Schöne Erinnerungen

Viele gefährliche Situationen hatte es während meiner Erdumrundung gegeben. Eigentlich gab es fast jeden Tag irgendwelche Bedrohungen für meine Pferde und mich. Aber jede überstandene Gefahr machte mich stärker und manchmal kam ich so sehr in Kampfstimmung, dass ich regelrecht auf die nächste Gefahr für mich wartete, weil ich mir immer sicherer wurde, dass ich sie alle überwinden könne.

 

Gleichzeitig vermittelte ich scheinbar auch meinen Pferden diese Euphorie und wir wuchsen jeden Tag ein wenig mehr zusammen. Vor allem Panca war es, die schon in der Mongolei anderen Pferden gegenüber aus lauter Stolz fremde Pferde vertrieb, die uns zu nahe kamen. Und Puschkin kämpfte derart verbissen gegen einen Steppenhengst, der unbedingt seine Schwester in seine Herde holen wollte. Beide trugen erhebliche Kampfspuren davon und als der Hengst endlich nachgab und erschreckt zu seiner Herde trabte, zeigte Puschkin seinen ganzen Stolz und umrundete seine gerettete Schwester in einem weithin sichtbaren Imponiertrab.

 

Aber irgendwann wurde Panca in der Steppe am Rande Ulan Bators rossig und entschied, sich dem Hengst hinzugeben. Man konnte Puschkins Enttäuschung regelrecht ansehen. Aber als treuer Bruder verzieh er es seiner Schwester schnell und kümmerte sich bald nicht weniger herzlich um seinen Neffen, der schließlich auf der anderen Seite des Pazifischen Ozeans geboren wurde, wie es seine Schwester sowieso tat.

 

Als wir endlich nach viereinhalb Jahren wieder in unsere Heimat Rheingau, diesmal von Westen her, eintrafen, waren die drei eine echte Familie und ich war stolz, zu ihnen gehören zu dürfen.

18.08.2021 | 502 Aufrufe