Die Trakehner Zucht hat die erste Hürde im Bewerbungsverfahren zur Aufnahme ins Verzeichnis des UNESCO Immateriellen Kulturerbes genommen

 

Von Generation zu Generation: Die Liebe zu den Trakehnern. Der Trakehner Siegerhengst 2012, Donauruf, mit seiner Züchterin Veronika von Schöning, ihrem Sohn und ihrer Enkelin. (Foto: Stefan Lafrentz)

 

Die Spanische Hofreitschule in Wien, die klassische Reitkunst des Cadre Noir in Saumur oder die Falknerei – sie alle sind Beispiele des von der UNESCO anerkannten Immateriellen Kulturerbes. 549 Einträge aus 127 Ländern, davon vier aus Deutschland gehören aktuell zum Weltkulturerbe. Im bundesweiten Verzeichnis in Deutschland, der Vorstufe zum Weltkulturerbe, stehen 106 Einträge. Die Trakehner Zucht zählt zu den aktuellen Bewerbern und konnte kürzlich den ersten Schritt zur Aufnahme absolvieren.

Ein nationaler Eintrag, die Voraussetzung für die internationale Bewerbung, ist mit einem im zweijährigen Turnus stattfindenden mehrstufigen Verfahren verbunden, an dem die Länder und die Kulturministerkonferenz, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und die Deutsche UNESCO-Kommission beteiligt sind. Jedes Bundesland trifft eine Vorauswahl und kann bis zu vier Bewerbungen an das Sekretariat der Kultusministerkonferenz weiterreichen – Schleswig-Holstein hat kürzlich entschieden, den Trakehner Antrag zu protegieren und als zweiten Schritt die Bewerbung an das unabhängige Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission weiterzuleiten. Die Auswahlempfehlungen des Expertenkomitees werden abschließend durch die Kulturministerkonferenz und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien bestätigt. Im Anschluss nimmt der Zwischenstaatliche UNESCO-Ausschuss einmal jährlich neue Kulturformen in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO auf. Der  Weg zum Weltkulturerbe ist in seiner behördlichen Dimension ein wahrer Marathon.

Das von der Stiftung Trakehner Pferd unterstützte Projektteam hatte im Oktober 2019 den Antrag für die Anerkennung der Trakehner Zucht als Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein fristgerecht eingereicht. Das strenge Auswahlverfahren war im Vorfeld bekannt, und es galt, in einem knappen Antragsformat die Trakehner Zucht Nicht-Pferdeleuten zu erläutern und dabei das Spannungsfeld von Historie, Tradition und Innovation, Tierschutz und Zuchtfortschritt differenziert abzubilden.

Die Trakehner Reinzucht ist ein lebendiges Kulturerbe mit fast 300-jähriger Geschichte. Sie ist die älteste Reitpferderasse Deutschlands und längst auch international als Ursprungszucht anerkannt. Die Trakehner Zucht lässt sich genetisch lückenlos auf die Gründung des Hauptgestüts Trakehnen im Jahre 1732 durch königlich preußische Anordnung zurückführen. Bis heute werden die Trakehner als einzige Reitpferderasse nach den Prinzipien der Reinzucht mit hohen genetischen Anteilen des englischen und arabischen Vollblutes, des Shagya- und des Anglo-Arabers gezüchtet. Heute steht der Trakehner für ein modernes Reitpferd für alle Sparten der Reiterei in Sport und Freizeit. Seine Geschichte und seine Persönlichkeit fasziniert Züchter und Reiter weltweit. Mit der Weitergabe des Wissens um die Zucht und die Geschichte der Trakehner über mehrere Menschengenerationen hinweg und der Passion der Züchter, die Trakehner Zucht in der heutigen Zeit lebendig zu halten, erfüllt die Trakehner Zucht alle Kriterien für die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe.

Auch, dass das Kulturerbe nicht vorrangig kommerzielle Ziele verfolgt, ist nachweislich gegeben. Das Prinzip der satzungsgemäß verankerten Trakehner Reinzucht dient dem Ziel, die Trakehner Zucht in ihrer kulturhistorisch überlieferten Form zu erhalten, auch gegen wirtschaftliche Interessen.

Die Summe dessen, was die Trakehner Zucht kulturhistorisch, sozial, emotional und generationen- wie völkerübergreifend ausmacht, muss nun im zweiten Schritt des Auswahlverfahrens das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe überzeugen. Das „Go“ der Länderjury erfolgte im April und der Antrag wurde bereits an die  Kultusminister Konferenz in Bonn weitergeleitet. Für die Trakehner heißt es weiter Daumen drücken und die kulturhistorische Bedeutung der Trakehner Zucht im öffentlichen Bewusstsein lebendig zu halten. Bis spätestens März 2021 wird die endgültige Entscheidung erwartet.

 

RathmannVerlag GmbH & Co. KG