25. Anekdote vom Ritt um die Welt

Zwangspause

Immer fürchtete ich mich vor Begegnungen mit freilaufenden Hengsten, die es in Kasachstan, Sibirien und vor allem in der Mongolei zuhauf gab. Jeder Hengst möchte die Zahl seiner Stuten vergrößern. (Kaum anders, als so mancher zweibeinige Hengst!). Manchmal war ich gezwungen, sie mithilfe einer Schreckschusspistole auf Abstand zu halten (hier meine ich die vierbeinigen). Mir war nämlich bewusst, dass eine Trächtigkeit Pancas mindestens zu einer erheblichen Verzögerung der Erdumrundung führen musste. Als es aber dennoch geschah, war es nur noch Neugier und gespannte Erwartungsfreude. Aber natürlich auch eine schmerzhafte Zwangspause. Schnell wurde mir bewusst, dass ich durch die USA nicht mit einem freilaufenden Fohlen unterwegs sein konnte. Auf schmalen Grünstreifen und Böschungen am Highway entlang? Begrenzt durch endlose Stacheldrahtzäune?

In Kalifornien gab es zu jener Zeit bereits die Vernetzung aller möglichen Interessengruppen mithilfe des Internet. Freizeitreiten war sehr verbreitet und manche von ihnen waren nebenbei auch Distanzreiter. Sie nahmen mich unter ihre Fittiche und ich erhielt vielfältige Unterstützung. Sogar einen Langzeit-Rastplatz für Panca und ihren Sohn. Die Idee war, zunächst mit Puschkin allein den Weg fortzusetzen.

In Carson City/Nevada gab es eine kleine Ranch, auf der Fjordys gezüchtet wurden. Drei Stuten hatten in diesem Jahr ebenfalls gefohlt. Panca und Temujin stachen durch ihre Färbung deutlich von den Fjordys ab, waren schnell akzeptiert und fühlten sich wohl. Mehrere Tage durfte ich es beobachten und rüstete endlich zum erneuten Aufbruch. Der Abschied von den beiden fiel mir nicht leicht, doch es gab keine Alternative.

Also durfte ich Puschkin endlich über die "Golden Gate Bridge" zum Strand des Pazifik bringen, wo ein Reporter und ein Fotograph des "San Francisco Cronicle" am "Point Reyes", nördlich von San Francisco, auf uns warteten. Eine Gruppe inzwischen befreundeter und berittener Begleiter führte uns nach Interview und Fotosession über Wege, die ich selbst nie gefunden hätte. Irgendwelche Wege auf Karten zu suchen (es gab noch keine satellitengestützten Navigationsgeräte in jener Zeit), musste ich vorläufig nicht mehr. Wir wurden weitergereicht und hatten durch Kalifornien und halb Nevada an jedem Tag ortskundige, berittene Begleiter. Sogar mein Versorger wurde jeden Tag an den jeweiligen Zielort gebracht. Und: ich ritt von Barbecue zu Barbecue. Und weil jeder wusste, dass ich aus Deutschland komme, gab es auch immer ein kaltes Bier für mich und für Puschkin beste Futterversorgung.

28.09.2019 | 137 Aufrufe