter anderem anhand der Kleinplastik, Vasenmalerei und Abgüssen des Parthenon Frieses der Athener Akropolis beleuchtet. Die Entwicklung in China zu dieser Zeit zeigen Figuren der Terrakottaarmee aus XIAN (Nachbildungen) und Pferde der Han-, Tang- und Ming-Dynastie.

Das Mittelalter veranschaulichen Buchmalereien und Plastiken, darunter eine originalgroße Nachbildung des Bamberger Reiters.

Seit der Dürerzeit wird das Pferd ein wichtiges Bildmotiv. Berühmte Grafiken Dürers und seiner Zeitgenossen veranschaulichen die Auseinandersetzung der Künstler mit dem Pferd. Im 17. Jahrhundert entstanden Reiterszenen und Reiterportraits, die mit Werken aus dem Umkreis von Peter Paul Rubens, Philips Wouwerman und Jan van Huchtenburg vorgestellt werden.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde in England das Pferd zu einem bevorzugten Bildthema. Erstmals gab es Künstler, die sich auf das Portrait von Pferden spezialisierten. Einflussreichster und bedeutendster Pferdemaler war Georg Stubbs, dessen Bilderfindungen für das kommende Jahrhundert von großem Einfluss waren. Er ist mit einigen repräsentativen Werken in der Ausstellung vertreten. Technisch bester Pferdemaler war Sawrey Gilpin, von dem ein großes Pferdeportrait zu sehen ist.

Im 19. Jahrhundert gewann das Pferd durch die aufkommenden Pferderennen an ökonomischer Bedeutung auch im Freizeit- und Sportbereich. Aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung Gemälde und Grafiken aller bedeutender Pferdemaler – Albrecht und Franz Adam, Alfred de Dreux, Théodor Géricault, John Frederick Herring, Wilhelm von Kobell, Franz Krüger, Georg Koch, Adolf Schreyer, Wouter Verschuur, Emil Volkers und Calr Steffeck. Auch Werke der bedeutendsten Bildhauer der Zeit sind zu sehen: Isidore Jules Bonheur und Pierre Jules Mène.

Selbst wenn nach dem Aufkommen des Autos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Pferd und damit  die Pferdedarstellung an Bedeutung verlor, entstanden auch in dieser Zeit eindrucksvolle Pferdebilder, z.B. von Franz von Stuck, Franz Marc, Otto Dill, Dalí und Picasso.

 

Die Ausstellung ist von Sonntag, 30. Mai 2010 bis zum 10. Oktober 2010 in der Kunststation Kleinsassen zu sehen.

 

 


Text: Dr. Michael Imhof (mi) und Marianne Blum (mb)