1. Fortsetzung von: "Schon davon gehört?"

Die Suche nach einem vertrauenswürdigen Winterquartier.

Das Jahr neigte sich, das Wetter in Südrussland wurde immer ungemütlicher. Wir näherten uns Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad. Ich fürchtete, als Deutscher hier massive Probleme zu bekommen. Um die Pferde für die Wintermonate irgendwo einzustellen, riet Ivan, nach deutschen Kolonien zu suchen, die es entlang der Wolga noch geben sollte. Leider fanden wir keine, die meisten Bewohner mit deutschen Wurzeln waren schon nach Deutschland ausgewandert. Aber in Wolgograd gab es eine berittene Polizeigarde mit 50 Pferden und entsprechenden Ställen. Leider erwartete der Kommandant eine zu hohe Summe: 25.000 DM für 2 Pferde bis zum Frühling. Nun weiß ich, auf welche Weise die Oligarchen Russlands ihre Millionen verdienten.

Ein Großbauer in einem nahen Dorf hätte uns auch gern aufgenommen, aber er erwartete den Bau eines Stalles und einer Koppel. Auch das überstieg mein Budget erheblich. Hilfreich war endlich der Besuch eines russischen Fernsehteams und die Einladung zu einer Präsentation auf dem Heldenplatz von Wolgograd. Es entstand ein Film, der mehrmals über ganz Russland ausgestrahlt wurde, sodass ich im nächsten Jahr sogar tausende Kilometer weiter östlich in Sibirien noch mit dem Vornamen angesprochen wurde.

Und er war der Schlüssel zu einem vertrauenswürdigen Quartier 50km östlich der Wolga in Leninsk. Der Besitzer eines privaten Gestüts mit Trabrennbahn war bescheidener und gab sich mit dem Überlassen des Planwagens und dem Zuggeschirr zufrieden. Ich wollte im nächsten Jahr durch Kasachstan, Sibirien und die Mongolei wieder im Sattel sitzen und nicht mehr auf Autostraßen angewiesen sein. Die Rücksichtslosigkeit osteuropäischer Autofahrer hatte uns mehrfach an den Rand der Katastrophe getrieben! Also musste ein Begleitfahrzeug aufgetrieben werden, dass als Versorger mit Wasser, Futter, diversen Werkzeugen, Hufeisen und Amboss dienen und vom treuen Ivan gefahren werden sollte.

11.02.2022 | 26208 Aufrufe