Mit der 26. Anekdote enden meine Kurzberichte vom Ritt um die Welt!

Auch wenn der Ritt durch die USA von San Francisco nach Washington DC und weiter jenseits des Atlantik von Amsterdam bis zum Startpunkt im deutschen Rheingau weniger spektakulär, weil viel sicherer war, hatte er dennoch seine manchmal haarsträubenden Erlebnisse.

So zum Beispiel der Ritt über den Hoover-Dam zwischen Nevada und Arizona, wieder mal mit Polizeieskorte, die angsteinflößende Durchquerung eines engen Tunnelsystems in absoluter Finsternis, und die Bedrohung durch einen Puma in einem Nationalpark mit panikartiger Flucht meiner Pferde. Gut, dass ich längst sattelfest war und so diesen katapultähnlichen Start und dem anschließenden, rasenden Galopp im Sattel überstand.

Temujin hatte ich in vier Etappen zur Ostküste nachgeholt, und am Rande Washingtons mussten alle drei Pferde während einer dreißigtägigen Quarantänezeit ihre Gesundheit beweisen, damit sie, wiederum im Flugzeug, nach Europa einreisen durften. Auch hier zeigte sich die offensichtlich unerschütterliche Immunstärke dieser beeindruckenden Pferderasse.

Der Ritt am Rhein entlang war nur noch wegen der teilweisen, erschreckenden Verkehrsdichte eine Herausforderung. Allerdings gab es auch hier eine nicht vorausgesehene Überraschung: die TÜV-Plaketten des Versorgers und des Anhängers waren seit fünf Jahren abgelaufen, was den geübten Augen einer Polizeistreife nicht entging. Meine Beteuerungen fanden Verständnis und ohne Bakschisch-Forderungen durch die Beamten durfte ich die Reise fortsetzen , was in vielen Ländern, durch die ich gekommen war, undenkbar gewesen wäre. Der Einzug in unsere Heimatstadt war dafür allerdings ein triumphales Gänsehaut-Erlebnis.

Ein Ereignis kurz vor dem Ziel werde ich nie vergessen: wir trafen auf einen Waldweg, den wir vor mehr als viereinhalb Jahren oft als Trainingsstrecke benutzten. Puschkin blieb wie angewurzelt stehen und reagierte überhaupt nicht auf meine Antriebshilfen. Er hatte ganz eindeutig den Weg wiedererkannt! Nach so langer Zeit und so vielen ähnlichen Wegen rund um den Erdball! Dies ist ein bemerkenswerter Beweis für die beeindruckende Merkfähigkeit von Pferden.

Abschließend bitte ich um Verständnis für diesen Hinweis: natürlich streute ich diese Anekdoten mit dem Ziel, die Neugier jener Leserschaft zu wecken, die das Gesamtwerk noch nicht kennen. Es konnten in dieser Form nur wenige Stichpunkte sein. Was alles zwischen diesen Anekdoten geschah, ist nicht weniger spannend und oft spektakulär. Nicht ohne Grund ist das Buch "Mit zwei Pferden um die Welt" so umfangreich geworden und wie verschiedene Leser bestätigten (übrigens auch solche, die mit Pferden gar nichts zu tun haben), ist es eine spannende Abenteuer-Erzählung vom Anfang bis zum Ende. Manche lasen dieses Buch mehrmals, andere beteuerten, dass es sie aus Depressionen befreite und sie es immer zur Hand nahmen, wenn sie aus verschiedenen Gründen verzweifelt waren. Für mich sind dies riesengroße Komplimente und solche Zuschriften geben mir das Gefühl, dieses Abenteuer nicht für mich allein gemacht zu haben. Mein niemals endender Dank aber gilt meinen Pferden, deren stets ehrliche Zuneigung meinen Mut und meine Kraft zum Durchhalten entscheidend stärkten. "Danke Panca, danke Puschkin - dort oben im Pferdehimmel. Vielleicht werde ich bald wieder mit Euch zusammen sein! Danke auch Temujin, dessen Zuneigung unendlich ist und mich immer wieder von Neuem glücklich macht!"

05.10.2019 | 323 Aufrufe