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Denken Sie bitte daran:

Ein gutes, dekoratives Buch ist ein gern gesehenes und dauerhaftes Geschenk für jede Gelegenheit.

 

Alle Bücher von Manfred S. Schulze sind in dekorativer Hardcover Bindung hergestellt

und sind beim Autor auf Wunsch sogar mit kostenloser, persönlicher Widmung zu bekommen:

manfred@weltumreiter.de

 

Anfragen zu Büchern und DVD's bitte per Mail an manfred@weltumreiter.de.
oder per Post:

Manfred Schulze, Breitenfeld 5, D-79761 Waldshut-Tiengen.


Alle Bücher sind unter Angabe der ISBN auch im Buchhandel erhältlich. Preisunterschiede sind ausgeschlossen.
Wer es eilig hat, bestellt gerne beim Autor, da der Buchhandel keine Lagerbestände von Selbstverlagen und Selbstvermarktern hält.

Ebooks:


Als Ebook stehen die Titel weltweit auf allen download-Portalen für Sie bereit. Geben Sie bei Ihrem Ebook-Anbieter die jeweilige ISB-Nummer an:
ISBN 978-3-944416-13-7 = "Mit zwei Pferden um die Welt"
ISBN 978-3-944416-14-4 = "Zweieinhalb Huzulen und ein Abenteurer"
ISBN 978-3-944416-12-0 = "Dschingis Khans Tochter - Erinnerungen eines Abenteurers"
ISBN 978-3-944416-15-1 = "Klabautermann verlass uns nicht!"
ISBN 978-3-944416-35-9 = "Seemannsgarn? - Hein Buddelkieks unglaubliches Abenteuer"
ISBN 978-3-944416-16-8 = "Temujins Vermächtnis" Band 1
ISBN 978-3-944416-20-5 = "Temujins Vermächtnis" Band 2
ISBN 978-3-944416-22-9 = "Temujins Vermächtnis" Band 3
ISBN 978-3-944416-31-1 = "Temujins Vermächtnis" Band 4

in englischer Sprache:
ISBN 978-3-944416-38-0 = "With two horses around the world"




Hörbücher:

Alle Hörbücher sind als ungekürzte Autoren-Lesungen im MP3-Format erstellt und werden von „bookwire.de“ an alle Hörbuch-Portale geliefert. Dadurch sind die Hörbücher in digitaler Form zum downloaden auf allen deutschsprachigen Hörbuchportalen erhältlich.
Geben Sie bei Ihrem Hörbuch-Anbieter die jeweilige ISB-Nummer an:
ISBN 978-3-944416-02-1 = "Mit zwei Pferden um die Welt"
ISBN 978-3-944416-04-5 = "Dschingis Khans Tochter - Erinnerungen eines Abenteurers"
ISBN 978-3-944416-11-3 = "Klabautermann verlass uns nicht!"
ISBN 978-3-944416-36-6 = "Seemannsgarn? - Hein Buddelkieks unglaubliches Abenteuer"


Die Hörbücher in physischer Form auf USB-Stick oder auf CD in attraktiver Verpackung nur beim Autor.
Informationen hierzu über:manfred@weltumreiter.de.


PREISE - VERSANDKOSTEN

Die download-Preise der Ebooks sind bei Buchungen aus Deutschland überall gleich: 5,99 Euro.
Für den umfangreichen Titel "Mit zwei Pferden um die Welt" sind es 6,99 Euro
und für den Titel "With two horses around the world" 7,99 Euro.

Für Downloads außerhalb der Bundesrepublik Deutschland gelten geringfügig andere Preise, die vom jeweiligen Anbieter zu erfragen sind.
Dies gilt sowohl für Printausgaben, als auch für Ebooks und Hörbücher.

Die download-Preise der Hörbücher sind auf 9,95 Euro festgelegt.

Die Printausgaben haben unterschiedliche Preise (siehe Beschreibungen unten) und werden mit geringen, postabhängigen Gebühren versandt.

(Derzeit als „Büchersendung“, z.B. bis 500 Gramm=2,00 Euro, 501-1000 Gramm= 2,50 Euro einschl. Verpackung innerhalb Deutschlands)
(Für EU-Bruderstaaten gilt „Buch International – Economy“, bis 500 Gramm=3,50 Euro, 501-1000 Gramm=6,00 Euro einschl. Verpackung)
(Für die Schweiz gibt es leider erheblich höhere Versandkosten).

Die DVD wird als „Großbrief“ in entsprechender Verpackung geliefert, derzeit sind die Versandkosten innerhalb Deutschlands 2,00 Euro und in das EU-Ausland 4,00 Euro.

Bei Lieferung mehrerer Artikel gelten als Versandkosten die entsprechenden Päckchen- oder Paketpreise von DHL (auf Wunsch recherchieren wir diese vorher für Sie).
Beachten Sie hierzu bitte ganz unten aufgeführte

„Sonderkonditionen“ für „Geschenkpakete“.

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Das Buch „Mit zwei Pferden um die Welt“

ISBN 978-3-00-007492-9
150x210x25 mm, hardcover, 360 Seiten, 32 Farbbilder, Gewicht: 635 Gramm.
Preis: 27,50 Euro
Die Reiseerzählung nach Tagebuchaufzeichnungen des ersten und noch immer einzigen Weltumreiters.
Sie berichtet in ergreifender Weise von einem der größten Abenteuer der Neuzeit.
Eine viereinhalbjährige Reise, die geprägt war von Gefahren, Ängsten und vielen Glücksmomenten.
Auf sich allein gestellt und mit der Verantwortung für zwei Pferde, aus denen unterwegs überraschend drei wurden, die eine tiefe, seelische Verbindung mit ihm eingingen, für deren Leben und sein eigenes er oft kämpfen musste und sich gegen Korruption, Willkür und Straßenräuber zu behaupten hatte.



oder in 2 Bänden auf vielfachen Kundenwunsch

Mit größerer Schrift und kürzeren Zeilen zur leichteren Lesbarkeit und mit mehr Bildern = eine Komfortversion.

"Mit zwei Pferden um die Welt, Band 1"

ISBN 978-3-944416-24-3
150x210x19 mm, hardcover, 255 Seiten, 40 Farbbilder, Gewicht: 502 Gramm
Preis: 21,50 Euro

 

 

 

"Mit zwei Pferden um die Welt, Band 2"

ISBN 978-3-944416-25-0
150x210x21 mm, hardcover, 295 Seiten, 44 Farbbilder, Gewicht: 555 Gramm
Preis: 21,50 Euro



Die Worte des Autors zu seinem Abenteuer:
"Soll das alles gewesen sein? Ein Leben voller Arbeit und Streben nach Wohlstand oder gar Reichtum? Was würde ich davon haben, wenn ich eines Tages auf dem Sterbebett liege? Einmal wenigstens ein richtiges Abenteuer erleben, bevor es zu spät ist. Die Welt ist so groß und schön - was sah ich eigentlich bisher von ihr? So wollte ich nicht abtreten! Reich zu sterben kann wohl nicht Ziel des Lebens sein. Dann schon lieber arm, aber mit der Gewissheit, wirklich Großes erreicht zu haben.
Deshalb machte ich mich auf, etwas zu wagen, was noch niemand tat: die Erde mit zwei Pferden zu umrunden. Auf der nördlichen Halbkugel dort, wo es hoffentlich genug Wasser und Futter für die Tiere geben würde.
Richtung Osten, der Sonne entgegen: Deutschland, Polen, Ukraine, Südrussland, Kasachstan, Sibirien, Mongolei, China, Süd-Korea. Pazifik-Überquerung im Flugzeug. Schließlich die USA von der West- zur Ostküste. Wieder im Flugzeug über den Atlantik und endlich über die Niederlande zurück in meine deutsche Heimat.
Kein Spazierritt war das Ganze, sondern ein ständiger Kampf ums Überleben, um das Vorankommen. Endlose Probleme mit Korruption, Straßenräubern und Behörden. Doch auch viel Schönes widerfuhr mir. Freundliche, hilfreiche Menschen überall. Fremde Kulturen, unverdorbene Natur, wunderschöne Landschaften - und vielleicht das Wichtigste: das Zusammenwachsen mit zwei wunderbaren Pferden, aus denen schließlich drei wurden. Eine gegenseitige Liebe entstand, die alle Strapazen schnell vergessen ließen."

 

Die Gesamtausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-13-7 im Epub-Format bei Libreka und weltweit angeschlossene Portale.

und als Hörbuch:
ISBN 978-3-944416-02-1 im MP3-Format bei Bookwire und angeschlossene Portale
und auch in physischer Form auf USB-Stick oder CD-Rom im MP3-Format (nur beim Autor).

 



 

Das Folgebuch als Bildband
"Zweieinhalb Huzulen und ein Abenteurer"

ISBN 978-3-00-031871-9
150x210x20mm, hardcover, 274 Seiten, davon 70 Farbbildseiten, Gewicht: 555 Gramm
Preis: 21,50 Euro
Was verbirgt sich hinter dem Wort "Huzul"?
Wo kommen Huzulen her und wer sind ihre Ahnen?
Wie wurden sie zu den so wichtigen Kameraden des Mannes, der es wagte
mit ihnen innerhalb von viereinhalb Jahren den Erdball zu umrunden?
Wie kam es dazu, dass unterwegs aus zwei Kameraden drei wurden?
Wie veränderten sie sein Leben und sein Verständnis für die Natur?
Wie lehrten sie ihn Respekt vor aller Kreatur und Demut vor dem Leben?
Wie groß kann eine Liebe werden, die sich zwischen Mensch und Tier entwickelt
und wie groß der Schmerz beim Verlust?

 

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Lesen Sie in diesem Buch die Antworten auf all diese Fragen und noch Vieles mehr.
Lassen Sie sich beeindrucken von 70 farbigen Bildern und fühlen Sie mit dem Mann,
der sein Leben für ein großes Abenteuer einsetzte.

Diese Ausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-14-4 im Epub-Format bei Libreka und angeschlossene Portale





Die DVD „Mit zwei Pferden um die Welt“

60 Minuten Laufzeit. Format: MPEG 2

 


Die Geschichte der "Erdumrundung mit zwei Pferden" in Bildern und Filmsequenzen,
der Text ist von Manfred Schulze gesprochen und mit stimmungsvoller, länderspezifischer Musik untermalt.
Für alle, die eine der vielen Lichtbildervorträge nicht besuchen können.

Preis: 17,50 Euro

Jetzt auch im Buchhandel erhältlich unter ISBN 978-3-944416-00-7.

 





Das Buch „Dschingis Khans Tochter - Erinnerungen eines Abenteurers“

So viele Eindrücke waren während der viereinhalb-jährigen Reise auf den Abenteurer eingestürmt, die er alle zunächst zwar wahrnehmen, aber nicht endgültig einordnen konnte.
Mehrere Jahre des Verarbeitens waren notwendig, um wirklich zu begreifen, was mit ihm und um ihn herum geschehen war.
Viele Erkenntnisse öffneten ihm die Augen, ließen ihn seelisch reifen und sind voller Mystik.
Aber es gab unterwegs auch Begebenheiten, von denen er bisher niemals sprach, von denen er nicht sprechen konnte.

Nun scheint die Zeit reif für bewegende Offenbarungen und Erinnerungen.

ISBN 978-3-00-033305-7, 210x150x16 mm, hardcover, 185 Seiten, Gewicht: 390 Gramm.

Preis: 19,50 Euro

 

Eine exotische Romanze zwischen Glück und Schmerz.

Diese Ausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-12-0 im Epub-Format bei Libreka und angeschlossene Portale

und bald als Hörbuch:
ISBN 978-3-944416-04-5 im MP3-Format bei Bookwire und angeschlossene Portale
und dann auch in physischer Form auf USB-Stick oder CD-Rom im MP3-Format (nur beim Autor).

 


 

Das Hörbuch "Dschinigs Khans Tochter - Erinnerungen eines Abenteurers"

ist ab sofort bei "bookwire.de" und allen angeschlossenen Hörbuchportalen unter der ISBN 978-3-944416-04-5 zum downloaden bereitgestellt.
In 7,14 Stunden Laufzeit erleben Sie diese berührende Geschichte während langer Reisezeiten oder mit geschlossenen Augen.
Eine ungekürzte Autorenlesung mit weiblicher Unterstützung durch Mayla Theiss.
Eine Leseprobe finden Sie im unteren Teil dieser Seite.
Der downloadpreis beträgt 9,95 Euro, das Format ist MP3.
Eine Version in physischer Form ist auf Anfrage lieferbar: 6 x CD-R in dekorativer Verpackung oder auf USB-Stick = manfred@weltumreiter.de.





 

Das Buch "Temujins Vermächtnis" Band 1

- 'für die Erben Dschingis Khans'

Was macht ein Abenteurer, wenn er aus mehreren Gründen
weitere Abenteuer auf dem Rücken seines Pferdes nicht mehr durchführen kann?
Erleben Sie in diesem Buch die atemberaubenden Erlebnisse des Abenteurers
zwischen Traum und Wirklichkeit.


ISBN 978-3-00-033603-4, 210x150x20 mm, hardcover, 228 Seiten, Gewicht: 520 Gramm
Preis: 19,50 Euro




Als Ebook: ISBN 978-3-944416-16-8


 

Das Buch "Temujins Vermächtnis" Band 2

- 'die Unbelehrbaren'

Das Abenteuer geht weiter, die Spannung steigt.
Wird es diesmal den mongolischen Nomaden im Altai gelingen, die verbrecherischen Invasoren aus dem Süden zur Aufgabe ihrer furchtbaren Pläne zu bewegen? Wie viele Opfer wird es kosten unter den Angreifern und den Verteidigern? Werden sie weiter unter dem Schutz ihrer Ahnen stehen, die vom Schamanen unter eigener Lebensgefahr gerufen wurden?
ISBN 978-3-944416-18-2, 210x150x20 mm, hardcover, 220 Seiten, Gewicht: 505 Gramm
Preis: 19,50 Euro




Als Ebook: ISBN 978-3-944416-20-5


 

Das Buch "Temujins Vermächtnis" Band 3

- 'Risse im Gewölbe des Glaubens'

Geschlagen und erniedrigt kehren die Fanatiker zurück. Doch Rachegelüste lassen die Unbelehrbaren nicht ruhen. Sie planen erneut und einige schrecken vor Grausamkeiten nicht zurück. Weiterhin sind die friedliebenden Viehzüchter in Gefahr...
ISBN: 978-3-944416-06-9, 210x150x20 mm, hardcover, 228 Seiten, Gewicht: 510 Gramm
Preis: 19,50 Euro




Als Ebook: ISBN 978-3-944416-22-9


Das Buch "Temujins Vermächtnis" Band 4

- 'Aufstand der Frauen'

 

Den Plan zur Eroberung scheinbar kaum bewohnter Gebiete im nördlichen Altaigebirge haben sie vorläufig aufgegeben. Zu groß waren ihre Verluste. Umso aggressiver und lebensverachtender werden ihre Auftritte im eigenen Land. Um sich neuen Respekt zu verschaffen, schrecken sie vor keiner Grausamkeit zurück. Doch endlich bildet sich eine immer stärker werdende Gegenorganisation, der sich schließlich mutige Frauen anschließen. Mit ihrer Hilfe gelingt ein entscheidender und für die Fanatiker schmerzlicher Gegenschlag...

ISBN: 978-3-944416-30-4, 210x150x20 mm, hardcover, 234 Seiten, 465 Gramm

Preis: 19,50 Euro

 

Als Ebook: ISBN 978-3-944416-31-1

                                                                                                                                                                                                                            

 

Das Buch "Klabautermann verlass uns nicht!"

Auf jedem Schiff treibt er seinen Schabernack.
Er hat ein grünes Gesicht und blaue Zähne.
Mit Hammerschlägen warnt er die Mannschaft bei Gefahr,
wenn ihn niemand sehen kann.
Mit schabenden Geräuschen verabschiedet er sich von den verlorenen Seeleuten,
bevor er das sinkende Schiff verlässt...

Lesen Sie in diesem Buch die schönen,
seltsamen und manchmal haarsträubenden Erlebnisse einer neugierigen Landratte,
die auszog, um sich Seebeine wachsen zu lassen:

bei Frachtschifffahrt und Hochseefischerei
in den stürmischen und eisigen Weiten des Nordatlantik,
in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts,
als die Seefahrt noch voller Gefahren war.

ISBN 978-3-944416-09-0, 210x150x17 mm, hardcover, 152 Seiten, 29 Schwarz-Weiss-Bilder, Gewicht: 415 Gramm
Preis: 19,50 Euro



Diese Ausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-15-1 im Epub-Format bei Libreka und angeschlossene Portale
und als Hörbuch:
ISBN 978-3-944416-11-3 im MP3-Format bei Bookwire und angeschlossene Portale
und in physischer Form auf CD-Rom oder auf USB-Stick im MP3-Format nur beim Autor: Manfred@weltumreiter.de

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Das Buch "Seemannsgarn?
- Hein Buddelkieks unglaubliches Abenteuer"

"Ein alter Seemann lebt in seinen Erinnerungen und erzählt sein größtes Abenteuer: In der Mitte des vorigen Jahrhunderts wird sein Fischdampfer im Nordatlantik von einem brechenden Eisberg zertrümmert und in die Tiefe gerissen. Die Suche nach dem Schiff und seiner Besatzung bleibt erfolglos: 'Totalverlust'. Niemand konnte ahnen, dass es einer in höchster Not schaffte, sich auf das Eis zu retten. Aber damit war seine Not noch lange nicht beendet... Das Eis trieb nach Süden und begann zu tauen. Kurz vor dem Hungertod verschlug es ihn an die afrikanische Küste. Hier wurden Menschen zu rettenden Freunden, andere zur erneuten Bedrohung für ihn."

ISBN 978-3-944416-34-2, 210x150x18 mm, hardcover, 234 Seiten, Gewicht: 420 Gramm
Preis: 19,50 Euro

Diese Ausgabe ist als Ebook erschienen:
ISBN 978-3-944416-35-9 im Epub-Format bei Libreka und angeschlossene Portale

und als Hörbuch:
ISBN 978-3-944416-36-6 im MP3-Format bei Bookwire und angeschlossene Portale
und in physischer Form auf CD-Rom oder auf USB-Stick im MP3-Format nur beim Autor: Manfred@weltumreiter.de.

 

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Das Buch: "With two horses around the world

- Four and a half years between despair and Triumph"

 

die Übersetzung des Buches "Mit zwei Pferden um die Welt".

ISBN 978-3-944416-37-3, 150x210x24 mm, hardcover, 336 Seiten, 32 Farbbilder, Gewicht: 620 Gramm.

Preis: 34,50 Euro

 

 

und als Ebook: ISBN 978-3-944416-38-0





Das besondere Geschenk für alle Gelegenheiten

 

"Geschenkpaket zum Sonderpreis"

Vier Bücher nach Wahl + DVD für 80,00 Euro. Sie sparen bis zu 29,00 Euro.


"Gesamtpaket zum Vorzugspreis"

Neun Bücher (alle deutschsprachigen Titel von Manfred) + DVD für 149,00 Euro.

(Wert aller Bücher + DVD= 203,-- Euro. Einsparung: 54,00 Euro.)

 


"Sammelwerk Temujins Vermächtnis"

Vier Bücher für 58,50 Euro. Einsparung 19,50 Euro, also eine Ausgabe gratis.

                                                                                         

LESEPROBEN:

 

"Mit zwei Pferden um die Welt"

 

"DURCH DIE GOBI

Wieder liegt eine Talsenke vor uns. Ich freue mich auf gutes Futter für die Pferde. Noch haben wir nicht den Rand der grünen Insel in dieser Steinwüste erreicht, da tauchen einige Bsik auf. Gierig stürzen die sich sofort auf die Pferde. Weit über dreißig Grad müssen es im Schatten sein, aber den gibt es nirgends. Dieser Talkessel ist sumpfig und die Luft feucht und heiß - ideal für Bsik. Sofort starten Panca und Puschkin zu einem nicht enden wollenden Galopp. Wir jagen über die Fahrspuren der Piste. Ich lasse sie gern laufen und nur selten fallen sie in Trab, um ein wenig auszuruhen. Doch sofort bedrängen uns die Bsik wieder, ihre Schnelligkeit ist beachtlich. Da hilft nur erneuter Galopp. Doch selbst in diesem Tempo lassen sie sich nicht abschütteln, folgen uns seitlich in immer größer werdendem Schwarm. Und ständig versuchen einige, auf den Pferden zu landen. In den Steigbügeln stehend und weit nach vorn gebeugt bin ich damit beschäftigt, die Viecher in der Luft zu fangen oder auf dem Pferdekörper zu zerschlagen. Es gelingt mir, einige zu erledigen, doch es werden nicht weniger. Puschkin am Handseil weiß natürlich sofort, weshalb ich mit den Händen herumfuchtele und bringt seinen Kopf ganz nah zu mir, damit ich ihn beschütze. Plötzlich bemerke ich auf Pancas Stirn sechs festgebissene Bsik, dort kann sie sich nicht wehren, ihr langes Stirnhaar wird ja vom Fahrtwind nach hinten geweht. In jagendem Galopp strecke ich mich weit nach vorn, liege auf ihrem Hals und zerquetsche die Insekten. Voller Blut ist wieder einmal meine Hand. Panca aber wendet nun immer den Kopf zu mir, wenn wieder ein Bsik gelandet ist.

Vom Schweiß völlig durchnässt, werden meine Knie innen aufgerieben, brennender Schmerz macht sich bemerkbar. Doch ich muss es ignorieren, darf die Pferde hier nicht stoppen. Schon sind es zwei Stunden, die wir so dahin jagen und das Ende der grünen Senke ist noch nicht in Sicht. Die unglaubliche Kondition der Pferde wird mir hier bewusst. Panca zeigt kaum schweißnasse Stellen, Puschkin wie immer erheblich mehr, doch schon beginnen sie abzutrocknen, wahrscheinlich vom beachtlichen Fahrtwind.

Drei Stunden sind es bereits, ohne dass wir langsamer wurden. Auch meine Kräfte lassen kaum nach, dieser Ritt hat mein Blut in Wallung gebracht. Endlich steigt das Gelände langsam wieder an. Immer schmaler wird der sumpfige Streifen und endlich taucht sein Ende auf. Dort ist jener Bach, der sein Wasser aus den Bergen in dieses Tal bringt, wo es versickert. Dann eine drei Meter hohe Böschung hinauf und wir stehen wieder auf verdorrtem Steppenboden. Erst hier stoppen auch die Pferde, die Bsik sind verschwunden. Bat hat an dieser Abbruchkante mit dem Gespann auf uns gewartet, denn längst ist die übliche Tagesleistung überschritten.

Die Pferde haben sich reichlich Ruhe und Futter verdient. Noch ein Stück am Bach entlang, dann schlagen wir die Koppel auf und ich lasse die Pferde frei. Hier können sie fressen und saufen, soviel sie wollen. Die Sonne nähert sich dem Horizont, damit ist die Aktivphase der Bsik vorbei.


Zwischen zwei Plateaus liegt ein tiefer Geländeeinschnitt vor uns. Steil geht es hinunter und drüben auf der anderen Seite sehe ich einsam ein Kamel stehen: genau an der Piste, die dort wieder hinaufführt. Eine Umgehung ist hier nicht möglich, wir müssen wegen Dornengestrüpp und Geröll auf der Piste bleiben. Unbeweglich steht es dort und ich hoffe, es wird weggegangen sein, bis wir dort ankommen. Schon haben wir die Sohle des Einschnitts erreicht und steigen hinauf, da kommt uns das Tier doch tatsächlich auf dem Pfad entgegen. Noch schreiten meine Pferde tapfer voran, doch ihr Ohrenspiel verrät, dass auch sie das Kamel bereits entdeckt haben. Ein wenig zögernd werden ihre Schritte und ich beginne, ihnen mit ruhiger Stimme Mut zu machen, denn ich kenne ja ihre Angst vor diesen riesigen Ungetümen.

Bis auf zehn Meter trotten sie heran, da bleibt das Kamel stehen - mitten auf dem Weg! Sofort stoppen nun auch meine zwei - wie angewurzelt. Mit Rufen versuche ich, das Kamel zur Umkehr zu bewegen, doch es reagiert nicht. Minuten dauert es, in denen sich die Tiere gegenüberstehen. Gelassen und ungerührt das Kamel, meine Pferde mit unbeweglich nach vorn gerichteten Ohren und schreckgeweiteten Augen. Endlich weicht das Kamel, geht mit seinen großen, polsterballenbewehrten Füßen in das Dornengestrüpp. Keine fünf Meter weiter bleibt es jedoch wieder stehen. Puschkin aber ist nun ganz, ganz tapfer und marschiert erhobenen Hauptes voran. Panca in seinem Körperschatten geht ängstlich, doch voller Vertrauen, mit. Im Vorbeigehen bleiben ihre Blicke auf dem fremden Gesellen kleben und kaum sind wir ein paar Schritte an diesem Angst einflößenden und dabei völlig harmlosen Tier vorbei, springen meine Pferde wie auf Kommando gewaltig an, jagen die steile Böschung hinauf und selbst auf dem Plateau wollen sie sich gar nicht beruhigen. Ich zügle sie nicht, lasse sie ihren Frust von der Seele laufen. Schließlich haben sie sich tapfer verhalten und sind keinen Schritt zurückgewichen. Vor Monaten noch hätten sie sicherlich kehrt gemacht oder wären unter Verletzungsgefahr in das gefährliche Gelände ausgewichen.




 

"Dschingis Khans Tochter - Erinnerungen eines Abenteurers"


"AUF DEM WEG NACH PEKING

Wieder müssen wir eine Nacht in Erlian verbringen, bevor wir am nächsten Tag Richtung Peking aufbrechen können. Wir schlendern durch die Straßen, da sieht Muuggi einen kleinen Friseurladen. „Oh, jetzt könnte ich meine Haare abschneiden lassen“, sagt sie.
„Aber Muuggi, nicht Deine schönen Haare abschneiden“, rufe ich entsetzt.
„Nein“, lacht sie, „nur ein wenig kürzer. Siehst Du, sie brechen an den Spitzen.“
Dann geht sie hinein und ich warte draußen auf der Straße und beobachte, auf einem Stein sitzend, das Treiben in der Stadt. Plötzlich höre ich laute Stimmen im Laden. Muuggi schimpft fürchterlich und ruft:
„Maanfred, bring ein Messer. Ich bringe sie um. Ich töte sie! Sie hat meine Haare verdorben! Sie hat keine Ahnung! Sie ist keine Friseur! Polizei, ruf die Polizei!“
Erschrocken springe ich auf und eile in den Laden. Kreidebleich steht eine junge Chinesin in der Ecke des Raumes und ein Mann, offensichtlich der Ladenbesitzer, versucht Muuggi festzuhalten, die zur Tür hinaus will. Jetzt sieht sie mich: „Schau hier, was sie gemacht hat. Alles kaputt!“
Der Mann hat jetzt ihren Arm gepackt, doch Muuggi reißt sich los und schlägt nach ihm. Er weicht zurück und Muuggi schreit weiter:
„Polizei, ich hole die Polizei!“ Endlich ist sie an der Tür und der Mann springt ihr nach, will sie festhalten. Nun verstelle ich ihm den Weg und brülle ihn mit funkelnden Augen an: „Polizei!“

Das hat ihn eingeschüchtert, er bleibt zurück und ich folge Muuggi, die noch immer schimpft und immer wieder ihr viel zu kurz gewordenes Haar nach vorn wirft, um es zu untersuchen.
Ich kann sehen, dass es wirklich nicht gut geschnitten ist, sondern etwas schief und Stufen sind auch zu erkennen. Immer noch reicht es ihr weit unter die Schultern, aber Muuggi hatte andere Vorstellungen von der erwünschten Länge. „Immer wieder schneiden! Mal hier, mal da, und immer kürzer!“, sie ist noch immer wütend, kann sich gar nicht beruhigen.

Ich weiß um ihre Empfindlichkeit, wenn es um ihr prächtiges Haar geht und Mongolinnen haben in dieser Beziehung sowieso eigene Ansichten. Niemals warf Muuggi ausgekämmtes Haar, das sie aus der Bürste zog, einfach von sich:
„Vögel nehmen es mit, um Nest zu bauen, dabei tragen sie meine Seele fort!“, erklärte sie mir voller Ernsthaftigkeit und verbrannte die Haare mit einem Feuerzeug.

Für die Rückfahrt nach Peking müssen wir auf die Bequemlichkeiten der Transmongolischen Eisenbahn, und damit auch auf einen Schlafwagen verzichten, denn dieser Zug, der aus Moskau kommt und schon viele Tage unterwegs ist, kommt hier nicht am Sonntag durch. Also wieder der Bummelzug nach Jining.
Als wir dort eintreffen, geht es mir gar nicht gut. Kopfschmerzen und Übelkeit machen mir zu schaffen und ich fühle mich schwach. Die Ursache ist mir rätselhaft. Muuggi bemerkt mein Unwohlsein und sofort erwacht in ihr der Mutterinstinkt.
Besorgt umhegt sie mich jetzt und lässt in dem kleinen Hotel eine „schwarze Suppe“ für mich kochen. Eigentlich mag ich gar nichts essen, doch Muuggi besteht darauf. Tatsächlich gelingt es mir, die große Schüssel vollständig zu leeren und überrascht stelle ich fest, dass es mir ganz schnell wieder besser geht. Die Suppe ist tatsächlich sehr dunkel, fast schwarz und wohl ein mongolisches Geheimrezept. Sie enthält viel gewürfeltes Fleisch und die dunkle Brühe entstand offensichtlich von aufgekochtem Blut.

Auf dem Bahnhofsvorplatz von Jining stehen viele Busse. Ich kann sehen, dass darin aber keine Sitzreihen aufgestellt sind, sondern Doppelstockbetten. Als es zu dunkeln beginnt, versammeln sich die Fahrgäste dieser Busse auf dem Vorplatz und die Fahrer sind damit beschäftigt, deren Gepäckstücke auf dem Dach der Busse festzuzurren und mit einer Plane abzudecken. Jede Nacht sind diese Busse unterwegs und erreichen am Morgen Peking. Das interessiert mich. Auf den überfüllten Zug nach Peking habe ich keine Lust, im Bus könnte man liegen und vielleicht sogar schlafen. Es ist nicht teurer als mit dem Zug zu reisen, deshalb kaufe ich zwei Fahrkarten. Die letzten waren es, die noch zu ergattern waren und wir müssen uns sputen, denn unser Bus steht schon zur Abfahrt bereit. Nur noch zwei Liegeplätze sind frei: auf der quer durch den Bus laufenden hinteren Liegefläche, oben.

Matratzen sind ausgelegt und auch Decken stehen zur Verfügung. Jeder hat seine Schuhe ausgezogen, so sind die sich schnell ausbreitenden Gerüche schon nicht mehr angenehm. Schulter an Schulter liegen jetzt hinten acht Personen nebeneinander, die Füße in Fahrtrichtung, die Köpfe am rückwärtigen Fenster. Doch nicht von den Füßen allein kommen unangenehme Gerüche. Als mein Nebenmann links, ein junger Chinese, plötzlich seinen Körper auf seine rechte Seite dreht und ein Schwall seines Atems meine Nase erreicht, glaube ich ersticken zu müssen.
Einen solchen Knoblauchdunst wie jetzt, erlebte ich bisher nie. Nicht mehrere Zehen, gleich mehrere Knollen muss dieser Mann kürzlich erst verzehrt haben, mir wird ganz schlecht. Dabei stellt sich in den kommenden Stunden auch noch heraus, dass die rechte seine Lieblingsliegeseite ist. Nun wird es auch die meine und ich mache einen ganz runden Rücken dabei, um den Abstand zu ihm zu vergrößern. Rechts von mir liegt Muuggi und in der Beuge ihres Halses kann ich endlich wieder atmen.

Muuggi hat mein Problem erkannt, der Schwall dieses grausamen Atems reicht noch weit über uns hinweg und selbst der Mongole, der als letzter rechts am Fenster liegt, reißt es plötzlich entsetzt auf.
Muuggi aber deckt unsere Köpfe mit einer Decke bis unter die Augen ab, so lässt es sich endlich ertragen. Kopf an Kopf liegen wir Geplagten nun in diesem Bus und lassen uns schüttelnd durch die chinesische Nacht tragen.

Dem Mongolen neben Muuggi drückt scheinbar plötzlich die Blase. Aber alle wissen, dass es nur einen Stopp um Mitternacht geben wird. Was soll der arme Kerl tun? Sicherlich bereut er jetzt jedes Bier, das er in dem Hotel noch vorher schnell getrunken hat. Jetzt will es raus, ganz unruhig wird der Mann schon, wirft sich hin und her. Da kommt ihm die rettende Idee: hastig dreht er sich auf seine rechte Seite, öffnet erneut das kleine Schiebefenster neben sich und seine Hose. Unter erleichtertem Stöhnen leert sich seine Blase und ein gewaltiges Rinnsal, vom Fahrtwind nach hinten und um den Bus herum getrieben, zieht sich an der Außenseite der Fenster entlang. Wie viel davon der Fahrtwind auch nach innen gepresst hat und damit in die Hose des Mannes hinein, konnte ich nicht erkennen. Sehr wohl aber seinen unglücklichen Gesichtsausdruck während der restlichen Fahrt..."




 

"Zweieinhalb Huzulen und ein Abenteurer"


"AUF DER SUCHE NACH GEEIGNETEN KAMERADEN

Puschkin prüft alle Futterplätze, während die anderen rechtzeitig weichen. Tut es einer nicht schnell genug, werden Puschkins Signale deutlicher. Kurzes Anheben seines markanten Kopfes, angelegte Ohren, deutliches Nicken in die Richtung dessen, der nicht rechtzeitig reagierte und jetzt einen scharfen Blick erntet. Das genügt. Ein ernsthafter Angriff kann ausbleiben. Erst, wenn Puschkin den Futterplatz gefunden hat, der ihm wegen des frischesten Heus am besten gefällt und zu fressen anfängt, beginnen die anderen rundum, sich an die anderen Heuhaufen zu wagen.
Am Abend lese ich in der Kopie eines Buches über die Huzulen die Beurteilung eines österreichischen Pferdexperten und Kenners dieser Pferderasse. Oberstleutnant a.D. Ernst Hackl schrieb um 1900 in seinem Buch „Bergtarpan der Waldkarpaten“ unter anderem etwas, das natürlich besonders mich mit meinem Vorhaben beeindrucken musste:

„Wenn du versucht bist, ihn nicht ernst zu nehmen und gute Nerven hast, dann lasse dich einige Tage – und Nächte werden daraus von selbst - durchs Gebirge von ihm tragen: den schwarzen Czeremosz aufwärts zum Baltagul, auf den Ladescul, den Pop Iwan, über Hänge, Wildbäche, Urwald und Sumpf, bis der Steig am Bergrutsch abreißt und dich das Grausen angeht.
Wenn du´s nicht verträgst, da hinunter zu schauen über das rieselnde Geröll, und nicht nachten willst im Urwald, mit ein paar rotglühenden Lichtern, mache die Augen zu und lasse es seine Sache sein, wie er das macht, da tastend hinüber zu kommen. Nur störe ihn nicht. Sobald er drüben gelandet ist mit dir und deinem Angstschweiß, mit einem Ruck am Rande in dem Augenblick, wo unter seinem 4. Huf das Geröll hinunter donnert und er befriedigt prustend stehen bleibt - nimmst du ihn ernst, sehr ernst, und gibst ihm, wenn er´s mag, dein letztes Stück Brot. Du wirst ihn nicht mehr dressieren nach den Regeln der Reitkunst und, wie sie glaubt, dass er den Kopf zu stellen hat, wie sie ihn lehren will, dass er sein Gleichgewicht zu finden hat. Brückenlos im Finstern durch 19 brausende Furten, bis Baltagul läßt du ihm seinen Willen, auch wenn er mitten im reißenden Fluß stehen bleibt, umdreht und wendet und wieder wendet, sodass du nicht mehr weißt, wo die Ufer, wo rechts, wo links, ob´s vorwärts oder rückwärts geht...er bringt dich verlässlich zur Unterkunft. Trotz Nacht. Aber zwinge ihn nicht gegen sein besseres Wissen, er kennt seine Heimat und ihre Tücken. Du nicht. Und wenn du es anders machst, brichst du ihm das Bein und Dir das Genick.“

Diese Sätze und alles, was noch ungesagt zwischen ihnen steht, beeindrucken mich gewaltig. Jener verallgemeinerte Huzul, den der Oberstleutnant hier mit „ihn“ und „er“ bezeichnet, beginnt hinter meinem geistigen Auge die Persönlichkeit vor allem Puschkins anzunehmen. Und ab jetzt beginne ich auch, ihn nicht mehr „erziehen“ zu wollen oder zu „dressieren nach den Regeln der Reitkunst“, sondern nur noch an mich zu gewöhnen, ihm geduldig zu erklären, was ich von ihm erwarte, ihn aber nicht dazu zu zwingen.
Und bald erkenne ich, dass er sehr schnell versteht, was ich will und immer öfter versucht, es mir recht zu machen.
Der Februar beginnt, als wir gemeinsam in den Rheingau „heimkehren“. Eine große Weide und ein Offenstall warten bereits. Und meine Tochter, die in meiner Begleitung jetzt den jungen Polen ersetzt. In den Wäldern des Taunus wird lückenlos weiter trainiert, die Tagesstrecken immer größer. Auch eine gute Kondition wird wichtig sein, wenn ich nach zwei Monaten starten will.
Puschkins herausragende Pferdepersönlichkeit wird mir immer deutlicher. Beim Training mit Handpferd, das ich ja nicht vernachlässigen darf, ganz besonders. Unter mir und Panca am Handseil gibt es keinerlei Probleme. Puschkin als besonders dominantes Pferd will immer voraus gehen und Panca gefällt es, neben- oder hinterher zu gehen und zu traben. Doch auf der Erdumrundung wird es ja auch umgekehrt gehen müssen, den Packsattel soll nicht immer nur dasselbe Pferd tragen. Deshalb versuche ich, Panca den Reitsattel aufzulegen und nehme Puschkin an das Handseil. Sofort merke ich, dass ihm das gar nicht gefällt. Es stört ihn nicht nur, dass er nebenher oder bei entsprechenden Wegen hinterher gehen muss, er fühlt sich zurück gesetzt. Immer wieder schnaubt er unwillig, deutlich verärgert ist sein Gesichtsausdruck. Er versucht, wenigstens seinen Kopf vor den Pancas zu bekommen, doch das muss ich verhindern, damit er beherrschbar bleibt. Mit aller Kraft versuche ich, ihn zurück zu halten und schimpfe mit ihm. Unwillig schüttelt er seinen Kopf und zeigt mir deutlich, dass er dafür gar kein Verständnis hat.
Endlich wird es ihm zu viel, verärgert geht er vorn hoch, entreißt mir mit einem Ruck das Handseil und stürmt in gestrecktem Galopp zurück. Ich wende Panca und nehme die Verfolgung auf. Dabei wird mir himmelangst. Wann und wo wird Puschkin einzuholen sein, wenn überhaupt? Da gibt es ja auch Autostraßen – wenn er die überquert!
Angstschweiß bricht mir aus allen Poren. Er kann sich doch allein noch gar nicht so gut auskennen in diesem Gelände, ist doch erst wenige Tage hier und alle Wege sind wir längst noch nicht geritten. Aber wie unterschätze ich ihn da! Er benutzt nicht die Wege, die wir gingen, doch die Richtung, sogar querfeldein mit Abkürzungen, nimmt er ganz genau und stoppt seinen Galopp erst am großen Tor vor seiner Weide. Als ich mit Panca endlich bei ihm bin, steht er davor und blickt mich mit seinen klugen Augen an als wollte er mir sagen: „Verstehst du nicht, dass ich der Herdenführer bin?...“




 

"Klabautermann verlass uns nicht!"


"TOD AN BORD

...Der Kapitän ist noch keine Stunde an Bord, als der erste Maschinist mit schreckgeweiteten Augen auf ihn zustürmt. „Kommen Sie, es ist was Schreckliches passiert“ und alle, die jetzt um den Kapitän herumstehen, folgen dem verstörten Maschinisten die Treppe hinunter in den langen Gang zu den Kammern. An der Tür zu Rudis Kammer lässt der Erste seinem Kapitän den Vortritt. Der sieht auch das weiße Seil und scheint zu ahnen, was passiert ist. Beherzt drückt er die Tür mit aller Macht weiter auf und nun kann jeder, der in den Raum tritt, Rudi, den zweiten Maschinisten sehen: Das weiße Seil kommt auf der Innenseite der Tür von deren Oberkante und endet in einer fest zusammengezogenen Schlinge um Rudis Hals. Sein Kopf ist leicht nach vorn geneigt, unnatürlich hell und fahl ist seine jetzt pergamentene Haut. Der Oberkörper hängt herab und ganz schlaff auch die Arme. Sein Gesäß hat den Boden nicht erreicht und auch nicht seine Hände. Die Beine sind schräg abwärts nach vorn gestreckt, nur die beschuhten Fersen berühren den Boden. Neben Rudi liegt eine leere Whiskeyflasche und auf dem Tischchen ein handgeschriebener Brief.
Auch Manne ist in seiner Neugier den anderen gefolgt, um zu sehen, was den ersten Maschinisten so erschreckt hat. Nun steht er da mit einem Gefühl des Grauens und ist zu keinem Wort fähig. Der Kapitän wirft einen Blick auf den Brief, dann scheucht er alle mit ausgestreckten Armen aus der Kammer. Während an Deck brummelnd diskutiert wird, was zu dieser schrecklichen Tat führen konnte, eilt der Kapitän in das Büro seiner Reederei und kurze Zeit später kommt ein Polizeiauto mit Blaulicht.
Zwei Polizisten inspizieren Rudis Kammer, lesen seinen letzten Brief und schreiben ein Protokoll. Dann kommt ein Leichenwagen vorgefahren und in einem Blechsarg mit je zwei Griffen vorn und hinten wird Rudi von Bord getragen. Still und ein wenig blass starren alle auf diesen Sarg, in dem einer von ihnen jetzt für immer an Land gebracht wird.
„Was ist nur passiert, dass Rudi das tun konnte?“ Keiner hatte irgendein Anzeichen an Rudi bemerkt. Er war ein stiller, reifer Mann, der immer gewissenhaft seine Arbeit machte. Er verdiente gut und jeder wusste, dass er eine gut aussehende Frau hatte, die ihn zu jeder Reise zum Schiff brachte und ihn auch abholte, wenn die Kap Farwell wieder ihren Heimathafen erreicht hatte.
„Auch beim letzten Mal vor wenigen Tagen?“, jetzt kommen einige ins Grübeln.
„Nee, ich glaube nicht. Ich meine, er hat diesmal ein Taxi genommen“, sagt Herrmann.
Jetzt gehen auch die Polizisten von Bord und der Erste Maschinist tritt zu der großen Gruppe der ratlos an Deck Rätselnden und erklärt: „Rudi kam nach Hause und fand seine Frau mit einem anderen im Bett. Das hat er nicht verkraftet. Er war so sicher, dass sie ihm treu sei. Das stand im Brief.“
„Kannst Du Dich noch an die Story erinnern, die jahrelang auf allen Schiffen erzählt wurde? Wo dieser Steuermann unterwegs überraschend gestorben war?“, fragt Herrmann seinen Namensvetter.
„Ja, ja“, antwortet der. „Der muss einen Herzschlag gehabt haben. Fiel einfach um und sagte keinen Mucks mehr“. Sofort richten sich jetzt alle Blicke neugierig auf Herrmann, den ersten Steuermann und der erzählt weiter:
„Also, alle waren bis obenhin beschäftigt. Fisch ohne Ende, ihr wisst schon. Keine Zeit für Pausen, keine Zeit zum großartig Nachdenken. Und dann fällt auch noch einer aus! Seit Tagen hat keiner mehr richtig geschlafen und alle waren hundemüde. Wohl auch der Kapitän, denn der ordnete an, dass dieser tote Steuermann in den Tiefkühlraum gelegt werden soll. Die Reise jetzt zu unterbrechen oder gar abzubrechen, kam ihm nicht in den Sinn. Und wenn der tiefgefroren ist, kann der auch noch nach Monaten seziert werden. Allerdings hat er in dem ganzen Trubel vergessen, die Reederei zu verständigen.“
„Is ja ´n Ding“, sagt Fiete. „Stell Dir mal so was vor. Da kratzt du unterwegs ab und wirst noch wochenlang spazieren gefahren. Und wie ging das weiter?“
„Also, warum auch immer, der Kapitän hat den ganzen Vorgang einfach vergessen und alle anderen glaubten wohl, dass alles seine Richtigkeit hat, also das die Reederei Bescheid weiß. Sie machen nach Wochen in Altona fest und da steht auch schon die Frau von dem Steuermann mit ´nem Blumenstrauß in der Hand, um freudestrahlend ihren Mann abzuholen. Doch der kommt und kommt nicht. Als sie schließlich nach ihm fragt, wird sie zum Kapitän geschickt, der gerade mit seinen Papieren zur Reederei will. Da fällt ihm das wieder ein und unter tausend Bitten um Verzeihung führt er die Frau zu ihrem Mann, der bretthart und eisgrau in dem Tiefkühlraum steht, denn liegend hat er zu viel Platz verbraucht, der ja für den Fang benötigt wurde. Da ist die Frau einfach umgefallen.“
„Na so ein Wunder!“, sagt Fiete. „Und so ein Seemannsgarn!“, und lacht lauthals, bis ihm wieder einfällt, dass gerade einer ihrer Kollegen tot von Bord getragen wurde. Erschrocken hält er inne und sein Gesicht wird wieder ernst.
„Nein, nein“, antwortet Herrmann. „Das ist kein Seemannsgarn, das ist Tatsache. Frag mal im Büro drüben, die werden es Dir bestätigen“.
Dröhnend ertönt jetzt Willis Stimme, der aufgebracht ist und sehr blass im Gesicht. Er ist der älteste an Bord und der erfahrenste Seemann ringsum. Auf Windjammern wurde er zum Seemann und auf diesen alten Segelschiffen verbrachte er die meiste Zeit seines Lebens. Jene Zeiten, die er irgendwo an Land verbrachte, machen noch nicht mal zehn Prozent seines langen Lebens aus. Seinen sechzigsten Geburtstag feierte er schon vor vielen Jahren und was er alles in seinem Leben als Seemann erlebte, erzählte er bisher Niemandem, denn er hat längst keine Familie mehr: „Schämt Ihr Euch gar nicht? Wisst Ihr nicht, was für schändliches Zeug Ihr da redet und obendrein noch lacht? Wenn einer von Euch an Bord gestorben ist und schändlich gequatscht wird, kaum dass er von Bord getragen wurde, dann hat das Folgen. Habt Ihr schon mal vom Klabautermann gehört? Euch Gedanken gemacht, was hinter diesen Geschichten steckt? Dass sind nicht bloß irgendwelche Sagen von einem Kobold, der auf Schiffen seine Possen treibt. Er beeinflusst als gequälter Geist eines verstorbenen Seemannes das Leben auf jedem Schiff.“
Alle sind plötzlich mäuschenstill geworden und richten ihre Blicke auf Willis Gesicht, dessen Augen ungewöhnlich groß geworden sind, beinah wie glühende Lichter aus seinem faltigen Gesicht strahlen. Diese Augen ziehen alle anderen in ihren Bann und keiner weiß, warum das so ist. Nie sah jemand diese Augen bei Willi, der immer die Ruhe selbst war, niemals laut geworden war, sich mit niemandem jemals anlegte.
Herrmann findet als erster seine Sprache wieder und er sagt sehr kleinlaut: „Aber sicher wird wohl jeder schon die Geschichten vom Klabautermann gehört haben. Und sicher beschleicht jeden, der als Seemann in schwerer See unter Lebensgefahr unterwegs ist, ein Gefühl der Angst, wenn er an den Klabautermann denkt. Da geht es ja nicht nur um Possen, die er mit der Mannschaft treibt, er warnt sie ja auch und bringt den Seeleuten Respekt bei. Das ist ja wohl seine Aufgabe als Geist eines verstorbenen Seefahrers.“
„Das mit Rudi ist ein schlechtes Omen für die nächste Reise“, sagt Willi. „Vor allem, dass sie ihn mit dem Kopf zuerst von Bord trugen. Ist das Niemandem aufgefallen? Für den Klabautermann ist das ein Zeichen, dass man ihn so schnell wie möglich loswerden wollte und keinen Respekt vor ihm hat. Rudi aber hat dieses Schiff, sein Schiff, als sein Grab auserwählt. Er wollte weiterhin unter uns sein, denn von uns wurde er nie enttäuscht. Wenn sein Kopf als letzter Teil seines Körpers das Schiff verlässt, bedeutet es, dass seine Seele an Bord bleibt. Doch seine Seele ist nun dort, wo er so sehr gedemütigt wurde, dass er keinen anderen Ausweg mehr wusste, als sich das Leben zu nehmen.“
Eine seltsam gedrückte Stimmung zwischen Ehrfurcht und Demut herrscht unter der Besatzung. Selbst die Rauf- und Trunkenbolde unter ihnen bringen kein Wort mehr über die Lippen und sind versunken in trüben Gedanken. Dass Seemänner sehr abergläubisch sind, weiß Manne längst. Doch was er nun hier erlebt, lässt auch ihn erschauern und auch ihn lassen die Worte dieses alten Seemannes nicht unberührt.
„Wenn da mal nix passiert...“, sagt Willi sehr ernst und fügt hinzu: „Denkt daran auf der nächsten Reise: wenn ihr ihn klopfen hört, dann sind es Warnungen. Hört ihr aber das schabende Geräusch, als hobele jemand Holzplanken, dann verlässt der Klabautermann das Schiff, denn es wird untergehen.“ Dann wendet er sich ab und schlurft zum Niedergang. Als Manne anschließend auf dem Weg zu seiner Kammer an der von Willi vorbei geht, sieht er ihn durch die offenstehende Tür auf dem Boden knien und über gefalteten Händen ein Gebet sprechen..."




 

"Temujins Vermächtnis" Band 1, 'für die Erben Dschingis Khans'


"Ein Teufelskerl

..."Was wollen die hier in der Mongolei, so weit entfernt von ihrer Heimat?“ Manne ist blass geworden, doch Angst blockiert ihn noch nicht, denn noch benehmen sie sich ja nicht feindselig. Vielleicht wollen sie nur versuchen, irgendwelche Informationen von ihm zu bekommen?
Aber ihre Gesichter sind ernst und unnahbar und der mit der MP im Anschlag deutet jetzt ruckartig mit dem Lauf seiner Waffe zum Schatten an der Felswand. Und nun erkennt Manne, dass es hier eine Lücke gibt, die in eine breiter werdende, aber kurze Schlucht abzweigt.
Eine Flucht ist jetzt nicht mehr möglich und Manne macht sich Vorwürfe, nicht auf Temujin gehört zu haben und rechtzeitig umgekehrt zu sein. Aber vielleicht lassen sie ihn ja weiter ziehen, wenn sie merken, dass er ihnen keine Informationen liefern kann. Also geht er durch die Öffnung und Temujin folgt ihm.
Hinter der Enge des Eingangs tut sich ein runder Platz auf, vielleicht fünfzig Meter im Durchmesser und auch hier streben ringsum die Felswände senkrecht in den Himmel. Diese Schlucht ist wie eine Höhle ohne Dachgewölbe. Weitere acht Männer, alle gleich gekleidet, sitzen um ein kleines Lagerfeuer und blicken ihren Besuchern entgegen. Alle sind mittleren Alters, vielleicht um die Vierzig, nur einer ist erheblich älter und sein Bart ist der längste. Er scheint der Wortführer zu sein.
Jetzt hebt er seinen rechten Arm und deutet auf Temujin. Dabei spricht er in befehlendem Ton in einer Sprache, von der Manne absolut nichts verstehen kann.
Die zwei Posten gehen wieder zum Eingang und zwei andere erheben sich und treten zu Temujin. Manne versucht, ihnen den Weg zu versperren, breitet seine Arme weit aus, als wollte er sein Pferd beschützen und protestiert lautstark.
Ärgerlich schreit ihn einer an und rammt ihm den Kolben seiner MP in die Rippen, dass Manne augenblicklich die Luft wegbleibt. Rasend breitet sich ein stechender Schmerz in seiner Brust aus. Er wankt zur Seite und geht in die Knie. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und unter heftigem Stöhnen beobachtet er machtlos das Tun dieser Männer. Sie untersuchen von beiden Seiten die Verschnallungen des Sattels und lösen sie.
Dann heben sie den Sattel mit den Packtaschen von Temujins Rücken und legen alles auf den Boden. Neugierig erheben sich die anderen und öffnen alle Taschen, breiten alles, was sie darin finden, auf dem Boden aus und vergnügte Überraschungslaute sind zu hören. Alle Utensilien der Ausrüstung werden genau untersucht und die Lebensmittel untereinander aufgeteilt.
Dabei entsteht Streit, denn diese Männer scheinen ziemlich ausgehungert zu sein. Der Anführer fährt zwischen die Streithähne und weist sie barsch zurecht.
Temujin hat jetzt nur noch sein Lederhalfter an und das zum Zügel geknotete Führseil. Von beiden Seiten wird er am Halfter gehalten und ein dritter schwingt sich behende auf seinen Rücken. Doch genauso schnell, wie er oben war, fliegt er auch schon wieder in hohem Bogen zur Erde, denn Temujin geht mit der Hinterhand steil in die Höhe und wirft sich herum. Dabei schleudert er gleich noch einen der haltenden Männer zu Boden, dass es nur so staubt und der dritte hat Mühe, das Halfter im Griff zu behalten. Temujin tänzelt aufgeregt. Jetzt hat Manne Angst um sein Pferd und er schreit, so laut er kann: „Temujin lauuuuuf!“
Dieses Pferd, das in seinem bisherigen Leben nur Gutes von Menschen erfuhr, sie immer als Beschützer empfand und in deren Nähe er sich grenzenlos sicher fühlte, hat dennoch sein feines Gespür für Gefahren nicht verloren. Sein natürlicher Instinkt sagt ihm, dass diese Menschen hier anders sind. Sie traten ihm anders entgegen, als alle anderen bisher. Sie versuchen, ihn zu etwas zu zwingen, was ihm nicht gefällt. Sie berühren ihn unsanft und schreien ihn aggressiv an. Sie versuchen, ihn festzuhalten, seine Bewegungsfreiheit einzuschränken und seine feinfühlige Seele spürt Gefahr von ihnen ausgehen. Gerade haben sie seinen Lebensfreund brutal geschlagen und genau so brutal treten sie ihm entgegen.
Eine nie gekannte Angst ergreift ihn, lässt ihn seine Augen so weit aufreißen, dass ein weißer Ring um die fast schwarzen Pupillen entsteht und seine zunächst steil aufgerichteten Ohren klappen plötzlich blitzschnell nach hinten. Die Nüstern weiten sich so sehr, dass sie sich weit vom Maul abspreizen und ein gewaltiges Angstschnauben entströmt ihnen, beinah dem zaghaften Trompeten eines Elefanten vergleichbar. Dann öffnet er sein Maul und entblößt das Gebiss, der Anblick seines weit vorgestreckten Kopfes gleicht nun dem eines wütend fauchenden Löwen. Manne beobachtet ihn mit verhaltenem Erstaunen und schickt ein wortloses Gebet in den Himmel.
Der Mann, der das Pferd noch immer hält, verzerrt sein Gesicht zu einer wutentbrannten Fratze und mit einem wilden Schrei zückt er ein riesiges Messer aus seinem Gürtel. Doch bevor er mit weitausholender Armbewegung zustechen kann, ist Temujin vorn hochgegangen, steht fast senkrecht vor dem Mann und seine Vorderhufe treffen den Wüstling mitten ins Gesicht. Augenblicklich lässt er das Halfter los und in einer rasenden Bewegung wirft sich Temujin herum und knallt ihm einen Hinterhuf mit voller Wucht gezielt gegen den Kopf.
Nun sind alle aufgesprungen und greifen nach ihren Schusswaffen. Doch bevor sie die noch in Anschlag bringen können und entsichern, ist Temujin bereits mit drei Galoppsprüngen im Eingang zu dieser Höhle, rennt die beiden Wächter über den Haufen und jagt in fliegendem Galopp die kilometerlange Schlucht in jene Richtung, in die er eigentlich mit Manne wandern wollte. Als die beiden Wächter endlich ihre Körper wieder unter Kontrolle haben und ihre MPs eingesammelt, ist Temujin bereits so weit, dass die Salven, die sie ihm nachschicken, nicht mehr treffen können.
Das Verhalten der Männer bringt Manne schließlich die Gewissheit, dass es Temujin geschafft haben muss, denn keiner läuft irgendwohin, um Pferdefleisch zu holen. Stattdessen lassen sie jetzt ihren ganzen Zorn und ihre ganze Enttäuschung an ihm aus. Sie stehen um den am Boden knieenden, der beide Arme um seinen schmerzenden Oberkörper geschlungen hat, schreien auf ihn ein und dreschen immer wieder in wahnsinniger Wut mit den Kolben ihrer MPs von allen Seiten auf seinen Körper und gegen seinen Kopf, bis er ohnmächtig zu Boden sinkt.
Als Manne wieder zu sich kommt, beginnt es bereits zu dunkeln. Mühsam versucht er sich zu erinnern, warum er hier im Staub liegt und sich nicht bewegen kann. Ganz langsam kehrt seine Erinnerung zurück: die erste Begegnung mit den zwei Wächtern, das Hineindrängen in diese Höhle, das Bedrängen Temujins! Plötzlich wird ihm glasklar, dass diese Männer es von Anfang an auf Temujins Leben abgesehen hatten.
Allem Anschein nach sind sie schon länger hier und haben vielleicht seit Tagen keine Lebensmittel mehr. Das Fleisch eines Pferdes würde für lange Zeit reichen. Aber wenn sie hungern, warum ziehen sie dann nicht weiter? Bei den Viehzüchtern scheinen sie sich nicht sehen lassen zu wollen..."




 

"Temujins Vermächtnis " Band 2, 'Die Unbelehrbaren'


"Saddikkis Ende

...„Wo kann sich dieser Saddikki hier mit zwei gefangenen Menschen und drei erbeuteten Pferden verstecken? In der Steppe um Tolbar gibt es wohl kaum eine Möglichkeit. Nur die Dunkelheit kann hier sein Verbündeter sein. Die Menschen kann er knebeln, damit sie keinen Laut von sich geben können, um sein Versteck zu verraten. Aber die Pferde doch nicht!“
Endlich findet eine Idee den Weg in sein verzweifelt arbeitendes Hirn: „Vielleicht sollte ich Temujin rufen. Sein Gehör ist viel besser als das eines Menschen. Vielleicht kann er mir aus dem Versteck antworten?“
„FuuuiiiiFiiiih!“, pfeift Mandraa diesen Pfiff, den sein Pferd seit Jahren von ihm kennt und auf den er immer reagierte, wie weit er auch von ihm entfernt war. Und wieder „FuuuiiiiFiiiih!“ und immer wieder. Aber er erhält keine Antwort.
„Ich darf nicht nachlassen. Ich muss es immer wieder tun. Vielleicht versteckt er sich ja irgendwo in den Felsen hier am Rande des Tales und wir ritten vorhin nicht weit entfernt vorbei. Ich hätte da schon pfeifen sollen. Warum kam mir die Idee nur so spät? Vielleicht sollte ich noch einmal zum Eingang des Schmugglerpfades reiten und dort pfeifen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Saddikki dort irgendwo abwartet, bis Mitternacht vorbei ist, ist bestimmt am größten. Er weiß, dass in den letzten Nachtstunden die Schläfrigkeit der Menschen besonders groß ist. Das ist sicher die günstigste Zeit für einen Überfall zur Eroberung eines Fahrzeuges.“
„FuuuiiiiFiiiih!“, immer wieder in fast gleichmäßigen Abständen. Endlich sind sie bei dem ausgebrannten Autowrack, in dem noch immer die verkohlten Reste des Landstreichers hinter dem verbrannten Lenkrad auf den Resten des Fahrersitzes ruhen. Doch noch immer keine Antwort seines Pferdes, auf die er so sehr hofft. Auf sein erregtes Wiehern, auf sein hörbar unruhiges Tänzeln.
„Vielleicht wandte sich Saddikki nach links, um sich dort irgendwo zu verbergen und die Nacht abzuwarten?“
So reitet er weiter am Rande des riesigen Tales entlang, doch vergeblich.
„Und was wäre, wenn er weiter nach Ölgij geritten ist? Dort kennt er sich am besten aus. Dort findet er sicher noch eher ein Fahrzeug als in Tolbar. Vielleicht sollte ich erst einmal nach Hause reiten und mich mit Bat absprechen. Gemeinsam könnten wir dann mit dem Auto nach Ölgij fahren und dort auch die Polizei informieren. Das ist jetzt allemal wichtiger, als diese Geschichte mit den Banditen weiter zu verheimlichen. Jetzt geht es vor allem um Agijma und Tamuu und Temujin.“
„FuuuiiiiFiiiih! Also, auch hier kann nichts gewesen sein. Temujin hätte auf jeden Fall geantwortet. Weder dieser Saddikki noch wer weiß wie viele Männer hätten ihn daran hindern können und bestimmt auch nicht aufhalten, wenn er meinen Pfiff hört.“ So kehrt Mandraa wieder um und hat es jetzt eilig, in Bat Erdenes Tal zu kommen.
Es ist noch ein weiter Weg, doch dieses Pferdchen scheint überhaupt nicht müde zu werden. Es läuft und läuft. Ein Galopp ist wegen der eingeschränkten Sicht nicht sinnvoll. Doch im Schritt möchte es auch nicht gehen, es geht ja nach Hause. Also traben sie flott.
Endlich überqueren sie den Bach, der zu der großen Schlucht strebt, dann sehen sie den Eingang zur Schlucht vor sich. Jetzt hallen die eiligen Schritte des Pferdes von den Felswänden rechts und links wider.
Mandraa lässt immer wieder den Pfiff ertönen: „FuuuiiiiFiiiih!“ Auch dieser Pfiff hallt von den Wänden vielfach zurück. Nun nähern sie sich der Höhle, die der ersten Banditengruppe als Versteck diente und die auch Saddikki bekannt war.
Plötzlich sträuben sich Mandraas Nackenhaare und eine böse Ahnung bemächtigt sich seiner: „Was, wenn Saddikki diese Höhle als Versteck wählte? Er kann ja nicht wissen, dass auch wir sie kennen und was alles uns von ihm bekannt ist!“ Nur noch ungefähr einhundert Meter bis zur Höhle und noch einmal: „FuuuiiiiFiiiih!“ und dann hört er ihn laut und deutlich: Temujin antwortet ihm mit lautem Wiehern. Tausendfach schallt seine erregte Stimme aus der Höhle in immer leiser werdendem Widerhall. Dann deutliches Getobe stampfender Hufe und wie wutentbranntes Gebrüll der Stimme eines Pferdes, das mit dem entsetzten Schmerzschrei eines Menschen endet.
Endlich ist Mandraa bei der Höhle und gerade drängt sich ein fast schwarzes Pferd durch die schmale Öffnung nach draußen.
„Temujin! Mein Baby!“ Mandraa springt aus dem Sattel und umarmt erleichtert den Hals seines treuen Pferdes. Dann eilt er in die Höhle hinein und Temujin folgt ihm, obwohl er hier drinnen schon so viele böse Erfahrungen gemacht hat.
In der Höhle ist fast nichts zu sehen. Nur ein paar dunkle Schatten. „Agijma?“, ruft Mandraa voller Hoffnung auf eine Antwort. Und er bekommt sie: „MhhMhMh!“ Diese Antwort weist ihm die Richtung, in der er sie findet. Da ist ein kleiner Schatten an der Höhlenwand. Und daneben noch einer. Das müssen Agijma und Tamuu sein. Mandraa eilt dorthin und stürzt beinah über etwas, das vor ihm reglos auf dem Boden liegt. Dann ist er endlich bei ihnen: Agijma und Tamuu sitzen nebeneinander auf dem felsigen Boden mit gefesselten Händen und Beinen. Als erstes nimmt Mandraa ihnen nacheinander die Knebel ab, damit sie wieder frei atmen können.
„Mandraa, mein Liebling!“, hört er die schluchzende Stimme seiner Geliebten, die in einem Bach von Tränen der Erleichterung zu ersticken droht. Hastig schneidet er ihre Fesseln durch und zieht sie zu sich herauf. Ihr tränennasses Gesicht ist fest an das seine gepresst und ihre Arme umschlingen seinen Hals, als wollte sie diese nie mehr lösen. „Ich hatte so große Angst, dass Du uns nicht finden würdest.“
„Warte noch ein wenig, damit ich auch Tamuu befreien kann, dann will ich Dich nie mehr allein lassen“, sagt Mandraa voller Rührung.
Nachdem er auch die Fesseln an Tamuus Händen und Füßen durchschnitten hat, umarmt er beide gemeinsam und minutenlang stehen sie aneinandergedrückt und lassen ihren Tränen freien Lauf.
Endlich lösen sie sich voneinander und Agijma sagt: „Dieser Saddikki hatte eine Taschenlampe. Er muss dort irgendwo liegen. Temujin hat ihn niedergeschlagen. Als er Deinen Pfiff hörte, wollte Temujin hinauslaufen, doch Saddikki versuchte ihn aufzuhalten. Ich konnte es im Licht seiner Lampe sehen. Er hat Temujin angeleuchtet und ihm ins Halfter gegriffen. Ich sah noch, dass Temujin vorn stieg und nach ihm mit beiden Vorderhufen trat. Da konnte Saddikki noch ausweichen, musste ihn aber loslassen. Dann sah ich, dass Temujin blitzschnell herumsprang mit beiden Hinterhufen nach Saddikki ausschlug. Er muss ihn voll getroffen haben, ich konnte den doppelten Schlag hören und Saddikkis Schrei. Dann war es dunkel, die Lampe ist wohl irgendwohin geflogen und kaputt gegangen.“
„Lass sie uns suchen, vielleicht kann man sie wieder einschalten“, sagt Mandraa.
Es ist schließlich Tamuu, der sie findet und nach mehrmaligem Ein- und Ausschalten und heftigem Schütteln tatsächlich wieder zum Leuchten bringen kann.
Endlich sehen sie Temujin, der neben dem am Boden liegenden Saddikki steht und immer wieder ein Warnschnauben hören lässt. Und drüben am Rande der Höhle sind Goldjunge und Kleiner Fuchs an einem Felsvorsprung festgebunden und äugen neugierig zu ihnen herüber.
„Temujin war auch angebunden. Aber sieh, er hat sich losgerissen. Das war, als er Deinen Pfiff hörte. An seinem Halfter hängt noch ein Stück von dem Seil.“
Dann knien sie neben dem reglos auf dem Boden liegenden Saddikki. Er liegt auf dem Rücken, seine Arme sind weit über den Kopf hinausgestreckt und sein Gesicht ist zertrümmert, gleicht einer unförmigen, blutigen Masse. Deutlich ist ein Hufabdruck mitten drin zu erkennen und ein zweiter unterhalb des Halses auf seinem weißen, hemdartigen Mantel. Es ist kein schöner Anblick und Agijma wendet sich erschrocken ab. Mandraa überwindet sich und legt zwei Finger an den Hals des Mannes und sucht nach irgendwelchen Zeichen des Lebens an ihm. Doch er spürt nirgendwo einen Pulsschlag. Der Mann ist tot..."

 




 

"Temujins Vermächtnis" Band 3,

'Risse im Gewölbe des Glaubens'

"Zügellose Grausamkeit

...Noch immer sind alle in Hochstimmung angesichts ihrer Erlebnisse bei den Wettkämpfen. Sie lachen und scherzen, während Zaya Trinkschalen austeilt und sie mit Salztee füllt.
Plötzlich beginnt Schwarzohr böse zu knurren und er läuft vor die Jurten in jene Richtung, die zu der Piste durch die große Schlucht führt. Als hätte er damit den Adler veranlasst nachzusehen, wer von dorther das Tal betritt, erhebt sich dieser mit pfeifenden Flügelschlägen in die Luft. Alle Anwesenden blicken erst verwundert zu Schwarzohr und dann zum Adler hinauf. Der kreist über jenem Platz, der durch einen die Sicht Richtung Taleingang versperrenden Hügel verdeckt ist. Schwarzohr knurrt weiter, bleibt aber bei der Gruppe der Menschen, die alle in dieselbe Richtung blicken. Dann tauchen zwei Kinder an der Hügelkuppe auf. Ein Mädchen von vielleicht zehn Jahren mit einem kleineren Jungen an der Hand. Als sie die Gruppe der Jurten und die davor versammelten Menschen sehen, beginnen sie eilig zu laufen und deutlich ist schon von Weitem ihr Weinen zu hören. Agijma und Mandraa eilen ihnen entgegen. Schluchzend wirft sich das Mädchen in Agijmas Arme und Mandraa hebt den tränenüberströmten Jungen auf seinen Arm.
Bei den Jurten stürzen die Kinder sofort auf Damdaraa zu und klammern sich an seinen Deel. „Das sind ja Kinder aus Tolbar! Was ist passiert?“, ruft Damdaraa voller Schrecken in seiner Stimme.
Von Weinkrämpfen immer wieder geschüttelt, berichtet das Mädchen: „In der Nacht kamen viele Männer in weißen Kleidern in unsere Siedlung. Sie brachen in viele Häuser ein und schossen um sich. Dabei schrien sie fürchterlich. Ich habe viel Blut gesehen. Mein Vater lag auf dem Boden und auch mein großer Bruder. Unsere Mutter konnte noch die andere Tür unseres Hauses öffnen und uns hindurch schieben. Sie sagte, wir sollen schnell hierher laufen und Hilfe holen. Dann schloss sie die Tür wieder und wir waren allein.“
Bat reagiert sofort. Er schickt erneut seine Söhne auf den Weg, den Nachrichtendienst zu aktivieren. In jagendem Galopp rasen sie in verschiedene Richtungen davon. Die jungen Kämpfer aus Tolbar springen ebenfalls auf ihre Pferde, doch Damdaraa hält sie zurück.
„Halt, Ihr Burschen. Lauft nicht in eine Falle. Reitet hinüber in unser Tal, aber nähert Euch nur absolut verdeckt. Ihr dürft aus Tolbar nicht gesehen werden. Versucht nur, zu beobachten und wartet auf die Hilfe der anderen. Lasst Eure Pferde hinter den Felsen am Schluchteingang und schleicht Euch im Bachbett so nah wie möglich an die Siedlung heran. Wenn Ihr wichtige Einzelheiten erkennen konntet, soll einer zurückkommen und berichten. Sobald die ersten Krieger hier eintreffen, werden sie zu Euch kommen und gemeinsam werdet Ihr warten, bis wir alle vollständig sind. Dann werden wir entscheiden, wie weiter vorgegangen werden kann.“

Noch vor dem Morgengrauen, in jener Zeit, in der die Schläfrigkeit der Menschen am größten ist, hatte Omar seine murrende Truppe zu dieser Siedlung geführt. Als sie sich so weit genähert hatten, dass der erste Hund im Dorf aufmerksam wurde und anschlug, stoppte er seine Männer und hockte sich still auf den Boden. Alle anderen taten es ihm gleich. Inzwischen hatten weitere Hunde zu bellen begonnen, doch zaghaft. Sie reagierten wohl auf jenen ersten, der irgendetwas gehört oder gespürt hatte.
Neunundzwanzig Männer sprechen kein Wort, bewegen sich nicht mehr, sie atmen nur noch ganz flach, um auch so jedes Geräusch zu vermeiden. Nach und nach beruhigen sich die Hunde wieder, es herrscht absolute Stille. Langsam erhebt sich Omar und alle anderen folgen seinem Beispiel. Dann gehen sie Schritt für Schritt weiter. Vorsichtig setzen sie einen Fuß vor den anderen, möchten jedes Geräusch vermeiden, um die Hunde nicht erneut zu wecken. Doch irgendwann trifft ein Fuß einen Stein, der zur Seite rollt, und sofort zerreißt erneutes Gekläff die Stille der Nacht.
Wieder stilles Verharren, bis sich auch der letzte Hund beruhigt hat. Dann erneutes Vorandringen, noch vorsichtiger. Die ersten schattenhaften Gebilde von Zäunen und Hausdächern tauchen vor ihnen auf. Es sind wahrscheinlich nur noch hundert Schritte zum Rande der Siedlung..."

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"Temujins Vermächtnis" Band 4, 'Aufstand der Frauen'

 

"Das Grauen naht

 

...Rashed nähert sich dem Bazargelände. Es ist durch einen hohen Zaun von den Straßen abgetrennt, die es umringen. Mehrere Zugänge für kauflustige Besucher gibt es, und einen Platz, auf dem Motorfahrzeuge parken, die den Budenbesitzern gehören. Aber auch klapperige Holzkarren der Bauern, die ihre Produkte herbrachten. Die Zugtiere sind Esel, die jetzt an die Karren gebunden sind und Heu fressen. Noch ist der Bazar nur mäßig besucht. Also zögert Mustafa bestimmt noch, die Schläfer zu schicken. Ziellos durchquert Rashed das Gelände auf den Wegen zwischen den vielen Buden und Ständen mit unterschiedlichen Waren. Mal in die eine Richtung, dann wieder in die andere. Immer wieder verlässt er auch die Wege zwischen den Buden, geht hinaus auf die Zufahrtsstraßen. Alles ist ruhig, nichts deutet darauf hin, dass hier bald etwas fürchterliches geschehen könnte.

Endlich entschließt sich Rashed, das Gelände auf den Straßen vollständig zu umrunden. Auch hier ist alles ruhig. An verschiedenen Punkten gibt es Bushaltestellen. An manchen stehen kleine Gruppen von Wartenden. Einige von ihnen haben Körbe oder Taschen neben sich gestellt. Sie haben ihre Einkäufe beendet und wollen wieder nach Hause. Polizisten in Uniformen sind zu sehen, die gelangweilt an den Zäunen entlang wandern, immer zu zweit. Manchmal rollt ein Polizeifahrzeug vorbei.

Als der Nachmittag vorangeschritten ist, erhöht sich die Zahl der Besucher. Auch jetzt kommen immer noch Eselskarren angerollt und deutlich ist zu erkennen, dass sie einen weiten Weg hinter sich haben. Die Esel müssen getrieben werden, sie sind müde. Wenn sie in die Zufahrt für Lieferanten wollen, werden sie überprüft. Zwei Uniformierte durchsuchen die Ladungen, dann winken sie die Bauern weiter. Hinter einigen der ankommenden Karren gehen Landleute, wenden sich aber vor der Einfahrt nach rechts oder links. Bestimmt sind es Kauflustige aus den Dörfern, die zu den Besucher-eingängen streben. Rashed geht weiter und sieht einige tatsächlich hineingehen, andere aber an den Eingängen vorbei. Viele Frauen, in Schwarz gehüllt und mit Burkas, die nur einen schmalen Sehschlitz für die Augen lassen, sind unter ihnen. Die Frauen gehen alle paarweise.

Wieder geht Rashed hinein. Zwischen den Buden ist es jetzt deutlich voller geworden. Dann fällt ihm auf, dass einige der Besucher kaum Interesse an den angebotenen Waren zeigen. Sie wandern scheinbar ziellos umher, schauen nach links und rechts, ohne irgendwo zu verweilen. Das ist doch ungewöhnlich. Sind es irgendwelche zivilen Sicherheitskräfte? Auffällig ist auch, dass sie andere Besucher zu studieren scheinen. Nicht die Auslagen sind für sie interessant, sondern die Besucher. Und sie sind immer zu zweit. Aber eigentlich sehen die nicht wie Polizisten aus, die man an ihrem Verhalten doch auch in Zivilkleidung erkennt. Rashed jedenfalls, der lange genug in dieser Stadt lebte und seine Erfahrungen als Jugendlicher machte. Gegenüber allem wachsam zu sein, war hierzulande schon immer überlebenswichtig. Deshalb sind die Sinne so eines Burschen ganz anders geschärft als die von Landleuten, Touristen oder anderen Ausländern.

Rasheds Neugier ist erwacht. Heimlich folgt er zweien dieser Männer. Wenn sie sich abrupt umwenden, greift er scheinbar interessiert nach irgendwelchen Waren des nächsten Standes. Jetzt begegnen sich zwei dieser Paare an einer Kreuzung. Aus dem Augenwinkel erkennt Rashed, dass sie sich kennen müssen. Ein kaum wahrnehmbares Lächeln und winziges Kopfnicken verrät sie. Um nicht aufzufallen, folgt Rashed nun dem anderen Paar. Sie verhalten sich nicht anders. Irgendetwas oder Irgendjemanden scheinen sie zu suchen. Mustafas Leute können das nicht sein. Die sind froh, außerhalb in den Dörfern ihre Ruhe zu haben und herbeordert ist niemand, denn das wüsste Rashed. Da kommen gerade wieder zwei Männer entgegen, auch hier wieder diese winzigen Erkennungszeichen. Und dann erschrickt Rashed fast zu Tode. Einen von ihnen kennt er. Sein Gesicht wird er nie vergessen. Wie hatte er den bewundert. Seinen Mut, seine Unbeugsamkeit, seine Widerstandskraft. Rashed möchte laut seinen Namen rufen, ihn am liebsten umarmen. Doch rechtzeitig besinnt er sich. Stattdessen geht er wie unbeabsichtigt auf ihn zu und rempelt ihn an.

"Oh Verzeihung Herr, ich war unaufmerksam."

Der große, breitschultrige Mann sieht ihm erstaunt ins Gesicht. Dieses versteckte Lächeln, dieses Gesicht, das kennt er doch?

Rashed flüstert: "Ja, Dschamir, wir kennen uns. Ich bin Rashed. Du musst vorsichtig sein. Karsam vermutet, dass Du hierher kommen würdest. Allerdings erst nach den geplanten Anschlägen."

"Willst Du mit uns kommen? Wir sollten uns unterhalten Rashed", flüstert Dschamir zurück.

"Ja, Dschamir. Ich habe Dir viel zu erzählen."

 

Dann gehen sie hinaus, stellen sich außerhalb an den Zaun, wo sie sich nicht flüsternd unterhalten müssen, und Dschamir fragt: "Rashed, Du bist doch ein treuer Kämpfer Karsams. Nun warnst Du einen Abtrünnigen?"

"Ja, Dschamir. Ich habe endlich die Möglichkeit gefunden, mich von dieser schlimmen Organisation zu lösen. Ist es wahr, dass Du eine Gegenorganisation aufbauen willst? Wenn es so ist, würde ich gern mit Dir gehen. Ich habe auch viele Informationen, die Dich bestimmt interessieren."

Und dann berichtet er alle ihm bekannten Einzelheiten der geplanten Aktivitäten. Dass er die Schläfer mit den Sprengstoff-gürteln kennt, dass es drei sind, die gleichzeitig zünden sollen und dass der Anführer Mustafa ist, den Dschamir noch gut in Erinnerung hat. Nach Omar war dieser Mustafa einer der schlimmsten Fanatiker in der Festung.

"Rashed, Dich schickt der Himmel. Ich glaube, dass wir mit Deiner Hilfe ein fürchterliches Blutbad verhindern können. Weißt Du, wann die Schläfer zuschlagen sollen?"

"Das stand nicht genau fest. Sie werden jetzt erst einmal von geschickten Frauen abgeschlafft und ihr Bewusstsein mit verschie-denen Mitteln getrübt. Mustafa sprach davon, dass sie erst dann zuschlagen sollen, wenn der Bazar am besten besucht ist. Er will so viele Opfer wie nur irgend möglich."

"Werden sie allein und einzeln zum Bazar kommen?"

"Sie sollen einzeln und von verschiedenen Seiten kommen. Mustafa fürchtet, dass drei junge Männer als Gruppe auffallen könnten. Welche Wege sie nehmen, bleibt ihnen überlassen."

"Du weißt also, wo sie jetzt sind, wo sie vorbereitet werden. Könnte es sein, dass wir sie noch vor dem Verlassen des Verstecks abfangen könnten und damit auch Mustafa und den korrupten Herrn des Hauses festnehmen?"

"Ich fürchte, dass dies bereits zu spät ist. Der Abend ist nicht mehr fern und jetzt ist der Andrang im Bazar am größten."

"Schade. Aber es ist gut, dass wir durch Dich so viel mehr wissen. Wir ziehen jetzt unsere Leute vom Bazar ab und versuchen, die drei außerhalb abzufangen. Bitte, Rashed, gib uns eine genaue Beschreibung aller drei, wenn wir hier alle versammelt sind. Verbergen müssen wir uns nun erst einmal nicht."

Es dauert nicht lange, bis sich alle Männer und Frauen aus Dschamirs neuer Organisation an einer abgelegenen Stelle neben dem Bazargelände treffen. Es sind viele und sie erregen natürlich die Aufmerksamkeit der Bazarbesucher, aber auch der Polizisten. Die wissen zunächst nicht, wie sie sich verhalten sollen. So viele Leute vom Land auf einem Haufen? Sie wirken nicht bedrohlich und es sind viele wohlgekleidete Frauen unter ihnen. Es sieht fast aus wie eine Versammlung. Ein großgewachsener Mann spricht zu ihnen. Dann ein Jüngling. Vielleicht sollte man doch das Präsidium informieren? Verstärkung anfordern? Aber die sind alle unbewaffnet. Ach, und nun lösen sie sich schon wieder auf, gehen in verschiedene Richtungen davon. Die Polizisten atmen auf. Keine Gefahr.

 

Rashed hat die Beschreibungen abgegeben. So, wie er die Schläfer beschrieb, können sie eigentlich nicht übersehen werden. Weil sie unmaskiert erscheinen müssen, wird man ihre Gesichter deutlich sehen können. An allen vier Eingängen verteilen sich Dschamirs Leute. In dem inzwischen herrschenden Gedränge fallen die lockeren Gruppen von scheinbar fröhlich schwatzenden Männern und Frauen gar nicht auf. Innerhalb der Zugänge stehen rechts und links mehrere Gruppen und außerhalb ebenfalls. Wie zufällig werfen sie ihre Blicke immer wieder in alle Richtungen. Einzelne junge Männer sind selten unter den Ankommenden. Ist doch mal einer darunter, wird er besonders aufmerksam studiert. Keiner zeigt bislang Auffälligkeiten in seinem Verhalten oder entspricht den Beschreibungen Rasheds. An keinem der vier Zugänge.

Eine weitere Stunde ist vergangen und langsam schwindet das Tageslicht. Die Unterhaltungen der Beobachter werden leiser, sorgenvoller. Ihre Nerven sind in höchster Anspannung. Zweifel beginnen sich breitzumachen. Haben es die Burschen doch geschafft, unbemerkt einzudringen? Vielleicht sind sie über die Zäune geklettert? Nein, das kann nicht sein. Das wäre aufgefallen bei dem allgemeinen Gedränge überall. Die männlichen Beobachter werden immer unruhiger, in ihre Gesichter graben sich immer tiefere Sorgenfalten. Immer zwei Frauen stehen sich gegenüber und unterhalten sich wie zufällig, noch weit vor den Eingängen auf beiden Seiten. Doch ihre Augen wandern unentwegt in alle Richtungen. Durch die schmalen Sehschlitze haben sie es leicht, ihre angespannte Neugier zu verbergen. Und dann ist es soweit. Eine von ihnen strafft sich und flüstert: "Da kommt einer. Lass uns ihm entgegengehen."

Innerhalb von fünf Minuten geschieht dasselbe an zwei weiteren Zugängen. Jene Burschen, die zu den Eingängen streben, verhalten sich auffällig. Anders als andere Besucher. Sie gehen deutlich staksig und steif, gleichzeitig unsicheren Schrittes. Als stünden sie unter Drogen. Ihre Gesichter sind blass, die Augen weit aufgerissen und deutlich unstet ist ihr Blick. Und wenn man ihre weite, lockere Kleidung genau betrachtet, fällt auf, dass die verdeckte Körperform nicht zur Gesamterscheinung passt. Besonders in der Mitte des Körpers ist rundum eine Wölbung zu erkennen, als seien ihre Bäuche besonders gut gefüllt. Die eingefallenen Gesichter aber zeigen das gegenteilige Bild eines gutgenährten Menschen.

Allen Dreien gehen jeweils zwei Frauen entgegen. Bodenlang schwarz gekleidet und hinter den Schlitzen ihrer Burkas funkeln, unbemerkt von übrigen Passanten und vor allem der Zielburschen, dunkle Augen in fiebrigem Glanz. Kurz vor dem Erreichen ihrer Ziele trennen sie sich, scheinbar unbeabsichtigt, als wollten sie rechts und links vorbeigehen. Als sie neben ihnen sind, ergreifen sie blitzschnell und mit einem markerschütternden, schrillen Schrei beide Arme gleichzeitig, reißen sie senkrecht und schmerzhaft nach oben und werfen die Burschen rücklings zu Boden. Vier Knie pressen die Arme auf den Asphalt und verursachen bohrende Schmerzen. Die Aufschreie der Burschen zeugen davon, gleichsam vom Schreck ihrer totalen Überraschung. Und noch bevor ihnen bewusst wird, dass sie in eine Falle gerieten, werden von herbeieilenden Männern ihre Kutten hochgerissen, die Sprengstoffgürtel freigelegt und die Zündschnüre entfernt..."

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"Seemannsgarn?

- Hein Buddelkieks unglaubliches Abenteuer"

 

Schiffbruch

 

       Jetzt war es wohl so weit. Jetzt nahte eine Katastrophe. Aufrecht und steif hatte Hein bisher auf seinem Platz gesessen, doch jetzt krümmt sich sein Rücken und er wirkt beinah zwergenhaft. Als wollte er sich ducken vor einer drohenden Gefahr.

 

       "Am nächsten Tag, es war wohl gegen Mittag. So genau weiß ich es nicht mehr. Die Tageszeiten zu beachten, hatten wir schon lange aufgegeben. Es war ja Sommer und es gab längst keinen Sonnenuntergang mehr nördlich vom Polarkreis. Immer stand die Sonne irgendwo am Himmel. Mal höher, mal tiefer. Wer keinen Kompass vor der Nase hatte, wusste auch nie, wo Norden oder Süden war, Osten oder Westen. Ringsum war immer nur Wasser. Mal ruhig und glatt und die Spiegelungen tanzten auf dem Wasser, dass man ganz blind wurde. Dann wieder kräuselig durch sanfte Winde, oder aufgewühlt von fernen oder nahen Stürmen. Es war eigentlich Hochseefischer-Alltag. Der letzte Fischgrund brachte kaum noch Fang, deshalb dampften wir auf zu einem anderen. Die Fischberge an Deck wurden allmählich kleiner und bestimmt würden die letzten Kabeljaus am nächsten Tag unter Deck sein. Da meldete der Ausguck: 'Ein Eisberg, er ist riesig.'

       'Wo?' will gleich der Kapitän wissen.

       'Zwei Strich Steuerbord.'

       Neugierig tritt der Kapitän auf der Brücke neben den Ausguck. Sofort kriegt sein Gesicht wieder diesen gierigen Blick und mit grinsender Fratze ruft er laut: 'Zwei Strich Steuerbord!'

       Der Rudergänger reagiert sofort und dreht das Steuerrad nach rechts, beobachtet den Kompass und geht nach wenigen Sekunden wieder zurück auf mittschiffs. Ich stehe am Bug und beobachte besorgt den langsam näher kommenden Eisriesen. Er ist wirklich riesig. Je näher wir kommen, um so deutlicher wird seine gewaltige Größe. Nicht sein Umfang ist es eigentlich, sondern vor allem seine Höhe.

       'Mach nicht wieder so ein Gesicht, Hein. Als hättest Du die Hosen voll. Du weißt doch, dass die Gegenmasse unter Wasser um ein Vielfaches größer ist und er deshalb überhaupt nicht kippen kann. Das mit dem Kippen sind doch alles nur Gerüchte', schreit der Kapitän von der Brücke runter.

       Ich habe darauf nicht geantwortet. Das war sowieso zwecklos. Andere Meinungen haben ihn nie interessiert. Er glaubte schon immer, alles besser zu wissen, als alle anderen. Aber ich hatte so ein unbestimmtes Gefühl in mir. Es war diesmal mehr als einfache Furcht. Schließlich wusste ich, dass dieses vielfache Gegenwicht unter Wasser ja in seinem Element schwamm, also wesentlich leichter war als seine Gesamtmasse. Und im Wasser zudem wie auf einem gut geschmierten Gleitlager ruhte. Kleine Schwingungen könnten sich leicht vergrößern und immer weiter pendeln, bis zum Kippen. Außerdem klangen mir immer noch Fietes Prophezeiungen in den Ohren.

       Noch weit vor dem Riesen ließ er das Netz wegfieren. Dann schleppten wir es ganz nah heran und liefen an der eisigen Flanke entlang. Wir waren so nah, dass wir unsere Köpfe ganz weit in den Nacken legen mussten, um seine Spitze zu sehen. Das Eis strahlte eine Kälte ab, dass wir an Deck schnell die dicksten Winterklamotten anziehen mussten. Und dann war es soweit. Der Ausguck meldete plötzlich, dass vor uns unter der Wasseroberfläche Eis zu sehen sei. Es schimmerte Türkis aus geringer Tiefe. Dort muss also dieser Riese einen Teil seiner Unterwassermasse wie ein Riff vorgelagert haben.

       Der Kapitän brüllt 'Dreh ab!'. Aber wir waren schon zu nah an diesem Riff. Der Aufprall war gewaltig. Es riss alle von den Beinen, die sich nicht gerade irgendwo festhalten konnten. Die Fischverarbeiter stürzten in die Kabeljaus, manche wurden von ihnen zugedeckt. Irgendjemandem zu Hilfe zu kommen, war jedenfalls zu spät. Auf unseren Aufprall folgte augenblicklich ein gewaltiger Donner aus dem Eisriesen heraus. Dort, wo die Brandung der See eine rundum laufende Rinne in das Eis gewaschen hatte, brach er auseinander. Ich war zu der Zeit ganz vorn am Bug, als der obere Teil des Berges auf unser Schiff stürzte. Das Heck und die Brücke wurden getroffen. Das Getöse war überirdisch. Mit dem Zertrümmern des halben Schiffes, dem Bersten des Eises und dem Einschlagen eines riesigen Eisfelsens ins Wasser gab es ein Geräusch, dass ich noch heute jede Nacht hören muss.

       Niemand konnte noch irgendwie reagieren. Noch nicht mal über Bord springen, um sich vielleicht zu retten. Es ging einfach alles viel zu schnell. Hier zeigte sich erst richtig, wie winzig unser Schiff war gegenüber dieser Gewalt. Und wie ohnmächtig wir Menschen auf ihm. Alle Sauf- und Raufbolde, die sich immer für unbezwinglich gehalten hatten, waren nicht mal mehr fähig, zu fluchen. Jetzt wurden sie wie Ameisen unter dem Schuh eines Menschen zermalmt. Wahrscheinlich auch der Kapitän. Jedenfalls alle, die sich im Heck oder auf der Brücke befanden und viele von denen auf dem Vorschiff. Mehrere Fischverarbeiter hatten noch ihre Messer in einer Hand und einen Kabeljau in der anderen, als sie, genau wie ich, in die Höhe katapultiert wurden. Alle, die sich weit vorn befanden. Manche klatschten auf die zermalmten Reste des Schiffes in diesem gewaltigen Wasserstrudel oder gegen das Eis. Ich konnte es während meines Fluges gerade noch sehen, denn ich flog höher als alle anderen, weil ich zufällig am weitesten vorn war, wo die Hebelwirkung für das Hochschnellen am größten ist. Das allein hatte dazu geführt, dass ich nicht auf Teile des Schiffes oder die untertauchenden Eismassen aufschlug, sondern in das aufsprudelnde Wasser. Ich wurde hinabgezogen, versuchte verzweifelt an die Oberfläche zu kommen, verlor die Orientierung, wusste nicht mehr, wo oben oder unten ist. Es wirbelte mich ständig rundum. Meine Atemluft ging zu Ende. Dann schluckte ich Wasser, spürte die Eiseskälte in meinen Körper kriechen. 'Jetzt hab ich es geschafft!', konnte ich grade noch denken, dann verlor endlich das Bewusstsein.

       Ich weiß nicht, wie lange ich ohnmächtig war. Aber als ich wieder zu mir komme, kotze ich erst einmal Wasser. Ich glaube, eine Pütz wäre voll geworden davon. Dann erst wird mir bewusst, wo ich bin und was geschehen war. Mit dem Kopf bin ich über dem Wasser, der Körper ist kaum zu spüren. Wahrscheinlich hat sich eine Luftblase in meiner Jacke halten können. Alle übrigen Körperteile hängen wohl senkrecht nach unten. Ich sehe zwei Eisriesen. Die Lücke zwischen ihnen ist direkt vor mir, das mussten diese beiden auseinandergebrochenen Teile sein. Das Wasser ist noch immer unruhig, es schwabbelt aufgeregt um mich herum und klatscht ständig gegen das Eis. Einige Holzplanken schwimmen umher, es sind Schottbretter meines Schiffes. Sie hatten an Deck verhindert, dass die Kabeljaus bei Seegang unkontrolliert herumrutschen konnten. Jetzt können sie das nicht mehr, sondern schwimmen selbst inmitten der toten Fische. Ich versuche, zu einem Schottbrett zu gelangen, um mich vielleicht daran festzuhalten. Aber ich bin steif, kann mich nicht bewegen. Und ich spüre, wie langsam auch mein Geist einfriert. Immer schwerer fällt mir das Denken. Das Wasser hatte hier bestimmt nur wenig mehr als Null Grad. 'Wenn ich doch nur dort an den flachen Teil des weißen Berges kommen könnte, der ganz nah ist, und der gerade so eben aus dem Wasser ragt. Dort könnte ich mich bestimmt hinaufziehen', kann ich gerade noch denken. Ich versuche, einen Arm anzuheben und nach vorn zu strecken, um eine Schwimmbewegung hinzukriegen. Aber es geht nicht. Auch nicht unter größter Anstrengung, nicht mit aller Gewalt.

       'Das wars', denke ich und bin dabei, mich aufzugeben. 'Warum soll gerade ich überleben, als Einziger? Wohin ich auch sehe, da schwimmt nirgends ein Mensch. Nur tote Kabeljaus und Schottbretter und über allem eine unglaubliche Menge von kreischenden Möwen. Woher konnten die so schnell erfahren haben, dass es hier viele Fische an der Oberfläche geben würde? Und wieso schwimme ich überhaupt noch an der Oberfläche? Ohne die geringste Schwimmbewegung? Und wieso kommt dieser Eisberg plötzlich immer näher? Genau mit dieser flachen Stelle, die gerade so aus dem Wasser ragt? Wo ich so gern hinaufgeklettert wäre? Schwimmt der auf mich zu?'       

Plötzlich spüre ich eine Bewegung unter mir. Etwas ist da, dass sich gegen mich drückt. Immer wieder. Und nach vorn schiebt! Ich richte meinen Blick nach unten. Da ist etwas Dunkles unter mir. Ganz nah. In Wellenbewegungen entfernt es sich ein bisschen, kommt wieder hoch und berührt mich wieder. Sofort kommt dieser Schub nach vorn, auf das Eis zu. So stark, dass ich eine Bugwelle erzeuge und schon wieder Wasser schlucke. Plötzlich arbeitet mein Geist auch wieder, ich spüre eine befreiende Erregung."

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15.05.2017 | 1198 Aufrufe